Kommentar:Angemessen und respektvoll

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Ausstellung Alter Tower

Erinnerung an die Tragödie auf dem Fliegerhorst: Eine Schautafel erklärt die Abläufe des Olympia-Attentats von 1972.

(Foto: Günther Reger)

Seit vielen Jahren gibt es im Landkreis eine ansprechende Gedenkkultur

Von Erich C. Setzwein

Wenn die Olympischen Spiele von München anders verlaufen wären, dann würde in diesem Jahr das 50. Jubiläum gefeiert werden wie jedes andere Großereignis auch. Es gibt aber keinen Grund, diesen Jahrestag zu feiern. Vielmehr ist das, was im Landkreis passieren soll, eine angemessene und respektvolle Herangehensweise an das zentrale Ereignis während dieser so heiter begonnenen Spiele von München: Das Attentat palästinensischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft und das Massaker auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck mit am Ende zwölf Toten.

Dieser Opfer wird in diesem Jahr gedacht, und die Idee, in jedem Monat an eines von ihnen zu erinnern, ist ebenso schlüssig, wie das jährlich am 5. September vor dem Fliegerhorst stattfindende Gedenken. Es ist das große Verdienst von vielen Menschen im Landkreis und des seit 1996 amtierenden Landrats Thomas Karmasin, dass im Jahr 1999 ein Mahnmal am Fliegerhorst errichtet wurde und von dort Angehörige, Zeitzeugen, Menschen aus der Stadt und dem Landkreis sowie Vertreter der Politik eine Mahnung zum Frieden, zur Verständigung und zur endgültigen Absage an Gewalt aussenden, wie es sich der vor zwei Jahren gestorbene Münchner Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel bei der Einweihung der vom Gröbenzeller Künstler Hannes L. Götz geschaffenen Gedenkstätte wünschte.

Dass sich nun in diesem Jahr so viele Ideen umsetzen lassen, ist ein weiteres Zeichen für den politischen Willen im Landkreis - die beteiligten Sportler sind da ausdrücklich eingeschlossen -, die damaligen Ereignisse ganz konkret mit den Gesichtern der Sportler und ihren Sportarten zu verbinden. Damit ist mehr gewonnen, als mit jeder sterilen Ausstellungstafel, auch wenn es diese immer noch und immer wieder braucht. Die Zahl der zur Demokratie unfähigen Sturköpfe und gewissenloser Hetzer nimmt ja leider zu. Es ist sehr zu loben, wenn etwa in Eichenau der Sportverein mitmacht und des Gewichthebers Yossef Romano gedenkt, der als mehrfacher israelischer Champion nach München zu den Wettkämpfen kam, aber nicht mehr lebend zurückkehrte. Er wehrte sich gegen den Terror und wurde ermordet.

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