Kommentar:Folgen der Fahrlässigkeit

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Was im Sommer vermasselt wurde, scheint jetzt fast zu spät, es nachzuholen: die Covid-Schutzimpfung

Von Erich C. Setzwein

Es war dieser Sommer der Gelassenheit, als sich der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der damals noch großkoalitionären CDU und andere Politgranden zurückgelehnt haben müssen und das Ende des Infektionsgeschehens für den 30. September terminierten. Wahrscheinlich war ihnen auch klar, dass bald darauf die erlösende Botschaft vom Sieg über das Coronavirus verkündet und die pandemische Lage in Deutschland für beendet erklärt werden könnte. Es war dieser Sommer der Leichtigkeit, als die FFP2-Hüllen fielen und ein dünner blauer Filters für den Supermarkteinkauf reichte. Es war dieser Sommer der Sorglosigkeit, der, wie sich jetzt herausstellt, ein Sommer der Fahrlässigkeit gewesen ist. Auch im Landkreis beschwerte sich niemand über zu geringe Impfquoten, außer denen vielleicht, die aus beruflichen Gründen täglich die Empfehlungen der Impfkommission lesen und ganz genau zuhören, wenn Epidemiologen oder Karl Lauterbach die vierte Welle im Herbst prognostizierten. Und genau in diesen Wochen des Wahlkampfes und des Wegschauens liefen die Verträge für die Impfzentren aus und mussten neu ausgeschrieben werden.

Nun muss man sich mit Gesundheitspolitik nicht auskennen, um zu wissen, dass das Herunterfahren eines funktionierenden Betriebs leicht zu bewältigen ist, diesen Betrieb aber unter neuen Voraussetzungen und neuen Betreibern wieder hochzufahren, durchaus als schwierig anzusehen ist. Es kam, wie es kommen musste, und das Bayerische Rote Kreuz, das das Impfzentrum in Fürstenfeldbruck ein halbes Jahr lang zumindest nach außen hin gut im Griff hatte, musste die alte Aldi-Halle verlassen - und kein Neuer kam sofort nach. Welche Fehler das Landratsamt bei der Ausschreibung gemacht haben könnte, müsste eine Untersuchung in den politischen Kreisgremien herausfinden. Jedenfalls reichte eine Anfechtung, dass die Kreisbehörde zunächst ohne neuen Betreiber dastand und von sich aus das Zentrum übernahm. Wissend, dass es Wochen oder Monate dauern würde, bis alle rechtlichen Fragen geklärt sind.

Jetzt wird erweitert. Nur gut, dass im Impfzentrum einige jener Menschen weiterarbeiten, die mit der Erfahrung seit Frühjahr die anstehenden Aufgaben erfüllen können. Sie dürfen davon ausgehen, dass jetzt weder das Wetter, noch die Zeit sind, sich zurückzulehnen und die heraufziehende Katastrophe lässig zu verschlafen.

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