Süddeutsche Zeitung

Junge Stars in Fürstenfeld:Talentsuche und Völkerverständigung

Am Grundkonzept der Reihe wird regelmäßig nachjustiert. Gefördert werden mittlerweile auch Künstler Anfang zwanzig, die nicht aus dem Landkreis kommen. Mancher, der hier anfing, hat mittlerweile Karriere gemacht

Das Format der Veranstaltung "Junge Stars in Fürstenfeld" hat sich mit den Jahren immer wieder verändert. Dabei handelte es sich zum Teil um Reaktionen auf veränderte Rahmenbedingungen, zum Teil auch darum, die Veranstaltung weiter zu professionalisieren. Die Grundidee, nämlich dass der Kulturverein Fürstenfeld und das Veranstaltungsforum Fürstenfeld gemeinsam Träger dieser Fördermaßnahme sind, ist stets gleich geblieben. Die ursprüngliche Idee, junge Musiker aus dem Landkreis zu fördern, steht dabei allerdings dem Anliegen gegenüber, dem Publikum unterschiedliche Instrumente zu präsentieren.

Insofern ist der Ansatz richtig, sich zunächst die Instrumente zu überlegen, und dann nach begabten jungen Instrumentalisten Ausschau zu halten. Auch wenn diese Musiker teilweise nicht aus dem Landkreis stammen, hat sich die Kreisstadt in jedem Fall im Hinblick auf die Förderung junger Talente erfolgreich engagiert. Immer wieder haben "Junge Stars in Fürstenfeld" später eine große Karriere gemacht. Jüngstes Beispiel ist der Fagottist Mathis Kaspar Stier, der schon bei den "Jungen Stars" im Jahr 2010 als damals 15-Jähriger einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hat. Inzwischen ist er 25, Solo-Fagottist im Sinfonieorchester des WDR und hat vor wenigen Wochen einen zweiten Preis beim renommierten ARD-Musikwettbewerb in München gewonnen - ein erster Preis wurde nicht vergeben.

Am Sonntag fand im sehr gut besuchten Stadtsaal die diesjährige Veranstaltung "Junge Stars in Fürstenfeld" statt, die diesmal für die Instrumente Harfe und Oboe ausgeschrieben war. Der besondere Charme der Veranstaltung liegt seit vielen Jahren darin, dass die "Neue Philharmonie München" als Orchester mit dabei ist. Auch dieses Orchester ist ein Projekt der Förderung junger Musiker, denn in ihm spielen junge Instrumentalisten aus mehr als 20 Nationen auf beachtlichem Niveau, die jeweils zu den Arbeitsphasen zusammenkommen. Solche Klangkörper dienen der Völkerverständigung auf ganz selbstredende Weise. Am Pult stand erstmals der junge Dirigent Kiril Stankow, der mit ruhiger Hand und klarer Zeichengebung den Abend sicher führte.

Über die Jahre hat sich auch gewandelt, was man hier unter einem "Jungen Star" versteht. Galt am Anfang der Zusatz "unter 18", so waren die beiden jungen Musiker am Sonntag, Clara Simarro (Harfe) und Lennart Höger (Oboe) jeweils 24 Jahre alt und befinden sich im fortgeschrittenen Stadium ihres Instrumentalstudiums. Damit haben wir es mit professionellen Musikern zu tun, die dabei sind, sich auf der Bühne zu etablieren.

Unter diesen Vorzeichen war es ein wunderbarer Konzertabend, den das Orchester zu Beginn mit der "Symphonie classique" op. 25 von Sergej Prokofjew eröffnete. Den vom Komponisten intendierten Klangcharakter einer Transparenz, wie sie sich im Werk zum Beispiel Haydns oder Mozarts findet, trafen die Musiker ganz ausgezeichnet. Felix Mendelssohn Bartholdy gilt als "Mozart des 19. Jahrhunderts". Insofern schloss sich seine Symphonie Nr. 4 in A-Dur op. 90 mit dem Beinamen "Italienische" nahtlos an. Der heitere Grundton, verbunden mit sehr guter Intonationsreinheit, verhalf dem Kopfsatz (Allegro vivace) zu herrlich schwebenden Kantilenen. Auch den huschenden Geistertanz im abschließenden Finale (Saltarello) meisterten die Musiker beeindruckend. Die Harfenistin Clara Simarro war mit "Danse sacrée et danse profane" für Harfe und Streicher von Claude Debussy zu hören. Ganz ausgezeichnet waren im Danse sacrée Solistin und Orchester miteinander verzahnt. Die Danse profane hatte einen süffig-vitalen Klang, doch war der Eindruck auch hier ganz weich. Der klare Harfenton wanderte wie auf einem im Licht schillernden Spinnennetz sinnlicher Melodik des Orchesters.

Das sehr späte Konzert für Oboe und Orchester und kleines Orchester in D-Dur von Richard Strauss interpretierte Lennart Höger. Das brillante Virtuosenstück ist äußerst filigran gearbeitet, doch war von den Anforderungen nichts zu hören: Der Oboist bewegte sich geradezu traumwandlerisch sicher in seinem Part und gab die Führung nur ganz selten an das Orchester ab, das ihm wiederum mit sehr hoher Konzentration folgte.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4623091
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 01.10.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.