bedeckt München

Kochwettbewerb im TV:Lieber Kürbis als Banane

Yassin M'Harzi, hier beim Anrichten von Löffeln mit einer Pinzette, erreichte bei The Taste Platz drei.

(Foto: Sat1/oh)

Yassin M'Harzi aus Fürstenfeldbruck wird bei "The Taste" Dritter - den Feinschmecker-Gaumen hat er vom Opa

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Am Ende hat es nicht ganz gereicht. Yassin M'Harzi, Student aus Fürstenfeldbruck, hat es zwar bei der Sat1-Kochshow "The Taste" bis in die dritte Finalrunde geschafft, und das als einziger der vier letzten Kandidaten, der nicht professionell kocht. Er wurde schließlich Dritter. Gewonnen hat Lars Fumic, ein Privatkoch aus München. "Es ist ein Supergefühl, als einziger Hobbykoch im Finale zu stehen", sagt der 28-Jährige in der Sendung.

Ganz neu war dieses Gefühl für ihn allerdings nicht. Denn er hat sich bereits 2018 bei der ZDF-Küchenschlacht ins Finale gekocht. Die Kameras, die die Kandidaten beim Kochen ständig filmen, störten ihn auch bei "The Taste" nicht, sagt er. "Ich mag das, vor der Kamera zu stehen." Auch mit den Zutaten habe er keine Probleme gehabt, denn er habe zwischen der Küchenschlacht und "The Taste" zum Training in Münchner Restaurants gearbeitet, "auf allen Stationen", um viele Zutaten und Kochstile kennenzulernen.

"Die schwierigste Zutat wäre die Banane gewesen. Die habe ich Gott sei Dank nicht bekommen." Die Kandidaten sollten in der ersten Finalrunde aus den Zutaten, die sie gezogen hatten, jeweils ein deftiges Gericht und eine Dessert zubereiten. Yassin M'Harzi zog den Kürbis - und lieferte nach Ansicht der Juroren die beiden besten Löffel ab. Der Kandidat, der die Banane verarbeiten musste, schied aus.

Die größte Herausforderung für den Fürstenfeldbrucker, der eine bayerische Mutter und einen marokkanischen Vater hat, war die Zeit. In den regulären Folgen haben die Kandidaten 60 Minuten, um ein Gericht auf den Löffel zu bringen. In der letzten Finalrunde waren es hundert Minuten für eine Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Dessert, jeweils für vier Juroren, also zwölf Löffel. "Ich habe mir immer sehr viel vorgenommen, und habe mir dann gedacht, Hauptsache, ich werde fertig." Entsprechend chaotisch sah M'Harzis Küche immer mal aus. "Zuhause würde ich nie so kochen", beteuert er.

Mit Kochen habe er mit zwölf Jahren begonnen, weil ihm neben Fußball und Taekwondo etwas "Künstlerisch-Handwerkliches" gefehlt habe und in der Familie Essen immer wichtig gewesen sei. Die orientalische Gewürzwelt habe er vom Vater, das Temperament von der Mutter, und den "Feinschmecker-Gaumen" vom bayerischen Opa. Der habe ihn als Kind oft mit zum Dallmayr oder zum Viktualienmarkt in München genommen, und dann gab es etwas besonders Feines zum Probieren. Leider hat der Opa den The-Taste-Erfolg nicht mehr miterlebt. "Das hätte ihm gefallen", sagt der Enkel.

Ob er bald wieder im Fernsehen kocht oder womöglich in einem eigenen Lokal, steht in den Sternen. Demnächst wolle er in München in eine Kochschule einsteigen und irgendwann das Studium abschließen. Live erleben kann man Yassin M'Harzi bisher nur als Trainer in einer Germeringer Taekwondo-Schule.

In der achten Staffel der Show "The Taste" traten 16 Hobbyköche und Profis in den Teams der Fernsehköche Frank Rosin, Tim Raue, Alexander Herrmann und Alexander Kumptner gegeneinander an. Wechselnde Gastjuroren gaben Themen und Zutaten vor, im Finale waren es Tohru Nakamura und Marco D'Andrea, Koch und Patissier des Jahres des Gastro-Führers Gault Millau. Sowohl die Teamchefs als auch die Gastjuroren bewerten in Blindverkostungen die Löffel der Kandidaten.

© SZ vom 30.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite