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Kommentar:Klimaschutz immer mitdenken

Das Brucker Waldgebiet vor dem Kiesabbau zu schützen, ist nur ein erster Schritt. Mittelfristig muss es darum gehen, stärker auf alternative Baumaterialien zu setzen

von Ingrid Hügenell

Für den Erhalt des Teils des Rothschwaiger Waldes, der als nächstes für den Kiesabbau vorgesehen ist, gibt es in der Stadt Fürstenfeldbruck ein breites Bündnis. Alle Fraktionen im Stadtrat haben sich angeschlossen. Die SPD hat auch ihren Landtagsabgeordnete Florian von Brunn ins Boot geholt, den umweltpolitischen Sprecher. Er hat über eine schriftliche Anfrage an die Staatsregierung erreicht, dass das Umweltministerium die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz anerkennt - ein wichtiger Schritt für das Aktionsbündnis. Der Klimawandel schädigt die Wälder bereits stark, er ist so bedrohlich, dass er bei allen Entscheidungen mitgedacht werden muss - auf allen Ebenen, gerade auch auf der kommunalen.

Denn der Kies wird ja nicht aus Jux und Tollerei gefördert - er wird, ebenfalls nach Angaben des Umweltministeriums, zu 90 Prozent zum Bauen gebraucht. In Bayern werden 150 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe gewonnen, jedes Jahr, größtenteils Kies und Sand. Für die Förderung werden jährlich Flächen verbraucht, die der Größe von 1260 Fußballfeldern entsprechen. Mindestens teilweise könnten diese Rohstoffe durch aufgearbeitete Baustoffe ersetzt werden, wie sie das Fürstenfeldbrucker Kieswerk auch herstellt. Der Landkreis hat schon beschlossen, bevorzugt Recycling-Material einzusetzen. Fürstenfeldbruck sollte baldmöglichst nachziehen und entsprechende Regelungen beschließen. Das würde auch dem Rothschwaiger Wald helfen, womöglich schon mittelfristig. Gerade beim Straßenbau lassen sich recycelte Baustoffe gut einsetzen.

Zudem sollte gerade die öffentliche Hand stets prüfen, ob es nicht ökologisch sinnvoller ist, bestehende Gebäude zu sanieren als sie abzubrechen und neue zu errichten. Dass der Neubau viel zu häufig finanziell günstiger erscheint, liegt vor allem daran, dass die Kosten, die der Klimawandel verursacht, nicht mit eingepreist werden. Dabei trägt die Bauwirtschaft erheblich zur Erderwärmung bei, nicht nur durch die Zerstörung von Wäldern beim Kiesabbau, sondern auch durch die riesigen Mengen an sogenannter grauer Energie, die für die Herstellung von Baustoffen benötigt wird.

© SZ vom 15.04.2021
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