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Kommentar:Die Wahrheit ist konkret

Fridays for Future im Landkreis war ein Erfolg, die Kommunalpolitik sollte ab sofort alle Projekte auch unter klimapolitischen Aspekten bewerten

Der erste Protesttag von Fridays for Future im Landkreis war ein Erfolg. Insgesamt brachte die Bewegung samt ihren Bündnispartnern aus Kirchen, Vereinen, Verbänden und Parteien mehr als 1500 Menschen in Germering und Puchheim auf die Straße. Dazu mobilisierte die Brucker Sektion zum Protest nach München. Das ist beachtlich, und bei künftigen Aktionen ist Luft nach oben. Gelungen war der Mix aus Kritik an Politikern und Regierung, globalen Vorschlägen und lokalen Forderungen, zumal einige Kommunalpolitiker ja anwesend waren.

Der Puchheimer Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) erwägt, künftig jede Maßnahme, jeden Beschluss der Kommune nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten zu prüfen, sondern auch auf die Folgen für die Umwelt hin. Das sollte eigentlich längst überall eine Selbstverständlichkeit sein. Genau das sollte die Bewegung als wesentliche Forderung nicht nur auf kommunaler Ebene aufstellen. Dann würde sich auch schnell die Spreu vom Weizen trennen, all die Trittbrettfahrer und Heuchler, Bremser und Versager aus den Parteien, die Lippenbekenntnisse ablegen, aber wenig getan haben, von denen, die begriffen haben, was auf dem Spiel steht.

Die Konsequenzen wären vielfältig: Es dürften im Prinzip keine neuen Straßen mehr gebaut werden, sondern vorhandene müssten zu Bus- und Trambahnspuren, Geh- und Radwegen umgestaltet werden. Das Prinzip des Flächenrecycling müsste gelten, statt neue Gewerbe- und Siedlungsgebiete auszuweisen. Kunstrasenplätze wären tabu. Parteiübergreifend müssten Kommunalpolitiker gegen die 10-H-Regelung protestieren, die die Windkraft sabotiert, oder gegen den verschleppten Ausbau des S-Bahn-Angebots. In Sachen gescheiterter Energiewende bis 2030 müsste ein neuer Anlauf gemacht werden.