bedeckt München 14°

Kommentar:Konsequenz ist gefordert

Dass die Infektionszahlen nur mäßig sinken, liegt auch an den laxen Kontrollen der Maßnahmen. Deshalb ist die Forderung des Gewerbeverbandsvorsitzenden richtig

Kommentar von Peter Bierl

Seit Tagen wird diskutiert, warum die Zahl der Corona-Infektionen nur mäßig sinkt, allen Einschränkungen zum Trotz. Die Antwort ist offensichtlich. Im Frühjahr während des ersten Lockdown wirkten Bruck, Germering oder andere Orte mitunter wie Geisterstädte, jetzt fehlen im Straßenbild eigentlich vor allem die Schüler. Auf den Straßen wie in den Zügen sind mehr Pendler unterwegs als seinerzeit. Der Unterschied rührt daher, dass im Frühjahr große Betriebe stillstanden, weil Zulieferteile nach den Grenzschließungen fehlten, etwa in der Autoindustrie. Einfach ins Home-Office kann man weder das produzierende Gewerbe, noch Handwerker und viele andere Beschäftigte schicken. Der zweite negative Faktor ist, dass Schutzmaßnahmen nur lax umgesetzt und kontrolliert werden.

Im Frühjahr stand extra Personal am Eingang von vielen Einkaufsmärkten, achtete auf eine Desinfektion der Hände, auf Masken oder darauf, dass alle einen Einkaufswagen benutzten, was für Abstand sorgt und die Kundenzahl reguliert. Jetzt finden sich oft bloß noch Schilder, die auf Vorschriften hinweisen, und das ist eindeutig zuwenig. Vom ohnehin meist knapp bemessenen regulären Personal ist nicht zu erwarten, dass es diese Extraarbeit übernehmen, gar noch Atteste auf Befreiung von der Maskenpflicht checken oder mit Querulanten aus der Querdenkerszene herumstreiten.

Deshalb ist die Auffassung von Franz Höfelsauer, dem Vorsitzenden des Brucker Gewerbeverbandes richtig: Die Supermärkte, oft Filialen großer Ketten, sollen Leute dafür einstellen. Die Gewerkschaft soll sich aufraffen und diese Forderung unterstützen, um das Verkaufspersonal zu entlasten, statt bloß wohlfeile Aufrufe zu mehr Home-Office zu unterschreiben. Das Landratsamt wiederum kann die Verantwortung nicht einfach auf die Polizei abwälzen. Wozu gibt es eigentliche eine Gewerbeaufsicht?

© SZ vom 21.01.2021
Zur SZ-Startseite