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Kein Grad weiter:Auf der Straße für das Klima

In Bruck, Germering und Puchheim beteiligen sich einige Hundert Menschen am weltweiten Aktionstag von Fridays for Future. Sie fordern den Ausstieg aus der Kohle und dem Kiesabbau im Rothschwaiger Forst

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Mehrere Hundert Menschen sind im Landkreis am Freitag zum weltweiten Aktionstag von Fridays for Future auf die Straßen gegangen. Unter dem Motto "Kein Grad weiter" versammelten sich Demonstranten in Bruck, Germering und Puchheim. Es waren deutlich weniger als vor etwa einem Jahr, als Tausende zusammenkamen, was die Veranstalter auf die Corona-Pandemie zurückführten. Die Teilnehmer trugen Masken und achteten auf den Mindestabstand.

Bei strömendem Regen zogen am Nachmittag etwa 300 Menschen durch die Brucker Innenstadt. "Masken auf, Emissionen runter" oder "Kurzstreckenflüge nur für Insekten" war auf den Transparenten zu lesen. Aus dem Lautsprecher tönte zum Anlass passend das Lied "Hurra, diese Welt geht unter" der Hiphop-Formation K.I.Z. aus Berlin, eine Gruppe mit Sambatrommeln sorgte für Stimmung. Die Demonstration war von jungen Leuten geprägt, darunter vielen Schülern, verstärkt durch altgediente Umweltaktivisten. Aufgerufen zum Protest hatte die Ortsgruppe von Fridays for Future. Die Auftaktkundgebung fand auf der Münchner Straße nahe dem Finanzamt statt. Von dort zog die Menge am Landratamt und am Rathaus vorbei zum Volksfestplatz.

FÜRSTENFELDBRUCK:  Demonstration von Fridays for Future FFB

Unterwegs in die Innenstadt von Fürstenfeldbruck: Erstmals seit Beginn der Klimademonstrationen ziehen am Freitag Protestierende von "Fridays for Future" durch die Kreisstadt.

(Foto: Leonhard Simon)

Die Rednerinnen und Redner verlangten von der Stadt, den Kiesabbau im Rothschwaiger Forst zu verhindern, weil dort mehr als 17 Hektar Wald abgeholzt werden müssten. Großen Beifall bekam die Poetry Slammerin Meike Harms für ihren Beitrag. Sie berichtete vom Leben in der Vorstadt, dem "SUV-Laufstall", wo mancher glaubt, für den Klimaschutz wäre es am besten, wenn Frauen zuhause auf die Kinder aufpassten, statt zur Arbeit zu fahren. Sie imitierte einen Klimawandelleugner mit den gereimten Zeilen, "nun lass' doch das Gequassel, ich will einen Sandstrand bei Kassel". Harms erinnerte daran, dass der Lebensstil eines Menschen in Mosambik im Durchschnitt jährlich etwa eine Vierteltonne Kohlendioxid produziert, während jeder Deutsche auf mehr als zehn Tonnen kommt.

Zuvor hatte die 13-jährige Jule Roth aus Maisach in einem Poetry Slam auf den Wert von Bäumen für Umwelt und Seele aufmerksam gemacht. Sie seien die großen und kleinen Filter für die Luft und ein Zuhause für viele Lebewesen. Roth rief dazu auf, sich eine Welt vorzustellen, in der nur noch wenige Autos fahren. Die Alternative für die Welt laute "grau und braun oder grün und bunt", die Generation Z habe es in der Hand, die Dinge zu ändern, appellierte sie an die Jugendlichen.

GERMERING:  Menschenkette von Germering for Future

Auch in Germering haben Aktivisten mit einer Menschenkette am Marktplatz an der Aktion teilgenommen.

(Foto: Leonhard Simon)

Ein weiterer Beitrag richtete sich gegen die Massentierhaltung. Für den Konsum von Rindfleisch werde der Regenwald abgeholzt, kritisierte Cornelia Wiedorn. Sie rechnete vor, dass die Tierindustrie für zwei Drittel des weltweiten Stickoxid-Ausstoßes und mehr als die Hälfte aller Treibhausgase verantwortlich sei. "Wir müssen unsere Ernährung hinterfragen und ändern", forderte sie.

In Puchheim hatten Umweltschützer zu einer Klimawache um 17 Uhr auf der Nordseite des Bahnhofs aufgerufen. Sie wollten sich schwarz kleiden, zum Zeichen dafür, das der verzögerte Ausstieg aus der Kohleverwertung das Klima schädigt. Die Klimawache wurde vom Kinderschutzbund unterstützt. Schüler waren in diesem Jahr nicht an der Vorbereitung beteiligt, berichtete eine Organisatorin.

Zu einer Menschenkette durch die Innenstadt hatte das Bündnis "Germering For Future" aufgerufen. Etwa 120 Menschen versammelten sich gegen Mittag bei leichtem Regen und formierten eine Linie von der Stadthalle bis zur Unterführung, musikalisch begleitet von der Trommelgruppe Samba Bavaria. Im vergangenen Jahr hatten sich in Germering etwa 1000 Menschen versammelt, darunter deutlich mehr Jugendliche, vermutlich auch aufgrund einer Kooperation mit den Schulen. Ältere Teilnehmer hatten zudem Angst, anderen zu nahe zu kommen, berichtete Michael Lorenz, einer der Organisatoren, der dennoch eine positive Bilanz des Aktionstages zog: "Wir wollten ein deutliches Zeichen setzen, weil es nicht besser wird, und das ist uns gelungen."

© SZ vom 26.09.2020

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