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Interview mit Luitpold Prinz von Bayern:"Bayerischer als Bier geht es nicht"

Bei einer Führung durch den Kühlkeller unter dem Schloss Kaltenberg zeigt Luitpold Prinz von Bayern eines der Fässer, die etwa seit 1870 dort lagern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Luitpold Prinz von Bayern über die Bedeutung der Lebensmittelvorschrift von 1516, die Brautradition der Wittelsbacher und die Renaissance kleiner Produzenten

Weißbiermonopol, Oktoberfest, eigene Braustätten: Die frühere bayerische Königsfamilie ist seit Jahrhunderten eng mit dem Bier verbunden. Heuer nun wird das bekannteste Lebensmittelgesetz der Wittelsbacher 500 Jahre alt, das bayerische Reinheitsgebot. Das ist Anlass, mit dem 64 Jahre alten Luitpold Prinz von Bayern zu sprechen, der die Brautradition der Wittelsbacher auf Schloss Kaltenberg fortführt.

SZ: Luitpold Prinz von Bayern, erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Bier?

Luitpold Prinz von Bayern: Nein, nicht direkt. Es gibt Bilder, die zeigen mich im Alter von drei oder vier Jahren. Da habe ich einen Bierkrug in der Hand.

Lieber Dunkles oder lieber Weißbier?

Da ist sehr situativ, je nach Tageszeit oder Essen. Ich suche das Bier zum jeweiligen Anlass aus.

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Ist das Dunkle das feinere Bier, oder ist ein Helles edler?

Das kann man nicht sagen. Es handelt sich um völlig verschiedene Biertypen. Ein helles Bier verlangt ein sehr helles Malz. Für das helle Bier brauche ich auch weicheres Wasser. Beim dunklen Bier verwenden wir hingegen drei dunkle Malzsorten. Ein gutes helles Bier herzustellen ist ebenso anspruchsvoll, wie ein dunkles Bier. Bei jeder Sorte muss man sich genau überlegen, was man braucht, um ein Bier perfekt zu machen.

Sie haben als Brauereibesitzer mit dunklem Bier angefangen.

Hier in Kaltenberg haben wir alle Biersorten gemacht. Aber das dunkle Bier hat uns am meisten nach vorne gebracht, weil in den Siebzigerjahren niemand mehr dunkles Bier beworben hat, obwohl es noch in den Fünfzigerjahren von der Mehrheit getrunken wurde.

Dunkles Bier war also eine Marktnische für Sie?

Ja, dunkles Bier war eine Marktnische und unser Schlüssel zum Erfolg. Darauf konnten wir aufbauen und andere Biere in den Markt bringen.

Zum Beispiel Weißbier.

Das Weißbier hat eine lange Familientradition. Wir hatten 200 Jahre das Monopol. Als wir die Brauerei in Fürstenfeldbruck gekauft haben, haben wir gesagt: Bruck wird unser Weißbierstandort. Der Braumeister dort soll sich ganz diesem Bier widmen.

Als Bier brauender Wittelsbacher stehen Sie ganz in der Familientradition.

Ja, es ist ein schönes und emotionales Produkt. Außerdem: Bayerischer als Bier geht es nicht.

Lange Zeit galt, dass nur noch große Brauereien eine Chance haben. Woran liegt es, dass es jetzt vermehrt Neugründungen von kleinen Brauereien gibt?

Die Verbraucher verlangen zunehmend nach regionalen Produkten mit dahinterliegenden Geschichten. Das ist sehr erfreulich und tut den regionalen Brauereien gut.

Schwimmen auf dieser Welle auch die Craft-Biere?

Zu denen habe ich ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis. Ich finde neue Brauereien gut. Aber: Wir als bayerische Brauer betreiben Handwerk, also Craft. Unsere Braumeister sind gut ausgebildete Handwerker. Das ist in Bayern Standard, einen Unterschied gibt es also nicht. Ganz anders ist es in Amerika, wo der Begriff herkommt. Dort gab es fast nur gigantisch große Brauereien, bis die Craft-Brewer kamen und dem Verbraucher Vielfalt bieten konnten.

Die Grundregel des Bierbrauens, das Reinheitsgebot existiert seit 500 Jahren. Engt es die deutschen Brauer ein, oder ist es ein Vorteil?

Das Reinheitsgebot ist etwas Bahnbrechendes. Es hat das Bier erstmals definiert als ein Getränk aus Hopfen, Gerste und Wasser. Und es hat die Biertrinker vor Giften geschützt, denn davor haben Brauer auch halluzinogene Stoffe wie Tollkirsche oder Bilsenkraut reingegeben. Daran sind auch Menschen gestorben. Das Reinheitsgebot bedeutet also Definition und Verbraucherschutz, und das ist auch heute aktuell. Wenn Sie ein Bier trinken, dann erwarten Sie ein Getränk aus Malz und nichts anderes. Und da habe ich ein Problem mit der Craft-Szene, die das Bier neu erfinden möchte. Wer etwas anderes als Hopfen, Gerste und Wasser nehmen möchte, der soll das tun. Aber er soll das Getränk, das da entsteht, nicht Bier nennen, denn Bier ist ein definierter Begriff.

Aber engt so eine Definition nicht ein?

Nein. Das Reinheitsgebot ist keine Einengung. Wir können damit Hunderte von Bieren machen, denn es gibt Hunderte von Hefe- und Hopfensorten, auch Malze können sehr unterschiedlich sein. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, geschmacklich gibt es eine große Palette. Aber wir dürfen das Bier nicht der Beliebigkeit anheimgeben.

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Sie produzieren in vielen Ländern Bier. Schmeckt das dort genauso wie hier?

Wir produzieren in 16 Ländern Bier und wir brauen immer nach dem Reinheitsgebot. Das ist nicht leicht, denn man muss die Rohstoffe genau auswählen. Aber Bier der gleichen Marke darf nicht anders sein.

Das Haus der Bayerischen Geschichte gedenkt von Mai an in Kloster Aldersbach mit einer Ausstellung der 500-jährigen Geschichte des Reinheitsgebots. Ist die Brauerei Kaltenberg an der Ausstellung beteiligt?

Wir haben zu der Ausstellung durch Basisarbeiten beigetragen. Beispielsweise haben wir vor einigen Jahren zwei Doktorarbeiten finanziert, die sich mit der Geschichte des bayerischen Bieres befassen.

Das Bier hat eine lange Vergangenheit, hat es auch Zukunft?

Ja. Bier hat eine gute Zukunft, weil es überall auf der Welt getrunken wird. In Afrika und Asien wird die Nachfrage stark wachsen, und auch hier ist sie nicht rückläufig. Bier wird auch in Zukunft eines der beliebtesten Getränke sein.

Und die Familie Wittelsbach bleibt dem Bier treu?

Wir brauen seit 750 Jahren Bier. Diese Geschichte endet noch lange nicht.