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Klimaschutz:Terminvorgabe als erster Meilenstein

Dass Fürstenfeldbruck sich zur Klimaneutralität bis 2035 verpflichten will, ist schön und gut. Nun müssen aber dringend Taten folgen

Kommentar von Stefan Salger

Sich ein Ziel zu setzen, ist schön und gut und richtig. Wer es aber versäumt, gleichzeitig einen Zeitpunkt zu definieren, bis zu dem die Marke zu erreichen ist, der kann sich das gleich sparen. Man kennt das aus Schule oder Arbeit: Gibt es keinen fixen Abgabetermin, dann wird gerne erst mal getrödelt und auf die lange Bank geschoben. Auf die lange Bank geschoben wird die Sache mit dem Klimaschutz freilich schon viel zu lange. Die fortschreitende Erderwärmung verschärft auch bei uns die bereits vielerorts vorhandene und für Land- und Forstwirtschaft bedrohliche Wasserknappheit. Sie bringt mehr Hochwasser, Dürren, Stürme - und garantiert mehr Klimaflüchtlinge. Papiere mit auf den ersten Blick ehrgeizigen Zielen sind toll. Die landen aber gerne in der Schublade.

Dass die Stadt sich ein angemessen ehrgeiziges Klimaziel setzt und sich aufgeschlossen zeigt gegenüber Vorschlägen, die Umweltbeirat, Stadtjugendrat und Fridays for Future vorgelegt haben, ist löblich. Man sollte vor allem den Rückenwind durch die vielen engagierten Jugendlichen nutzen. Die nämlich vertreten eine ganz wichtige Zielgruppe. Der Klimawandel ist nur mit vereinten Kräften zu bremsen - wenn alle auch bereit sind, bei sich selbst anzufangen und das im Freundeskreis vorzuleben. Das kann der Verzicht auf die Fernreise oder das Steak sein, der Umstieg aufs kleinere Auto oder besser noch auf Bus und Bahn oder Fahrrad und das Ausschalten von Elektrogeräten im Haushalt, die sonst auf Stand-by laufen.

Die Stadt sollte allerdings auch gewarnt sein, dass man selbst mit hehren Bekenntnissen nebst Terminen allein nichts bewegt, wenn man es versäumt, die Bürger ins Boot zu holen. Der Landkreis hat sich um die Jahrtausendwende im Licht der Fortschrittlichkeit gesonnt und sich bis 2030 zur Energieautarkie verpflichtet. Alle Prognosen deuten freilich darauf hin, dass dieses Ziel krachend verfehlt wird. Das Bekenntnis Fürstenfeldbrucks zur bilanziellen Klimaneutralität kann also bestenfalls der erste Meilenstein sein, dem weitere folgen müssen. Die Politiker stehen in der Pflicht, ihren Worten Taten folgen zu lassen und den Bürgern auch einmal unangenehme, aber notwendige Maßnahmen standhaft zu erklären - wie etwa Einschränkungen für den Individualverkehr.

© SZ vom 16.10.2020

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