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Kommentar:Musikerziehung mit Sparzwang

Das Puchheimer Jugendkammerorchester zeigt erneut sein großartiges Können - doch finanziell gefördert werden die Nachwuchsmusiker kaum

Was für ein Erlebnis. Man schaltet am Montagmorgen im Autoradio BR Klassik an und hört einen Walzer, gespielt vom Puchheimer Jugendkammerorchester. Gespielt in einer Qualität, wie man es sich von großen Orchestern wie den Wiener Symphonikern erwartet. Sicher lassen sich die Nachwuchsmusiker aus dem Landkreis, nur weil sie beim Bayerischen Orchesterwettbewerb hervorragend abgeschnitten haben und man als Zuhörer stolz auf diesen verdienten Erfolg ist, nicht mit den weltbekannten Klangkörpern vergleichen. Aber der eine oder andere junge Streicher, der gerade im Radio zu hören ist, hat Chancen, später als Berufsmusiker Karriere zu machen.

Das Puchheimer Jugendkammerorchester ist nicht nur bei Wettbewerben erfolgreich. Es leistet nebenbei noch unverzichtbare Nachwuchsarbeit für das Konzertleben. Spätestens bei der Frage, wer die Musikschüler fördert und die Lehrer, die sie auf ein so hohes Niveau bringen, trübt sich die Freude über das Hörerlebnis ein. Schließlich zogen sich die Kommunen, die die Kreismusikschule mitfinanzieren, erst in diesem Jahr aus der Begabtenförderung ganz zurück. Mitfinanziert wird nur noch die Breitenausbildung. Und den Musiklehrern, die - nach einem langen Studium mit künstlerischem Diplom - mit viel persönlichem Engagement den Nachwuchs unterrichten, ist dem Vernehmen nach ebenfalls im Zusammenhang mit der jüngsten Sparrunde der Kreismusikschule die Sonderzulage eines 13. Monatsgehalts gestrichen worden. Das zeigt, welchen Stellenwert die Musikerziehung im Landkreis wirklich hat. Üppig sind diese Musiklehrer sowieso nicht dotiert. Und auch bei Zuschüssen an das als Verein geführte Jugendkammerorchester zeigen sich die Kommunen und der Landkreis alles andere als generös. Das passt nicht zu den Leistungen dieses Klangkörpers. Auf dieser Linie liegt auch, dass selbst der Bayerische Musikpreis eine undotierte Ehrung ist.

Der jüngste Erfolg des Jugendkammerorchesters sollte also nicht nur ein Anlass sein, stolz zu sein auf das, was Lehrer und ihre Schüler leisten. Er sollte auch ein Anlass sein, endlich darüber nachzudenken, wie begabte junge Musiker zu fördern sind. Um große Summen geht es dabei nicht. Und den größten Anteil müssen sowieso weiterhin die Eltern und die engagierten Lehrer schultern. Ändert sich nichts, könnte es sein, dass in absehbarer Zeit die Erfolge ausbleiben - und damit großen Orchestern auch der Nachwuchs fehlt.