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Kommentar:Mehr Service

Die Kreisräte sollten endlich zu einer Entscheidung kommen, ob sie das Abfallsystem nachbessern wollen

Von Heike A. Batzer

Die Müllentsorgung ist ein Thema, das jeden betrifft. Der Landkreis Fürstenfeldbruck galt mit seinem Sammelsystem einst als Vorreiter. Abfälle werden fein säuberlich in unbrauchbare und verwertbare Fraktionen getrennt, Sortier- und Lageraufwand der Wertstoffe sind immens. Doch die Bürger erweisen sich als gut erzogen. Sie kennen das System seit Jahrzehnten und haben sich damit arrangiert. Manchen gelten die großen Wertstoffhöfe gar als gesellig-beliebte Treffpunkte. Doch die Frage, die schon länger drängt, lautet: Ist das System noch zeitgemäß? Wo muss nachgebessert werden? Wo kann mehr Dienstleistung den Eigenaufwand ersetzen?

Bei der Suche nach den Antworten kommt der Landkreis jedoch nicht so recht voran. Papier- und Wertstofftonnen ergänzen mittlerweile die Möglichkeiten der Abfuhr von Abfall und Wertstoffen an der Haustür. Und nun noch eine Biotonne? Wie sie in fast allen deutschen Landkreisen üblich ist? Das Thema ist schon seit Jahren virulent. Im Vorjahr ergab eine Abfallanalyse, dass im Restmüll auch viel organischer Abfall entsorgt wird, der da eigentlich nicht hinein gehört. Ländliche Gegenden haben es einfacher, dort wird häufig im Garten kompostiert. Aber wer darauf angewiesen ist, seine Küchenabfälle in diese kleinen Papiersäckchen zu füllen und diese an den Straßenrand zu stellen, mag sich schon fragen, ob diese Art der Entsorgung tatsächlich die beste Variante ist.

Bei der Entscheidungsfindung sollen nun auch die Ergebnisse einer repräsentative Telefonbefragung helfen. Sie hat sehr viel Zustimmung für das aktuelle Abfallsystem ergeben. Bedeutet dies, dass alles gut ist und so bleiben kann? Darüber ausgetauscht haben sich die Kreisräte noch nicht. Einzig ein weiteres Gutachten - wieder eines, möchte man sagen - haben sie in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten der Erfassung und Verwertung von Biomüll noch einmal zu beurteilen. Es wird endlich Zeit, dass sich die Kreisräte zu einer Entscheidung durchringen. Dabei sollten sie sich davon leiten lassen, dass das Abfallsystem im Landkreis durchaus eine Modernisierung und mehr Service gebrauchen kann.

© SZ vom 26.11.2020
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