Kommentar Monolog statt Dialog

Der geplante Ablauf einer Infoveranstaltung verstärkt das Misstrauen der Bürger

Von Peter Bierl

Wie immer man das Projekt Geothermie in Puchheim beurteilt und wie gering die Gefahren sein mögen, es gibt das Restrisiko von Erdbeben. Anwohner wollen sich vor Schäden schützen und Antworten auf die Frage, wer im Ernstfall haftet. Sie wollen wissen, wie zu verhindern wäre, dass die Firma sich vom Acker macht, indem sie einfach Insolvenz anmeldet, sollte der größte anzunehmende Unfall doch einmal eintreten. Dieses Interesse von Hausbesitzern ist so legitim wie das einer Geothermie-Firma, Gewinne zu machen, und der Kommune, eine saubere Energiequelle anzuzapfen.

Eine Informationsveranstaltung für die Bürger über die Technik, ihre Folgen und die Risiken ist deshalb das Mindeste, was die Stadt anbieten kann. Allerdings ist das Konzept für den geplanten Abend fragwürdig. Die Stadt ist nicht neutraler Mittler, sondern Partei. Sie beteiligt sich an dem Projekt und will als Gesellschafter in eine gemeinsame Geothermie-Firma eintreten. Darum wäre es angemessen gewesen, alle beteiligten Parteien hätten gemeinsam die Veranstaltung vorbereitet und die Bürgerinitiative wäre auf dem Podium vertreten. Vorgesehen ist stattdessen, dass der Bürgermeister und der Geschäftsführer des Unternehmens Statements auf dem Podium abgeben, die Bürger Fragen und Kritik anschließend aber nur an Infotischen im Saal des Kulturzentrums vorbringen können. Mag sein, dass damit eine Konfrontation an diesem Abend vermieden wird. Selbstverständlich kann der Bürgermeister darauf pochen, dass es die Veranstaltung der Stadt ist, die entscheidet, was läuft.

Bloß ist das kurzsichtig. Das Podium ist einseitig besetzt, die Bürgerinitiative hat keine Chance, ihre Positionen allen vorzustellen. Sie argwöhnt, dass der Unmut kanalisiert und kleingehalten werden soll. Es besteht keine Chance, Argumente in freier Rede und Gegenrede zu widerlegen. Die Stadt organisiert keinen Dialog, sondern einen Monolog, der Unmut und Misstrauen verstärkt und zur Eskalation beiträgt. Die Konfrontation wird allenfalls aufgeschoben. Bereits im Dezember hat die Bürgerinitiative in einem Rundbrief den Gedanken eines Bürgerentscheids ins Spiel gebracht.