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Kandidat der CSU Fürstenfeldbruck:Andreas Lohde will OB werden

Der 40 Jahre alte Lehrer wird mit großer Mehrheit als Kandidat für die Nachfolge von Sepp Kellerer nominiert. Er will die Debatte über die Verlegung der B 2 wieder aufleben lassen und ist gegen sozialen Wohnungsbau durch die Stadt.

Gerhard Eisenkolb

Andreas Lohde

Andreas Lohde und seine Frau Andrea freuen sich über die Nominierung. 

(Foto: Günther Reger)

Die Fürstenfeldbrucker CSU hat sich für Andreas Lohde als Oberbürgermeister-Kandidaten entschieden. Für den 40 Jahre alten Religions- und Geschichtslehrer stimmten am Donnerstagabend 120 Mitglieder. Lohdes Mitbewerber, der 46 Jahre alte Wirtschaftsgeograf und Landesgeschäftsführer vom Bund der Selbstständigen, Markus Droth, musste sich weit abgeschlagen mit 62 Stimmen begnügen. Anders als Droth konnte Lohde die Mitglieder mit einer mitreißenden Rede und seinem politischen Konzept für sich gewinnen.

Auch wenn Lohde nun der Spitzenkandidat ist, so wollen er und Droth doch gemeinsam dafür kämpfen, dass das Rathaus nach dem Ende der Ära des Oberbürgermeisters Sepp Kellerer in CSU-Hand bleibt. Diese Zusage rang Ortsvorsitzender Johann Schilling den beiden ab. Nach den traumatischen Erfahrungen bei der Nominierung von Kellerer vor 18 Jahren - Thomas Goppel erinnerte daran, dass damals Aggression im Saal zu spüren gewesen sei - bemühte sich die CSU diesmal darum, jeden möglichen Konflikt im Keim zu ersticken. Es ging darum, Geschlossenheit und Einheit zu zeigen. Keiner der Bewerber sollte sich auf Kosten des anderes einen kleinen Vorteil verschaffen. Die Konsensbemühungen gingen so weit, dass öffentlich mit keinem Wort erwähnt wurde, dass Droth im Vorfeld der Versammlung etwas gemacht hatte, was einige, auch der Amtsinhaber, als ungeschickt oder als taktisches Foul empfanden. Der Marktreferent des Stadtrates hatte alle Brucker CSU-Mitglieder persönlich angeschrieben.

CSU FFB

CSU-Kreisvorsitzender Thomas Karmasin achtet auf die exakte Redezeit der Kandidaten. Die CSU will sich bei dieser OB-Nominierung nichts nachsagen lassen.

(Foto: Günther Reger)

Um unangreifbar zu sein, wurde bei der Nominierungsveranstaltung sogar mit einem Münzwurf ausgelost, in welcher Reihenfolge die beiden Bewerber ans Mikrofon treten durften. Dabei siegte Droth. Doch das nützte ihm ebenso wenig wie sein strategischer Einsatz an der Saaltüre. Während Lohde in einer Ecke seine Rede memorierte, begrüßte sein Mitbewerber fast jeden Besucher persönlich per Handschlag am Eingang. Lohde und Droth wirkten sehr angespannt, was Goppel mit dem Hinweis kommentierte, in der CSU habe viel Entkrampfung stattgefunden und er hätte sich gewünscht, dass Lohde und Droth an so einem Abend mehr lächelten.

"Heute ist ein historischer Tag. Der Papst tritt zurück und der CSU-OB-Kandidat tritt an." Mit diesem Hinweis begann Lohde seine Vorstellungsrede. Am Ende bat er mit dem Hinweis, "Ich will nicht, dass Fürstenfeldbruck in rote Hände fällt, ich will mit ihnen für Fürstenfeldbruck gewinnen", um die Stimmen seiner Zuhörer. Deren kräftiger und anhaltender Beifall kündigte schon vor der Abstimmung an, dass diese Botschaft angekommen war und in welche Richtung sich die Waagschale bewegen würde. Lohde präsentierte auch ein klares politisches Konzept und gab damit vor, wohin er die Kreisstadt im Falle eines Wahlsieges führen will. So kündigte der Feuerwehrreferent des Stadtrates eine Neuauflage der Umgehungsstraßendebatte an. Das Verkehrsproblem sei ungelöst. Als OB habe er den Auftrag, "aufs neue eine mehrheitsfähige Lösung zu finden". Der Vater von zwei Söhnen sagte auch, er wolle den Bau von familiengerechten Wohnungen fördern. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass der soziale Wohnungsbau nicht zu den Aufgaben der Stadt gehöre. Stattdessen könne sie sich bei der Gewährung von Baurecht ja Belegungsrechte sichern. Droth sagte, es gelte Regularien zu finden, wie der Druck aus dem Immobilienmarkt herauszunehmen und weiter Einkommensschwächeren in Bruck ein Zuhause geboten werden könne.

Beide Redner bezeichnete die Überplanung des 230 Hektar großen Fliegerhorstgeländes als wichtigste Aufgabe des künftigen OB. Droth schlug vor, dort einen "Gründercampus" auszuweisen, um den sich Kerne für die Gewerbeansiedlung entwickeln sollen. Lohde sagte, zur Entwicklung des neuen Stadtteils auf dem Kasernenareal sei eine Bürgerbeteiligung "unabdingbar". Dort eine private Hochschule anzusiedeln, wäre für die Region ein großer Gewinn.

"Der König ist tot, es lebe der König", sagte OB Sepp Kellerer im Hinblick auf seine auslaufende Amtszeit und den beginnenden Kommunalwahlkampf. Die Nominierung verband er mit einer Hoffnung: Diesmal sollten keine Gräben entstehen.

© SZ vom 02.03.2013
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