Henry Hill will lieber Technologie entwickeln, als darüber zu diskutieren. Der 18-Jährige hat vor kurzem seine Abiturprüfungen am Gymnasium Gröbenzell geschrieben. Aber das ist nicht sein einziger Erfolg: Kurz vor seiner letzten Kolloquiumsprüfung erreichte der Olchinger im Bundesfinale von "Jugend forscht" in Bremen den vierten Platz im Fachgebiet Physik. Sein Projekt: Analyse optischer Phänomene an einem selbst gebauten Schlierenfotografieapparat.
Was genau ein Schlierenfotografieapparat ist, ist für viele wahrscheinlich die erste Frage, die sich stellt: In Hills Fall ist es ein Gerät aus einem Parabolspiegel, einer Lichtquelle, einer Kamera und einer Rasierklinge, die vor die Kamera montiert wird. Verbunden wird alles mit einer Metallplatte. Außerdem verwendet er für das Projekt einen Kompressor und einen Lufthammer. "Mit der Schlierenfotografie kann man Dichteunterschiede und Wärmeunterschiede in der Atmosphäre sichtbar machen", sagt der Abiturient. Er persönlich verwende bei seinem Projekt verschiedene Methoden, um die Geschwindigkeit von Überschallgasstrom zu bestimmen.

Der Bau des Apparates sei von einem langen Prozess begleitet gewesen. "Ich bin unendlich dankbar, dass meine Eltern den ganzen Lärm um zwei Uhr morgens ertragen haben, der immer aus dem Keller kam", sagt Hill.
Der junge Mann trägt einen einfachen Sweater. Eine blaue Brille mit rechteckigen Gläsern umrahmt sein Gesicht, während er begeistert von seinem Projekt erzählt: Er habe sich in der elften Klasse entschieden, am W-Seminar "Jugend Forscht" bei Christoph Bürgis im Fach Chemie teilzunehmen. "Das Projekt bestand mit der Idee, dass, wer will, später am Landeswettbewerb teilnehmen kann", erzählt Hill. Die Stimmung im Seminar sei fantastisch gewesen. Die Lehrkräfte haben alle gut unterstützt. Da seit Kindheitstagen die Luftfahrt und Spaceshuttle seine große Liebe seien, habe er sich für sein Projekt mit der Schlierenfotografie entschieden: Diese finde sehr viel Anwendung in der Luft- und Raumfahrttechnik, sagt er.

Spaceshuttles seien seine große Faszination. Neben dem Schlierenfotografieapparat steht ein kleines Modell. Freunde hätten es mit einem 3D-Drucker für ihn ausgedruckt, genau wie die Halterung, die den Spiegel trägt, sagt Hill. Von klein auf habe er Wissensbücher und Filme zu dem Thema konsumiert. "Man hat oft Spaceshuttles im Fernsehen gesehen." Er habe immer wissen wollen, wie so ein Shuttle funktioniert. "Ich bin auch ein Fan von Sci-Fi, aber realistischem", sagt er. So sei "Der Marsianer" von Andy Weir einer seiner Lieblingsromane. Ziemlich schnell habe er als Kind mit Experimenten im Keller angefangen. "Der You-Tuber Scott Manley ist fantastisch, und den habe ich mir oft angeschaut." Er habe sich noch stärker mit Luft- und Raumfahrttechnik zu beschäftigen. Eine weitere Person, die er sehr schätze, sei der deutsche Astronaut Matthias Maurer.
Etwa mehr als die Hälfte der Schüler aus dem Seminar seien zum Landeswettbewerb von Jugend forscht in München gegangen, erzählt Hill. Er sei glücklicherweise einer der Preisträger gewesen. "Ich konnte es nicht fassen, dass ich jetzt im Bereich der Physik Bayern auf Bundesebene vertreten darf", sagt er. Insgesamt seien es 108 Schülerinnen und Schüler gewesen, die zum Bundesfinale von "Jugend Forscht" in Bremen antraten. Im Bereich der Physik seien es zwölf Kandidaten gewesen. "Es gab absolut kein Konkurrenzgefühl", sagt er. Das seien die Besten der Besten, die auftraten und alle hätten sich gegenseitig unterstützt.
"Wir bauten alle unsere Exponate auf und mussten uns dann an zwei Tagen zwei Fragerunden einer Jury stellen." Die Jury bestehe aus Doktoranden aus dem Fachgebiet, sagt Hill. Er sei am Anfang etwas nervös bei seiner Präsentation gewesen, aber schließlich sei alles gut gelaufen. Er konnte mit seinem Apparat den vierten Platz belegen und einen Geldpreis von 1000 Euro gewinnen. Außerdem werde er mit den anderen Gewinnern im September Bundeskanzler Olaf Scholz treffen können. "Ich bin sehr dankbar, dass meine Eltern mich so unterstützt haben", sagt Hill.
Er arbeite schon an neuen Projekten: "Ich möchte ein Teleskop bauen." Erste Erfahrungen mit Teleskopspiegeln habe er bei "Jugend forscht" sammeln können. Außerdem möchte der 18-Jährige in den nächsten sechs Monaten einige Praktika machen. Das Max-Planck-Institut werde seine erste Anlaufstelle sein. Danach werde er sich für eine Universität entscheiden müssen, sagt er. "Es gibt viele Möglichkeiten. Vielleicht gehe ich in die TUM nach München oder suche mir was im Ausland." Eins sei sicher: Er werde Luft- und Raumfahrttechnik studieren. Da gebe es keine Diskussion.

