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Kommentar:Klimaschutz muss Chefsache werden

Ohne Windkraft wird die Energiewende nicht gelingen. Politiker von CSU und Freien Wählern stehen deshalb in der Pflicht, die Hindernisse für den Bau von Windrädern zu beseitigen

Von Stefan Salger

Die Luft wird immer dünner für die Windkraft. Nun also stehen auch die letzten beiden wohl möglichen Standorte bei Mammendorf und Jesenwang zur Disposition. Es verfestigt sich der Eindruck, dass die Energie- und Klimawende - auch im Landkreis - bereits um die Jahrtausendwende wie ein Löwe losgesprungen ist und viele schöne Worte später als sprichwörtlicher Bettvorleger landet. Bis 2030 will der Landkreis den Umstieg auf Erneuerbare Energien schaffen. Das aber wird mit Photovoltaik und Biogas allein nicht gelingen. Mächtige Stromtrassen quer durch Deutschland will auch niemand, zumal der Süden die Verantwortung damit wohlfeil auf andere abwälzen würde.

Ohne eigene Windkraft geht es also nicht. Wer die wegen der "Verspargelung der Landschaft" ablehnt, soll bitteschön praktikable Alternativen benennen und vor allem voranschreiten, wenn es im Sinne der CO₂-Reduzierung um Abstriche geht bei Mobilität, Wohnen, Reisen und Konsum. Wer sich nicht weiter auf Lippenbekenntnisse beschränken will, muss sich aktiv und eindeutig gegen die in Bayern geltende Zehn-H-Regelung einsetzen. Denn vor allem sie hat die bereits weit fortgeschrittene Ausweisung geeigneter Standorte für Windräder im Landkreis zur Makulatur gemacht. 720 Hektar schnurrten da per Federstrich zusammen zu einem kläglichen Fleckchen.

Die Lehren daraus? Politiker aller Parteien - vor allem der CSU und der Freien Wähler, die in München am Ruder sitzen - müssen endlich Farbe bekennen. Und sie müssen sich für die maßvolle Anhebung der Radarmindestführungshöhe einsetzen, in die viele Windräder in Teilen Oberbayerns hineinragen würden. Zudem sollte Bürgern der Anliegergemeinden eine Beteiligung an Bau und Rendite ermöglicht werden.

Die Energiewende muss also endlich zur Chefsache werden, und das auch im Landkreis. Alles andere wäre eine Bankrotterklärung beim Klimaschutz, die sich den nächsten Generationen nicht erklären ließe.

© SZ vom 15.06.2021
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