Kita-Messe in Puchheim:Leistungsschau der Kindergärten

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Kita-Messe in Puchheim: Im Puchheimer Kluturzentrum PUC können sich Eltern einen Überblick über die Kindertagesstätten der Stadt verschaffen.

Im Puchheimer Kluturzentrum PUC können sich Eltern einen Überblick über die Kindertagesstätten der Stadt verschaffen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Erstmals können sich Väter und Mütter über die Einrichtungen der Stadt bei einem gemeinsamen Termin informieren. Wie Eltern und Mitarbeiterinnen das beurteilen.

Von Xaver Lallinger, Puchheim

Über die Kindertagesstätten in der Stadt Puchheim und ihre unterschiedlichen Konzepte haben sich Eltern am Donnerstag bei einer Infomesse informieren können. Die Veranstaltung fand erstmals statt. Mit knapp 100 Besuchern seien ihre Erwartungen übertroffen worden, sagt Verena Weyland vom Puchheimer Amt für Soziales und Jugend. Trotz 2-G-plus-Regel und Maskenpflicht seien viele Eltern ins Kulturzentrum PUC gekommen, um die unterschiedlichen Einrichtungen kennenzulernen.

So könne man gut eine Vorauswahl für die Tage der offenen Tür im Februar treffen, sagt Thomas Schmittroth, Vater eines dreijährigen Sohnes. Von September an benötigt er für ihn einen Kindergartenplatz. Das Angebot der Messe habe es ihm ermöglicht, sich einen Überblick über die Einrichtungen zu verschaffen; nun müsse die Familie nicht in jeder den Tag der offenen Tür besuchen. Neben den Informationen über die pädagogischen Konzepte sei es für ihn auch "großartig" gewesen, die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich kennenzulernen.

Auch die Mitarbeiter und Träger freuten sich über die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit den Eltern schon vor den Tagen der offenen Tür zu präsentieren. "Es war ein voller Erfolg", berichtet Sylvie Schäfer-Merz, Gesamtleitung der evangelischen Kindertagesstätten. Man habe sehr individuell auf die einzelnen Besucher eingehen und schon die ersten Kontakte knüpfen können. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Puchheim ist Trägerin von vier Kindertagesstätten, in denen Kinder von 180 Familien betreut werden. Für eine Wiederholung einer Veranstaltung dieser Art spricht sich Schäfer-Merz eindeutig aus. Das sei auch der Konsens unter den Vertretern der anderen Kitas gewesen, berichtet die 55-Jährige.

Eltern können ihr Kind über das Portal "Little Bird" anmelden

Bis zum 15.März können sich Eltern auf "Little Bird", dem Bewerbungsportal der Stadt, für einen Betreuungsplatz anmelden. Man könne jedoch noch keine Aussagen darüber treffen, wie viele Plätze dieses Jahr zur Verfügung stehen werden und ob alle Kinder einen Betreuungsplatz erhalten, sagt Weyland vom Jugendamt. Einerseits ist das von der Zahl der eingehenden Anmeldungen abhängig, andererseits ist die künftige Personalsituation schwer abzuschätzen. Ausfälle oder Kündigungen von Erzieherinnen könnten dazu führen, dass der Betreuungsschlüssel nicht mehr eingehalten werden könne und einzelne Plätze gestrichen werden müssten. Im vergangenen Jahr hätten aus diesen Gründen vereinzelt Kinder keinen oder nur verspätet einen Betreuungsplatz erhalten, erklärt sie. Mit 269 Krippenplätzen und 918 Kindergartenplätzen seien die Puchheimer Kitas zwar ausreichend groß geplant, doch könnten die aktuell 200 Beschäftigten den nötigen Betreuungsschlüssel nicht für alle Plätze gewährleisten. 16 Plätze habe man daher im vorigen Jahr nicht vergeben können. Wie das in diesem Jahr sein werde, könne sie noch nicht sagen, erklärt Weyland.

"Ich würde niemandem mehr raten, in diesen Beruf zu gehen."

Dass der Mangel an ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher ein zunehmendes Problem darstellt, darüber war sich ein Großteil der Teilnehmer der Infomesse einig. Iris Merten, Leiterin des katholischen Kindergarten Sankt Josef, findet klare Worte: "Das Problem muss von der Politik angegangen werden! Da reicht Hände schütteln und klatschen nicht mehr." Für sie im Kindergarten gelte ein maximaler Betreuungsschlüssel von eins zu elf. Bedeutet: Eine Erzieherin hat die Verantwortung über elf Kinder. Merten vertritt die Meinung, dass nur unter einem Betreuungsschlüssel von eins zu acht wirklich gute pädagogische Arbeit geleistet werden könne. Doch dafür fehle schlichtweg der Nachwuchs in Form von Auszubildenden. Doch Merten, seit 36 Jahren Erzieherin, gibt zu: "Ich würde heute niemandem mehr raten, in diesen Beruf zu gehen".

Gründe seien sowohl der hohe Druck, der durch den immer weiter steigenden Betreuungsschlüssel herrsche, als auch die schlechte Bezahlung. Sie selbst gehe in fünf Jahren in Rente und mit ihr viele weitere aus ihrer Generation, erklärt Merten. Auf kurz oder lang werde das System so in sich zusammenbrechen, schätzt die Gröbenzellerin. Sie appelliert an die Politik. Durch ein Absenken des Betreuungsschlüssel könne man den Beruf langfristig attraktiver machen und somit wieder mehr junge Leute für ihren Beruf begeistern. So könnten schlussendlich mehr Betreuungsplätze angeboten werden und auch in Puchheim müsste kein Kind mehr auf die Warteliste kommen.

Die Pandemie hat zu viel zusätzlicher Bürokratie geführt

Hinsichtlich der Corona-Pandemie war am Donnerstagabend ein gemeinsames Gefühl zu verspüren: Erschöpfung. Die Kontrolle der Tests aller Kinder drei Mal die Woche sei extrem anstrengend, sagt Konni Sommer, Leiterin des Kindergartens "Grashüpfer". Auch das Ausstellen der Berechtigungsscheine, mit denen die Eltern kostenlose Schnelltests in den Apotheken erhalten, ist laut Merten vom katholischen Kindergarten "sehr zeit- und arbeitsaufwändig". Doch sei bei ihnen in den vergangenen zwei Jahren lediglich eine Gruppe in Quarantäne versetzt worden, erklärt sie stolz. Diese Erfahrungen bestätigen das Kinderhaus "Farbenspiel" und die evangelischen Kindergärten. Mehr als drei Gruppenschließungen aufgrund von Corona-Fällen habe es bei ihnen nicht gegeben.

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