Jubiläum Ein Podium für die Bildung

Puchheimer Einrichtung feiert 50-jähriges Bestehen

Von Peter Bierl, Puchheim

Erwachsenenbildung, das mag irgendwie verstaubt klingen. Nichts ersetzt jedoch die direkte Begegnung, den Austausch mit anderen Menschen. Deshalb präsentiert das zwölfköpfige Team des Puchheimer Podiums jeden Herbst ein Jahresprogramm mit etwa 25 Veranstaltungen sowie einer Reihe ständiger Angebote wie dem Altenklub, der Eltern-Kind-Gruppe oder Meditationskursen. Das einzige ökumenische Programm dieser Art im Landkreis besteht seit 50 Jahren.

Dazu gibt es am Samstag, 13. Oktober, 18.30 Uhr in der evangelischen Kirche einen ökumenischen Festgottesdienst mit Bibliolog. Er bietet die Möglichkeit, in der Gruppe eine biblische Geschichte zu entdecken und sie mit dem eigenen Leben in Beziehung zu setzen. Anschließend findet ein Festakt "50 Jahre Puchheimer Podium" statt. Schon an diesem Freitag, 12. Oktober, ist von 19.30 Uhr an im katholischen Pfarrzentrum die Kleinste Bühne der Welt zu Gast. "Schwarz - Weiß-Heiten" sind die Geschichten ums Ganze betitelt, erzählt und gespielt werden sie von Jörg Baesecke mit Formen und Figuren aus Papier.

Begonnen hat die Geschichte des Puchheimer Podiums mit dem Katholischen Bildungswerk Puchheim, der von zehn Männern 1958 gegründet wurde. Wie fortschrittlich die Gruppe gesinnt war, kann man daraus ersehen, dass eine der ersten Veranstaltungen dem Thema Krieg, Kriegsdienst und Kriegsdienstverweigerung gewidmet war. 1965 setzte die evangelisch-lutherische Gemeinde ein eigenes Bildungsprogramm auf. Im gleichen Jahr fand das erste ökumenische Glaubensseminar in Puchheim statt. Aus diesem ökumenischen Geist entstand das Puchheimer Podium. 1969 präsentierte es sein erstes Programm. Dass man das Jahr 1968 als Gründungsjahr feiert, hänge damit zusammen, dass es sich um einen längeren Entstehungsprozess handelte, erklärt Ludger Wahlers, einer der Sprecher des Podiums.

Das Podium bot stets Veranstaltungen zu Glauben, Spiritualität und theologischen Fragen an, aber auch zu Alltagsthemen und politischen Kontroversen. 1970 lud das Podium zu einem Fest unter dem Motto "Hellas und Halbmond in Puchheim", das sich vor allem an Bürger mit griechischen und türkischen Wurzeln richtete und zu dem 250 Besucher kamen. Wichtig war in diesen Jahren der Blick nach Lateinamerika, auf die Befreiungstheologie und die Aufbruchsstimmung in den dortigen Basisgemeinden. Aus diesem Geist heraus entstand Campo Limpo, das bis heute Projekte in Brasilien unterstützt. "Uns ist wichtig, Werte zu vermitteln, Teilhabe und Solidarität, gerade in Zeiten des Neoliberalismus", sagt Wahlers.

Zwischenzeitlich organisierten sich katholische und evangelische Erwachsenenbildung auf Landkreisebene getrennt. In Puchheim formierten sich 1981 offiziell ein katholisches und ein evangelisches Team, weil jede Gemeinde ihr Profil stärken wollte, doch es blieb das gemeinsame Dach. Um 2000 fand man wieder in einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. "Inzwischen machen wir wieder alles gemeinsam", sagt Wahlers. Die Ehrenamtlichen werden von einem theologischen Referenten unterstützt, die Buchhaltung erledigt das katholische Brucker Forum. Das Publikum ist eher älter und weiblich. "Wir erfüllen alle Klischees", sagt Wahlers.

Zur Veranstaltung mit Gesine Schwan, Vertretern des Kartoffelkombinats und der Gemeinwohlökonomie am Dienstag im Rahmen der Jubiläumsfeiern kamen 100 Besucher, darunter auch junge Leute, die begeistert waren.

Die kleinste Bühne der Welt, Freitag, 12. Oktober, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrzentrum, Allinger Straße 3. Ökumenischer Festgottesdienst und Festakt "50 Jahre Puchheimer Podium", Samstag, 13. Oktober, 18.30 Uhr, evangelischen Kirche, Allinger Straße 24.