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Kommentar:Fehlender Mut zur Prognose

Die Menschen im Alter über 80 Jahren werden ungeduldig. Sie möchten wissen, wann ihre Impfung ansteht. Das Landratsamt ist ihnen eine Antwort schuldig

Von Stefan Salger

Auch im Landkreis zeigen sich Ermüdungserscheinungen angesichts des nicht enden wollenden Lockdowns. Zunehmend liegen die Nerven blank und der Sinn mancher Maßnahmen wird bezweifelt. Zumindest dann, wenn sie nicht schlüssig begründet werden. Deshalb ist eine umfangreiche und transparente Information so wichtig.

Das Landratsamt ist zwar durchaus bemüht und verweist zu Recht darauf, dass über die entscheidenden Regelungen auf Landes- und Bundesebene entschieden wird. Vor allem will man in puncto Impfen nichts versprechen, was man nicht halten kann. So gibt das von der Kreisbehörde verwendete Computerprogramm beispielsweise keine Auskunft über den Stand der Immunisierung nach Altersgruppen. Und weil man im Landratsamt nicht spekulieren will, macht es lieber gar keine Angaben dazu, wann in etwa die Gruppe der Über-80-Jährigen "durchgeimpft" ist. Begründet wurde das in der Vergangenheit damit, dass die Enttäuschung bei den Betroffenen groß wäre, wenn sich Zeitpläne dann am Ende doch wieder nicht einhalten ließen - weil die Impfstofflieferung hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Und doch fühlen sich Senioren, die nach ihrer Registrierung auf einen Termin warten und wochenlang nichts mehr hören, schlicht im Stich gelassen. Dass die Verantwortlichen für Softwareprobleme oder Lieferengpässe auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene zu finden sind, macht die Sache nicht besser. Auf Basis demografischer Daten und der bisherigen Erfahrungen sollte es möglich sein abzuschätzen, wann die Über-80-Jährigen spätestens an die Reihe kommen, um ihnen so eine Perspektive zu geben. Senioren, für die Sars-CoV-2 lebensbedrohend ist, verdienen ein Signal, dass man sie nicht vergessen hat. Und sie akzeptieren Unwägbarkeiten, die aktuell durch die zusätzliche Aufnahme von Betreuern und Grundschullehrern in die Gruppe mit Priorität natürlich vorhanden sind.

Dass das möglich ist, zeigt ein Blick in den Nachbarlandkreis: Der für Starnberg zuständige koordinierende Arzt hat vor zwei Wochen mitgeteilt, die Über-80-Jährigen könnten "in etwa vier Wochen geimpft sein". Starnberg schafft es offenbar auch, täglich die Zahl der in Quarantäne befindlichen Personen bekannt zu geben. Auch beim Thema zweites Impfzentrum hält sich der Landkreis Fürstenfeldbruck bisher bedeckt und teilt nur auf Nachfrage scheibchenweise den Stand der Prüfung mit, nach dem Motto: lieber über nichts reden, was noch nicht hundertprozentig sicher ist. In Zeiten einer Pandemie erwarten viele Menschen aber sogar von einer Behörde mehr unbürokratisches Handeln.

© SZ vom 04.03.2021
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