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Katastrophenschutz:Gemeinsam und doch getrennt

In einem Bürgerentscheid legen die Althegnenberger fest, dass ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden soll, anstatt in die beiden bestehenden Gerätehäuser zu investieren. Die Eigenständigkeit der Wehren bleibt erhalten

Von Manfred Amann

Die Feuerwehren in Althegnenberg und Hörbach sollen in einem gemeinsamen Gerätehaus mit Schulungs- und Aufenthaltsräumen unterkommen, aber eigenständig bleiben. Dies ist der Wunsch einer deutlichen Mehrheit der Bürger, die am Sonntag beim Bürgerentscheid ihre Stimmen abgaben.

Die Frage "Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Althegnenberg ein gemeinsames Feuerwehrhaus für die Feuerwehren aus Althegnenberg und Hörbach erstellt?" wurde mit 589 Ja-Stimmen und 270 mal mit Nein beantwortet. Das Ratsbegehren, das der Gemeinderat mit der Frage "Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Althegnenberg den Brandschutz in der Gemeinde durch Investitionen in zwei eigenständige Feuerwehrgerätehäuser in den Gemeindeteilen Althegnenberg und Hörbach sicherstellt?" dagegen gesetzt hatte, gab es ein ebenso deutliches Ergebnis. 471 lehnten es ab, wie bisher je ein Feuerwehrhaus in den Ortsteilen zu unterhalten und nur 340 machten ihr Kreuzchen bei Ja. Damit ist das von Bürgermeister Rainer Spicker gewünschte "eindeutige Ergebnis" eingetreten. "Ich hoffe, dass damit der Streit endlich ein Ende hat und die Parteien sich die Hand reichen, die Ehrenamtlichen bei der Stange bleiben und das Beste aus der neuen Situation machen." Allerdings solle niemand erwarten, dass gleich mit den Neubau begonnen werde, es könne vielleicht noch zwei Jahre so bleiben.

Wie zu erwarten war, war die Abstimmung in den beiden Wahllokalen gegensätzlich. Während im Sportzentrum in Althegnenberg etwa zwei Drittel der Wähler für ein Gemeinschaftshaus votierten, stimmten in der alten Schule in Hörbach etwa zwei Drittel dafür, dass es weiterhin bei zwei Ortsteilfeuerwehren mit jeweils eigenem Gerätehaus zu belassen. Das dritte Kreuzchen, das eine endgültige Entscheidung herbeigeführt hätte, wenn bei beiden Fragen mehr Ja- als Nein-Stimmen ausgezählt worden wären, ist damit hinfällig. Doch auch dort war das Ergebnis eindeutig: 581 Bürger hatten sich für ein gemeinsames Feuerwehrhaus ausgesprochen und nur 324 für die Beibehaltung des Status quo. Insgesamt gaben 923 Bürger (58,05 Prozent der 1590 Wahlberechtigten) ihr Votum ab. Auffällig ist die hohe Zahl der ungültigen Stimmen, beim Ratsbegehren 112 und beim Bürgerentscheid 64.

Während die Initiatoren des Bürgerbegehrens Anton Kistler, Regina Schlegtendal und Altbürgermeister Reiner Dunkel im Abstimmungsergebnis ihre Prognosen bestätigt sehen, hat Bürgermeister Spicker sein Wunschergebnis nicht erreicht. "Ich hätte die mit 34 Aktiven sehr starke Hörbacher Wehr gerne im Ort belassen", erklärt Spicker, denn die Unterbringung in einem gemeinsamen Haus habe eine Verschlechterung der Einsatzzeiten zur Folge. "Aber die Bürger haben entschieden, und dies ist ein Auftrag an mich und den Gemeinderat", betont der Rathauschef. Für ihn beginnt nun die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Man habe zwar eines am Ortsrand von Althegnenberg im Blick, aber es sei nicht klar, ob man dieses auch bekommen wird. Vor allem stelle sich die Frage nach dem Preis. Außerdem lägen die in Frage kommenden Grundstücke im Außenbereich, daher müsste der Flächennutzungsplan erst geändert werden, bevor ein Bauantrag eingereicht werden könne. Finanziell stehe die Gemeinde gut da und könne auch Baugrundstücke verkaufen, um so die Finanzierung sichern. Dies sei aber nur dann möglich, wenn die Kläranlage ertüchtigt werde. Mit der Kreisbrandinspektion sei abzuklären, ob die Einsatzbedingungen für beide Wehren von dort aus erfüllt werden können. Wichtig ist dem Bürgermeister, alle Aktiven aus beiden Ortsteilen von Anfang an der Planung des Gemeinschaftshauses zu beteiligen. Um Klarheit darüber zu bekommen, wie viele Feuerwehrleute letztlich in das neue Gebäude "mit umziehen", wird Bürgermeister Spicker an alle Aktiven einen Fragebogen richten: "Ich hoffe, keinen der etwa 70 Ehrenamtlichen zu verlieren, möchte aber Klarheit haben, bevor wir die Umsetzung der Bürgerbefragung umsetzen."

© SZ vom 21.07.2020
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