bedeckt München

Kinos im Landkreis:Die Sorge vor leeren Reihen

Durch die Abstandspflicht ist in den Kinos an schwarze Zahlen bisher nicht zu denken. Dennoch wollen viele Betreiber weiter machen - und für eine Lockerung des Abstandsgebots kämpfen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Betreiber des Scala-Kinos in Fürstenfeldbruck befürchtet durch die Maskenpflicht am Platz einen "Todesstoß". Markus Eisele vom Lichtspielhaus hält es für möglich, dass der leichte Aufwärtstrend der vergangenen Wochen verpuffen könnte

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Markus Schmölz ist besorgt. Und ein wenig wütend. Der Geschäftsführer Scala-Kinos in der Buchenau bezeichnet die neusten Corona-Maßnahmen als "Todesstoß" und "erzwungenen freiwilligen Lockdown". Was ihn so in Rage bringt, ist die Einscheidung, dass ab einer Inzidenzzahl von 35 die Besucher künftig auch während des Films am Platz eine Maske tragen müssen. "Meine Prognose ist, dass die Leute dann nicht mehr ins Kino kommen. Wenn sie bei der Arbeit und überall im Alltag eine Maske tragen müssen, dann machen sie das doch nicht auch noch bei einer Veranstaltung, die sie freiwillig besuchen um Spaß zu haben", sagt Schmölz.

Denn Maskenpflicht während des Films bedeute auch: Kein Popcorn, keine Getränke. "Stellen Sie sich einen Fünftklässler vor, der den neuen Drachenreiter-Film anschauen will und seine Mama fragt, ob sie mit geht. Und die muss dann sagen klar, aber du musst die ganze Zeit eine Maske tragen, Popcorn und Cola gehen nicht. Damit nimmt man den Kindern doch den Spaß", sagt Schmölz.

Und selbst wenn die Leute weiterhin kämen - sollte der Umsatz von Getränken und Snacks einbrechen, würden die Kinos noch weiter in finanzielle Schieflage geraten. "Wir fahren ja jetzt schon jeden Monat ein Minus ein, obwohl unsere Mitarbeiter noch zu 50 Prozent in Kurzarbeit sind. Ich denke, die Kinos werden sich das jetzt zwei Wochen anschauen, und dann wird es die ersten geben, die zumachen."

Doch Schmölz wehrt sich nicht nur gegen die Maskenpflicht während des Film, er fordert, wie andere Kinobetreiber bundesweit, auch eine Verringerung des Mindestabstands von eineinhalb auf einen Meter. Mit der aktuellen Regelung könne man nur ungefähr ein Fünftel der Sitze nutzen. Im Scala bedeutet das im größten Saal eine Kapazität von etwa 20 bis 30 Plätzen. Über mangelnde Nachfrage könne er sich nicht beklagen, die Auslastung sei gut. Das zeige, dass die Leute Lust darauf hätten, ins Kino zu gehen, gerade jetzt, wenn das Wetter wieder schlechter wird.

Zugleich betont Schmölz, dass die Sicherheit der Besucher höchsten Stellenwert habe. Die meisten Kinos hätten wie das Scala auch modernste Belüftungsanlagen, die permanent für Frischluft liefern. "Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Aber es gibt keinen bekannten Vorfall, bei dem sich jemand im Kino angesteckt hat. Und eine Studie der TU Berlin sagt, dass eine Ansteckung im Kino auch extremst unwahrscheinlich ist." Er verweist auf das Beherbergungsverbot, dass mittlerweile auch in Bayern wieder gekippt worden ist. "Weil es dafür keine Grundlage gibt, ich habe noch nicht gehört, dass es in Hotels zu großen Ansteckungen gekommen ist". Deshalb gehe es darum, Maßnahmen mit Bedacht da zu verhängen, wo es nötig ist. "Man muss doch nach den wirklichen Auslösern suchen und es dann so regeln und nicht so pauschal".

Problematisch seien private Feiern drinnen und draußen und nicht Gastronomie und Veranstaltungen, bei denen man strenge Hygienekonzepte habe und einhalte. "Es geht doch um unser aller Leben. Die Menschen hier brauchen ihre Jobs, die müssen ihre Wohnungen und was sonst noch finanzieren. Da kann es doch nicht sein, dass wir wegen der Unvernunft einiger nicht weitermachen können".

Markus Eisele vom Brucker Lichtspielenhaus bezeichnet die vergangenen Wochen als recht ermutigend. Bis zu 60 Besucher dürfen aktuell in den großen Saal und gerade seit Anfang Oktober sei die Auslastung immer besser. "Es fühlt sich an, als hätten wir uns langsam wieder berappelt. Natürlich können wir noch keine schwarze Zahlen schreiben, aber als Deckungsbetrag fühlt es sich schon ganz gut an", sagt er. Dennoch machen auch ihm die aktuellen Entwicklungen Sorgen. "Für uns sind die nächsten Wochen voller Unsicherheit. Keiner weiß, was passiert, wenn die Maskenpflicht am Platz greift. Die Frage ist, wie verunsichert die Leute dann wieder sein werden". Einen möglichen Lockdown bezeichnet er als "Supergau". Auch er appelliert an die Politik, mit Augenmaß vorzugehen und vor allem auf Maßnahmen zu setzen, die greifen und nicht die zu bestrafen, die sich an Konzepte hielten.

© SZ vom 17.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite