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"Juniorwahl":Umweltbewusster Nachwuchs

Testwahlen für Jugendliche sehen die Grünen klar vorne

Läge die Europawahl in den Händen der Jugendlichen, so hätte die CSU schwer zu schlucken. Auf nur 10,4 Prozent der Stimmen kommt die Unionspartei in der U18-Wahl des Kreisjugendrings, an der insgesamt 616 Jugendliche aus dem Landkreis teilgenommen haben. Mit 45,3 Prozent stehen die Grünen an der Spitze und gehen schließlich als eindeutige Gewinner hervor. Vergleichbare Ergebnisse zeigt die "Juniorwahl", die sich an Schüler von der siebten bis zur zwölften Klasse richtet. An der Berufsschule Fürstenfeldbruck erhält die CSU 48 von insgesamt 286 gültigen Stimmen, das entspricht 16,8 Prozent. Die Grünen hingegen erreichen mit 60 Kreuzen 21 Prozent, sie ist somit auch hier die meistgewählte Partei. Am Extremsten sind die Ergebnisse an der FOS Germering: Mit 54,9 Prozent wählt über die Hälfte der FOS Schüler die Grünen. Auf schlappe 1,2 Prozent kommt die CSU, da sie nur eine von 82 Stimmen erhält. Hohe Werte erzielt auch Die Partei, mit 6,2 Prozent in der U18-Wahl und 6,3 Prozent an der Berufsschule ist sie auf Augenhöhe mit der SPD. Diese kommt in der U18-Wahl auf 6 Prozent und an der Berufsschule auf 6,3 Prozent. Nur an der FOS ist sie mit 12,2 Prozen die zweitstärkste Kraft. Auch die FDP schneidet besser ab mit 5,9 Prozent (U18), 9,1 Prozent (Berufsschule) und 6,1 Prozent (FOS). Landkreisweit liegt die AfD bei den Jugendlichen bei 5 Prozent, in der Berufsschule bei 7,7 Prozent und in der FOS bei 4,9 Prozent. Die Freien Wähler erreichen in gleicher Reihenfolge 3,4 Prozent, 6,3 Prozent und 4,9 Prozent der Stimmen.

Die Klasse M12a hat die Juniorwahl an der Berufsschule gemeinsam mit ihrer Lehrerin Verena Schmidt betreut und zählte am Freitag die Stimmen aus. Zuvor hatten alle Schüler eine Woche lang die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Mit der Wahlbeteiligung von 64,2 Prozent zeigt sich Schmidt zufrieden. Dass auch viele kleine Parteien ein oder zwei Stimmen bekommen haben, ist für sie überraschend. "Aber wieso ist die Wahlbeteiligung junger Menschen allgemein so gering?", fragt sie ihre Schüler, die selbst alle bereits 18 sind. Viele seien nicht interessiert, überlegt ein Schüler. "Man nimmt uns doch eh nicht ernst", ruft eine Schülerin, "das sieht man ja bei den Reaktionen auf die Fridays for Future." Ihr Klassenkameraden stimmen zu, gerade von Vertretern der CSU sei man enttäuscht: "Die halten uns doch alle für Bots."

Umweltschutz, Digitalisierung und Bildung, diese Themen seien in den letzten Wochen im Klassenzimmer oft zur Sprache gekommen, erzählt Schmidt. Aber die Schüler beschäftige auch jetzt schon ihre Rente. Große Unsicherheiten seien vorhanden. "Die Schüler erkennen, dass dieses System vermutlich nicht mehr funktionieren wird". Die Zwölftklässler fühlen sich auch überfordert durch die große Anzahl an Parteien. "Ich habe kein Wahlprogramm gelesen, weil es einfach zu viel ist", gibt einer von ihnen zu. "Am Anfang ist es wichtig ein Gespür zu bekommen, zu schauen: Wer vertritt meine Meinung?", erklärt Schmidt. Wahlhilfen können dabei Orientierung geben. Einige haben das Gefühl, ihre Altersgruppe sei in der Politik nicht repräsentiert. Sätze fallen wie "Wieso kann es nicht mal junge Politiker geben?" und "In der Politik kann man doch nur was machen, wenn man alt ist". Schmidt betont, dass es nicht nur wichtig sei, wählen zu gehen. Sie ermutigt die Schüler: "Bringt euch aktiv ein. Geht auf Demonstrationen, engagiert euch in Parteien oder gründet eine eigene. So macht ihr Eure Stimme hörbar!"