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Kommentar:Netzwerk statt Röhre

Im Öffentlichen Nahverkehr sollten die Politiker über die Stammstrecke hinausdenken

Viel Geld und Hirnschmalz werden gerade auch in der Kommunalpolitik für Gutachten ausgegeben, die Ergebnisse aber oft ignoriert. Selbst ohne Studie müsste auch Laien einleuchten, dass inzwischen viele Menschen kreuz und quer durch den Großraum München unterwegs sind. Dafür sorgen viele Gewerbegebiete rund um die Landeshauptstadt, neue Siedlungen, Ableger der Universität wie in Garching oder das Biotechnologie-Cluster im Süden. Dass alle Pendler partout zum Marienplatz müssen, glauben nur noch jene, die unbedingt einige Milliarden Euro in einer zweiten S-Bahn-Röhre verbuddeln wollen, die ein zentralistisches System auf Jahrzehnte fest betonieren würde.

Weil einerseits sogenannte Tangentialverbindungen immer wichtiger werden und andererseits der Autoverkehr längst überhand genommen hat und ökologischer Wahnsinn ist, sind andere Lösungen gefragt. Ein Netzwerk aus verschiedenen Zugtypen, Trambahnen und Bussen muss her. Robert Ulzhöfer, der für die Stadt Puchheim eine Verkehrsanalyse erarbeitet hat, bestätigt den Trend zum Querverkehr und hat daraus die Konsequenzen gezogen. Er plädiert für Expressbusse, wie sie der Landkreis schon vorbildlich eingeführt hat, und eine Stadt-Umland-Bahn.

Vor zwölf Jahren haben kurzsichtige Kommunalpolitiker nicht nur in Olching und Puchheim dieses Projekt einer Ringbahn als zu teuer und überflüssig verworfen. Es steht zu befürchten, dass inzwischen etliche Flächen, die für eine Trasse geeignet wären, zugebaut sind. Auch der Vorschlag eines Citybus wurde in Puchheim schon mal abgebügelt.

Die Stadträte jedenfalls sollten sich diese Verfehlungen in der Vergangenheit ebenso zu Herzen nehmen wie die aktuellen Analysen und Ratschläge des Verkehrsplaners. Wir müssen auf Bahn, Bus und Rad umsteigen und mehr zu Fuß gehen. Diese Verkehrsarten müssen dafür attraktiver werden. Das Auto hingegen ist ein Dinosaurier. Selbst das Elektroauto verschlingt zu viel Energie für die Herstellung und zu viel Fläche für Parken und Fahren. Neue Straßen, so lautet eine gesicherte Erkenntnis, ziehen obendrein nur zusätzlichen Autoverkehr an.

© SZ vom 22.12.2015
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