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Kommentar:Folgenlose Ankündigungen

Die Planungen für einen Ausbau der S 4, die in Eichenau vorgelegt worden sind, können bald Makulatur sein. Denn die Bedingungen ändern sich ständig

Den Ausbau der S 4 verspricht die Staatsregierung seit fast drei Jahrzehnten. 2004 kündigte ein Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) an, der viergleisige Neubau bis Buchenau werde 2009 eingeweiht. Sein Nachfolger Martin Zeil (FDP) erklärte 2012, das Projekt werde etwa 340 Millionen Euro kosten. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verkündete zwei Jahre später, drei Gleise bis Eichenau reichten. Zuvor hatten Experten von Bahn und Regierung Vorschläge, ein provisorisches drittes Gleis zu bauen, oder Teilabschnitte als Überholspuren, souverän als Kleinkram abgetan. Jetzt erzählen Vertreter von DB Netz dem Eichenauer Gemeinderat von einer Trasse über Olchinger Flur und 500 Millionen Euro an Kosten für diesen Schmalspur-Ausbau.

Solche Angaben sind irrelevant, denn die Bedingungen werden sich noch mehrfach ändern, bevor der Bau beginnt. Zuerst will die Staatsregierung ja den zweiten S-Bahn-Tunnel in München fertig haben, was vermutlich solange dauert wie der Berliner Flughafen. Die traurige Bilanz von fast drei Jahrzehnten lautet, dass Fakten geschaffen werden, die einen sinnvollen Ausbau immer schwieriger machen. Statt wenigstens Flächen freizuhalten, rückte die Wohnbebauung dicht an die Strecke heran, und Bahnhöfe in Eichenau, Buchenau und Puchheim wurden und werden umgebaut. Fest steht jedenfalls, dass drei Gleise bis Eichenau nicht reichen, um das Verkehrschaos zu verhindern und einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, zumal die Bevölkerung weiter wächst.

Schuld daran sind, wie bei der aufgegebenen Umlandbahn, Berufspolitiker, die sich über Einwände und Argumente von Bürgern hinwegsetzen. Für Minister sind Ankündigungen und Versprechen wohlfeil, weil keiner dafür zur Verantwortung gezogen wird, auch nicht dafür, dass jede Menge Steuergelder für Planungen, Studien und Berechnungen verplempert werden, die im Papierkorb landen. Es bleibt abzuwarten, ob die Freien Wähler um Hans Friedl, die für vier Gleise eintreten, als Juniorpartner der CSU mehr zustande bringen als die Zeil-FDP.

© SZ vom 18.07.2019
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