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Kommentar:Der Schlüssel ist das Personal

Das geplante Förderprogramm in Form von Sommerschule reicht bei Weitem nicht aus, um allen Schülern die nötige Unterstützung zukommen zu lassen

Von Erich C. Setzwein

Als die Grünen im Landtag im vergangenen Jahr nach dem holprigen Distanz-, Wechsel und Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler eine "Sommerschule" forderten, da war das für die CSU-/FW-Staatsregierung kein Thema. Als aber immer offenbarer wurde, dass nicht alle Schüler im Home-Schooling so lernen können wie im Klassenzimmer, da wurde im Kultusministerium eilig das Programm "gemeinsam.Brücken.bauen" zusammengeschraubt. Ein dreiphasiges Modell zur Förderung während der Unterrichtszeit (Phasen eins und drei) und in den Sommerferien (Phase zwei) wurde entwickelt, kommuniziert und Geld dafür bereitgestellt. Dieses durch den langen Distanzunterricht besonders belastende Schuljahr soll nun also nicht mit Beginn der Sommerferien zu Ende gehen, sondern noch verlängert werden.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel aus dem Stimmkreis Fürstenfeldbruck-West kritisiert das Förderprogramm als "ambitionslos". Es reiche bei Weitem nicht aus, um allen Kindern und Jugendlichen ein verlässliches und qualitativ gutes Angebot zu machen, das sie jetzt endlich bräuchten und ihnen uneingeschränkt zustehe. Triebel, selbst Lehrerin, trifft damit den Kern. Zwar kann die Förderung überall angeboten werden, aber jede Schule kann selbst entscheiden, ob sie sich den Aufwand antut. Und damit erhalten möglicherweise jene, die es am nötigsten hätten, eben gerade nicht die Portion Wissensauffrischung.

Leidtragende bei der Umsetzung sind wie schon bei der Bewältigung aller Probleme während der vergangenen fast anderthalb Jahre die Leiterinnen und Leiter der Schulen und ihre Kollegien. Ohnehin personell nicht besonders gut ausgestattet, sollen nun noch Aushilfskräfte in höchstens zwei Wochen leisten, was übers ganze Schuljahr nicht geleistet werden konnte. Die Schülerinnen und Schüler haben nicht erst nach diesen zwei extrem anstrengenden Schuljahren unter Corona-Bedingungen den Anspruch auf Förderung. Es muss gelingen, mehr Lehrer auszubilden und in die Klassen zu schicken, damit Wissenslücken erst gar nicht entstehen.

© SZ vom 17.06.2021
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