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Kommentar:Eine Chance für die Stadt

Bruck sollte sich an der Bauausstellung beteiligen, denn die ist eine Messe für innovative Ideen, die auch die Kreisstadt brauchen kann

Von Stefan Salger

Natürlich spielt Fürstenfeldbruck in einer anderen Liga als Paris. Und niemand hat vor, in der Kreisstadt einen 324 Meter hohen Eisenfachwerkturm zu bauen. Dennoch ist ein Blick auf die französische Hauptstadt aufschlussreich. Dessen heutiges Wahrzeichen ist 1889 trotz einiger Widerstände errichtet worden - zur Weltausstellung. Gerechnet hat sich der Eiffelturm seinerzeit natürlich nicht.

Fürstenfeldbruck also denkt nun über die Beteiligung an einer Internationalen Bauausstellung im Verbund mit anderen Kommunen aus der Metropolregion und der Landeshauptstadt nach. Sollte die zustande kommen, gäbe es ein Engagement der Kreisstadt trotz möglicher Zuschüsse kaum zum Nulltarif. Zudem würde das Mehrarbeit fürs bereits ausgelastete Bauamt bedeuten. Die CSU und Finanzreferent Klaus Wollenberg (FDP) können also gewichtige Gründe gegen ein städtisches Engagement ins Feld führen.

Und doch ist dieses sinnvoll (zumal man jederzeit abspringen könnte, falls die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohen). Eine Bauausstellung ist eine einmalige Chance, sich Impulse von außen zu holen und mutig etwas zu bewegen. Sie ist eine einmalige Chance, dem alltäglichen Kleinklein zu entkommen. Gemeinsam mit Nachbarn und Experten könnte man nicht nur eigene Problemzonen wie den Marktplatz mit seinen Staus angehen, sondern Verkehrskonzepte aus einem Guss für die ganze Region entwickeln. Der letzte wirklich große Wurf war der Bau der S-Bahn - die Olympischen Spiele 1972 gaben den nötigen Impuls.

Eine Bauausstellung allein wird nicht alle Verkehrsprobleme lösen und keine so gewaltigen Architektur-Ikonen schaffen wie die Weißenhofsiedlung Stuttgart (IBA 1927) oder den Emscher Park (IBA 2000). Aber sie könnte exemplarisch die Richtung vorgeben. Sie könnte mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse und externer Expertise innovativen Ideen Geltung verschaffen. Wie wär's mit Fußgängerzone, Shared Space, einer Seilbahn? Die Gedanken sind frei.

Als es Ende 2019 um die 2026 geplante historische Landesausstellung ging, da warnte der heutige Finanzreferent vor einer "Kleinkrämermentalität" und plädierte dafür, "groß zu denken". Gerade im Verkehrsbereich ist es dafür trotz der unbestritten klammen Finanzlage der Stadt höchste Zeit. Der Profit wäre mit Geld kaum aufzuwiegen: weniger Zeit im Stau, weniger Lärm für Anwohner, mehr Lebensqualität.

© SZ vom 25.09.2020
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