Kommentar:Jeder Quadratmeter zählt

Für den einzelnen mag es "nur" um seinen Vorgarten gehen, in der Summe aber sind zig Schottergärten und betonierte Einfahrten in einer Kommune zu viel

von Ariane Lindenbach

My home is my castle", besagt ein englischer Sinnspruch. Was ja auf deutsch nichts anderes bedeuten soll, als dass jede und jeder in den eigenen vier Wänden tun und lassen kann, was er möchte. Diese Freiheit im eigenen privaten Bereich betrifft freilich auch den Garten. Und diese Maxime muss in einer Demokratie auch hoch gehalten werden. Zumindest solange sie niemand anderem schadet. Es ist beispielsweise völlig legitim, in seinem Heim - oder auch im Garten - hüllenlos herum zu laufen.

Doch bei der Frage, ob ein Garten komplett oder in Teilen aus Stein bestehen darf, egal ob als Schotter aufgeschüttet oder in Beton gegossen, geht es längst nicht mehr nur um die Frage, ob man sich auf diese Weise elegant das Unkrautjäten und sonstige immer wieder anfallende Gartenarbeiten erspart. Spätestens die jüngsten Hochwasserkatastrophen haben deutlich gemacht, dass jede auch noch so kleine versiegelte Fläche zählt - fünf Quadratmeter Schottergarten sind eben fünf Quadratmeter weniger bepflanzte Erde, die Wasser aufnehmen kann. Für den einzelnen mag es "nur" um seinen Vorgarten gehen. In der Summe aber sind zig Schottergärten und betonierte Einfahrten in einer Kommune zu viel. Für die immer stärker werdenden Niederschläge braucht es Flächen, die das Wasser aufnehmen können.

Und es geht auch nicht nur um den Regen. Das gleiche, was für versiegelte Flächen gilt, nämlich möglichst wenige davon zu haben, ist auch in Bezug auf Artenvielfalt und Insektensterben gültig: Jede kleine Fläche ist wertvoll, die Pflanzen Raum und Bienen und Hummeln Futter bietet. Des weiteren wirken die Betongärten auch auf die Klimaerwärmung: Ein Garten mit Rasen, Blumen, Sträuchern und Bäumen erzeugt ein völlig anderes Mikroklima als ein betonierter Vorgarten. Jede Art von Pflanze hilft, die immer wärmeren Temperaturen etwas herunter zu kühlen. Insofern haben die Gemeinderäte in Gröbenzell vollkommen recht, wenn sie Schottersteine oder Beton auf Gartenflächen mit einer sogenannten Freiflächengestaltungssatzung verbieten möchten.

© SZ vom 28.07.2021
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