Der schwarze Ritter kann einem schon ein bisschen leidtun. Jahr um Jahr bemüht er sich redlich, schwingt in zeitraubenden Scharmützeln mit widerspenstigem Fußvolk virtuos Lanze und Schwert. Und Jahr um Jahr schleppt am Ende einer dieser gelackten Edelleute die schöne Königstocher ab und galoppiert mit ihr Richtung Happy End. Und der schwarze Ritter, dieser stählerne Titan? Steht mit leeren Händen da und muss auch noch all die gesplitterten Lanzen zum Wertstoffhof bringen.
In ein paar Tagen stehen die nächsten Turniere an. Wilde Horden ebenso wie Ritter in glänzenden Rüstungen schlagen ihr Lager dann im kleinen Weiler Kaltenberg auf, gleich hinter Geltendorf, im Schatten des herrschaftlichen Schlosses. Der schwarze Ritter ist willens, die Werbetrommel zu schlagen, sieht aber, was die eigenen Pfründe betrifft, ziemlich schwarz: Wird garantiert ein Mordsspektakel. Aber wohl enden wie seit 44 Jahren.
Mehr Ruhm verspricht da ein PR-Auswärtstermin unter der Woche auf dem Gelände der König-Ludwig-Schlossbrauerei in Fürstenfeldbruck. Die beiden schmächtigen Reiter mit gockelhaftem Federschmuck auf dem Helm, die ihm nicht von der Seite weichen wollen, sind keine ernsthafte Konkurrenz. Das halbe Dutzend Fußsoldaten in Kettenhemden ist offenbar ohnehin auf seiner Seite.
„It’s my life“, ruft der auf Krawall gebürstete schwarze Ritter den Reportern und Fotografen provokant zu, die das Reitertrio am frisch restaurierten Bierwagen bereits erwarten. „Bonjour Tristesse“ wäre wohl passender. Denn zum einen gehören Ludovic Gortva, Marco Luraschi und Christophe Clausier der Cavalcade-Stunttruppe an, die in Kaltenberg seit einigen Jahren ihre halsbrecherische Reitkunst unter Beweis stellt – und vorzugsweise französisch parliert. Zum anderen lässt sich im Dunstkreis der Sudkessel an diesem Tag kein einziges Herz einer Königstochter erobern. Mangels Königstöchtern.


Als Trostpreis gibt’s ein Zehn-Liter-Bierfässchen, mutmaßlich gefüllt mit dunklem Bier. Das wird von Luitpold Prinz von Bayern und den Seinen von der friedliebenden Brucker Brauersippe ohne viel Federlesens herausgerückt und vom langhaarigen Wegelagerer sogleich davongetragen.
Die Legendenbildung will es, dass der in Erklärungsnot geratene Herold der König-Ludwig-Schlossbrauerei Kaltenberg in der offiziellen Proklamation behauptet, der schwarze Ritter bringe Fässchen und Bierwagen in königlicher Mission von Fürstenfeldbruck nach Kaltenberg. Ein schwarzer Ritter, der Frondienste leistet und sich zum Narren macht? Echt jetzt? Da könnte er sich ja gleich eine bunte Feder an den Helm stecken, die Rüstung blank polieren – und auf guter Ritter umsatteln. Jamais!

Die Gauklernacht am Freitag, 10. Juli, ist der Auftakt zu den Kaltenberger Ritterspielen nebst mittelalterlichem Spektakel, die sich über drei Wochenenden erstrecken und zu denen wieder um die hunderttausend Besucher erwartet werden. Öffnungszeiten, Ticketpreise, weitere Details sowie das umfangreiche Programm mit Stunt-, Akrobatik- und Feuershows, Livemusik, Schauspiel und Hexerei auf mehreren Bühnen samt Lagerleben, Vorführungen traditionellen Handwerks und Markttreiben finden sich unter www.ritterturnier.de.

