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Klassik:Beglückendes Erlebnis

Der Fürstenfeldbrucker Bach-Chor und sein Orchester gestalten mit Werken von Britten, Poulenc und Fauré ein berührendes Karfreitagskonzert und ernten dafür großen Beifall

Die Botschaft des christlichen Glaubens thematisiert Leid und Tod immer im Kontext mit Hoffnung: Auf den Kreuzestod Jesu am Karfreitag folgt die Auferstehung am Morgen des Ostersonntags. Was die biblischen Texte in Worte fassen, haben Komponisten aller Generationen zusätzlich mit den Mitteln der Musik ausgedrückt. Das gut besuchte Konzert von Bach-Chor und Bach-Orchester Fürstenfeldbruck im Stadtsaal am Karfreitag hatte unter der Leitung von Gerd Guglhör drei eher selten zu hörende Werke mit dieser Thematik auf dem Programm, nämlich die "Cantata Misericordium" von Benjamin Britten, das "Stabat Mater" von Francis Poulenc sowie das "Requiem" von Gabriel Fauré. Damit verbanden sich zugleich verschiedene Blickrichtigen. Als Vokalsolisten waren Anna Karmasin (Sopran), Manuel Warwitz (Tenor) und Benedikt Eder (Bariton) zu hören.

In der einleitenden "Cantata Misericordium" trat zum Bach-Orchester als großem Klangkörper das Schweizer Casal Quartett mit Felix Froschhammer und Rachel Späth (Violine), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Violoncello) als intime Ergänzung. In der ganz selbstverständlichen Verzahnung beider Klangkörper wurde der Zusammenhang zwischen der Barmherzigkeit des einzelnen Menschen und der Gesamtverantwortung für das Wohl der Mitmenschen musikalisch greifbar. Das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das zum Sinnbild des aktiven Handelns aus dem Mitleid heraus geworden ist, bewegt sich hier auch musikalisch zwischen den Polen des Mitfühlens und der tätigen Aktion. So gehörten wunderbar geführte Legatobögen des Chores mit einer prägnanten, aber immer an der melodischen Linie orientierten Deklamation des lateinischen Textes zu den einprägsamen Erlebnissen der Interpretation.

Bach Chor

Vom Kreuzigungstod bis zur Auferstehung Jesu spannt sich thematisch der musikalische Bogen, den Bach-Chor und Bach-Orchester Fürstenfeldbruck am Karfreitag dem begeisterten Publikum bieten.

(Foto: Günther Reger)

Das Orchester steuerte rhythmische Prägnanz, so an der Stelle "Dure sacerdos", mehr aber noch eine Vielzahl feinsinniger Klangwirkungen (wie an der Solistenstelle "Para nobis cenam") bei. Den Gedanken der Aktion rückte Britten insbesondere im Schlussabschnitt in den Fokus, wenn sich in schwingendem Rhythmus der milde Klang von Streichern und Harfe zu einem auffordernden Ausdruck verdichtet. Die auch dynamische Verbindung mit dem Chorklang an dieser Stelle wurde so zum kraftvollen Appell, der in die ganz leise vorgetragene Aufforderung mündete, zukünftig wie der barmherzige Samariter zu handeln.

Um die beiden Ebenen von ertragenem Leid und aktiver Hoffnung zu verzahnen, hatte sich Gerd Guglhör entschieden, die beiden französischen Werke von Poulenc und Fauré nicht nacheinander aufzuführen, sondern nach thematischen Gesichtspunkten miteinander zu kombinieren. Dieses Experiment hatte neben bruchlosen Übergängen ein beglückendes Ergebnis: Das Schlussstück, "In paradisum" von Fauré, überstrahlte mit seiner von der Welt enthobenen Botschaft musikalisch alle Beschreibung des Leids. In die getupften Orgelklänge zu den schreitenden Streichern mischte sich der sanfte Klang der Harfe, die Kantilene des Chorsoprans schwebte quasi darüber.

Bach Chor

Zwei Stücke ineinander verwoben: Dirigent Gerd Guglhör gelingt beim Karfreitagskonzert ein Experiment.

(Foto: Reger)

Das "Offertoire" des Requiems symbolisierte einen traditionellen Ausdrucksgestus mit eher tiefer Lage und weichem Klang ohne jede Härte. Der Baritonsolist fügte sich in warmer und zurückhaltender Tongebung gut in den Gesamtklang ein. Nicht immer jedoch geriet hier die Intonation im Chor ganz einwandfrei. Komplexe Harmonik kennzeichnete den Abschnitt "Vidit suum" aus dem "Stabat Mater". Raffinierte Klangwirkungen mit Harfe und gezupften Cellotönen waren mit begleitendem Chorklang und der im Sinne einer glockenhell überstrahlenden Überstimme der Solo-Sopranistin kombiniert. Ganz anders von der Stimmung her war das "Libera me" des Requiems angelegt: Auch wenn der Orchesterklang hier im Vergleich zum Chor etwas dick geriet, markierten die strahlenden Blechbläser beim "Dies illa" einen sehr aktiven Kontrapunkt zur sonst oft kontemplativen Grundhaltung.

Am Ende gab es großen und begeisterten Beifall für die gelungene Programmkonzeption und die musikalisch überzeugende Umsetzung.