Jubiläum:Jeden Morgen eine Umarmung

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Jubiläum: Glückwünsche von der Stadt: Franz Höfelsauer (links) gratuliert Marianne und Hermann Seifert.

Glückwünsche von der Stadt: Franz Höfelsauer (links) gratuliert Marianne und Hermann Seifert.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Marianne und Hermann Seifert feiern diamantene Hochzeit und verraten das Geheimnis ihrer langen Ehe

Von Kim Romagnoli, Fürstenfeldbruck

"Mit mir möchte ich nicht verheiratet sein", lacht Hermann Seifert. "Ich bin zu sprunghaft." Der 85-Jährige erinnert sich etwa an eine völlig überstürzte Italien-Reise, zu der er seine Frau eines Tages aus plötzlichem Fernweh heraus überredete. "Dreißig Minuten später saßen wir im Auto. Aber beim Packen hat sie in der Eile alles vergessen: Den Haarkamm, das Nachthemd ..." Nun blicken die beiden Eheleute bei einem Weißwurstfrühstück anlässlich ihrer Diamantenen Hochzeit auf 60 Ehejahre zurück.

Liebe auf den ersten Blick ist es nicht, als sich Marianne und Hermann im Jahr 1957 erstmals bei Bekannten begegnen. Vielmehr durchlaufen sie einen längeren Annäherungsprozess, in dem sowohl Zufall als auch Eigeninitiative sie immer wieder zusammenführen. Schließlich entscheidet sich das Paar, gemeinsam eine Unterkunft zu beziehen. Aufgrund des Wohnungsmangels habe in München damals der Spruch: "Erst Trauschein, dann Wohnung", gegolten, sagt Hermann Seifert. Am 23. November 1961 geben sich beide das Ja-Wort. Ein Jahr nach der standesamtlichen Hochzeit folgt die kirchliche Trauung.

Das schönste gemeinsame Erlebnis - da sind sich die Seiferts einig, war die Geburt ihres Sohnes im September 1963. Die Erziehung übernimmt Marianne Seifert allerdings weitgehend alleine, während ihr Mann beruflich viel unterwegs ist. Der gelernte Büromaschinenmechaniker arbeitet von 1957 an als Berufssoldat bei der Bundeswehr. Nach einigen Zwischenstationen zieht der Münchner mitsamt der Familie nach Fürstenfeldbruck, wo er 34 Jahre lang seiner Berufstätigkeit im Flugmedizinischen Institut des Fliegerhorsts nachgeht - unter anderem als Druckkammer- und Sauerstoffkontrollmeister sowie als Technischer Leiter. Marianne Seifert, ehemals Dekorantin in einer Lebensmittelfabrik und einer Schokoladenmanufaktur, bleibt zu Hause, um ihre Aufmerksamkeit dem Nachwuchs zu widmen.

Seit Hermanns Pensionierung als Stabsfeldwebel teilen sich beide die Arbeit im Haushalt. "Wir ergänzen uns gegenseitig", sagt die Jubilarin und sieht darin eine Erfolgsursache ihrer Ehe. Die Seiferts haben in den letzten Jahren viel gemeinsam durchgestanden - etwa die schwere Erkrankung Mariannes. Vor sechs Jahren musste der gebürtigen Tölzerin ein Tumor am Rückenmark entfernt werden. Ein Vierteljahr lang lebte Hermann während dieser Zeit ohne seine Frau in der Blumenstraße - so lange wie nie zuvor. Die physischen Krankheitsfolgen schränken das Ehepaar auch heute noch ein, etwa im Hinblick auf die Mobilität. Jammern möchten sie jedoch nicht, sind stattdessen dankbar, gemeinsam alt werden zu können. Nicht einmal eine Ansteckung mit dem Corona-Virus konnte sie auseinander bringen. Auch eine ernstzunehmende Ehekrise gab es bei den Seiferts nicht. Natürlich seien in den vergangenen 60 Jahren gelegentlich Meinungsunterschiede aufgetreten. Gestritten wurde allerdings niemals länger als einen Tag. "Nie über Nacht," bestätigt die Ehefrau. Bevor man zu Bett gehe, müsse man sich wieder versöhnt haben. Womöglich liegt darin das Geheimnis einer langen Ehe, überlegt das Paar und fügt dann hinzu: "Und jeden Tag umarmen wir uns in der Früh."

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