Süddeutsche Zeitung

SZ-Serie: Cafés im Landkreis Fürstenfeldbruck:Ein Stück Wien vor der Haustür

Lesezeit: 3 min

Das Kaffeehaus am Puchheimer Bahnhof orientiert sich an der Kultur der österreichischen Hauptstadt. Mit Melange und hausgemachtem Kuchen lädt es zum entspannten Verweilen ein.

Von Florian J. Haamann, Puchheim

Natürlich, Puchheim ist nicht Wien und der Bahnhofsvorplatz nicht gerade der Stephansplatz. Und trotzdem findet sich dort mit dem Kaffeehaus ein kleines Café, das nicht nur mit seinem Namen an die große österreichische Tradition anknüpft. Schon der erste Blick auf die Speisekarte zeigt, dass für Inhaber Ozkar Ünal der Name Programm ist: Einspänner, Wiener Melange und Fiaker. Dazu gibt es täglich wechselnde hausgemachte Kuchen. Aber natürlich bietet das Kaffeehaus auch Cappuccino, Americano, Latte und Espresso an. Das Ambiente erinnert mit seiner Mischung aus dunkeln Holztischen und einer gemütlichen Sofaecke ebenfalls an die großen Vorbilder in Wien, nur die stets etwas zu formellen Kellner mit ihrem Dialekt sucht man hier vergeblich. Für Kinder gibt es außerdem eine kleine Spielecke.

Die Idee, ein eigenes Café zu eröffnen, sei immer irgendwie präsent gewesen, erzählt der 44-jährige Ünal, den in Puchheim alle Oskar nennen. Dass es letztlich dazu gekommen sei, habe er mehreren Zufällen zu verdanken. Immer mal wieder habe er nach passenden Immobilien gesucht, dabei sei er auf das Objekt in Puchheim gestoßen. Als es nach einigen Monaten immer noch frei war, habe er die Besitzerin einfach mal angeschrieben. "Ich habe ein Konzept entwickelt und es ihr vorgestellt. Und sie meinte dann: 'Wer, wenn nicht Sie?' Und sie hat uns dann auch wirklich viel geholfen", sagt Ünal. Fast ein Jahr lang, von Ende 2017 bis Ende 2018, haben er und seine Frau Meltem die ehemaligen Büroräume kernsaniert und für das Kaffeehaus umgebaut. "Es war ein langer Weg, auf dem ich wahrscheinlich zehn Jahre gealtert bin", sagt Ünal und lacht.

Auch wenn das Kaffeehaus für jede Uhr- und Essenszeit etwas anbietet, liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Frühstück. Etwa 75 Prozent des Umsatzes, schätzt Ünal, generiert es am Vormittag. Das Angebot ist entsprechend üppig: "Das bewusste Frühstück", ein Bauernbrot mit Avocadopüree, Spiegelei, Feta und Kirschtomaten, veganes Frühstück, Variationen des "Strammen Max", ein zypriotisches Frühstück mit Halloumi und amerikanische Pancakes - um nur eine Auswahl zu nennen. Zu den beliebtesten Frühstücken gehört dem Inhaber zufolge das orientalische: Schafs- und Ziegenkäse, Datteln, Oliven, Hummus, hausgemachte Marmelade, Joghurt mit Früchten - und zum Abschluss ein orientalischer Mokka, der frisch zubereitet wird, wenn der Kunde so weit ist. Denn auch das ist eine Spezialität des Kaffeehauses: eine Auswahl von fünf Mokkas, türkisch, kroatisch, griechisch, jemenitisch und eben orientalisch. Dazu findet sich auf der Karte eine kurze Erklärung, was Mokka ist. Es sind diese kleinen, liebevollen Details, die einen Besuch dort so besonders machen.

Das wissen die Puchheimer zu schätzen, gerade am Wochenende ist es schwierig, ohne Reservierung einen Platz im Kaffeehaus zu bekommen. Wer etwa an einem Freitagvormittag entscheidet, einfach mal spontan dort vorbeizuschauen, hat gute Chancen, sich bereits vor der Öffnung um neun Uhr am Ende einer Warteschlange einreihen zu müssen. An Feiertagen, erzählt Ünal, seien meist schon Wochen im Voraus alle Tische reserviert. Bei gutem Wetter gibt es einige zusätzliche Plätze auf der Terrasse. Die Produkte, die im Kaffeehaus verarbeitet werden, versucht Ünal, so weit es geht, regional einzukaufen, das Fleisch etwa stammt von einem Puchheimer Metzger.

Ozkar und Meltem Ünal stehen dabei jeden Tag selbst hinter dem Tresen und sind für ihre Gäste da. Die Leidenschaft für das Konzept eines echten Kaffeehauses hat sich bei dem 44-Jährigen während seiner Zeit in Wien entwickelt, wo er einige Jahre gearbeitet hat. Außerdem war er Geschäftsführer eines Cafés in München und hat in der BMW-Welt gearbeitet. Die Selbstständigkeit aufzugeben und in eine Festanstellung zurückzukehren, kann er sich, bei all dem Stress, den der Traum vom eigenen Café bedeutet, nicht vorstellen. Im Gegenteil: Um das Geschäft auszubauen, hat er die Belieferung einer Betriebskantine mit 70 Mitarbeiten übernommen.

Eine Tasse Cappuccino gibt es für 3,40 Euro (klein) oder 4,50 Euro (groß). Das Croissant kostet 1,60 Euro, ein Stück Kuchen 3,40 Euro. Geöffnet ist das Café am Grünen Markt 1 in Puchheim montags, mittwochs, samstags und sonntags von 9 bis 18 Uhr, sowie donnerstags und freitags von 9 bis 22 Uhr. Dienstag ist Ruhetag. Reservierungen unter das-kaffeehaus-puchheim.eatbu.com oder Telefon 089/20 04 47 77.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.7394416
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.