PferdewallfahrtHeiligenverehrung auf Hufen

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Gelebtes Kulturerbe: Der Festzug mit den Gespannen vor der Willibaldkirche in Jesenwang.
Gelebtes Kulturerbe: Der Festzug mit den Gespannen vor der Willibaldkirche in Jesenwang.
Manfred Amann/oh
  • Beim 304. Willibaldfest in Jesenwang wurden am Sonntag mehr als 230 Pferde und 14 Gespanne durch die Willibaldkirche geritten und gesegnet.
  • Die Tradition geht auf ein Gelöbnis von 1712 zurück, als Jesenwanger Bauern dem heiligen Willibald dankten, weil er eine Viehseuche abgewendet hatte.
  • Die Brauchtumsveranstaltung zog etwa 2500 Besucher an und steht auf der bayerischen und deutschen Liste des Unesco-Kulturerbes.
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Beim 304. Willibaldfest in Jesenwang werden mehr als 230 Pferde und 14 Gespanne gesegnet. Die Traditionsveranstaltung um den Ritt in die Willibaldkirche zieht dieses Mal 2500 Besucher an.

Von Manfred Amann, Jesenwang

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Mit dem traditionellen Pferderitt, Wallfahrten aus der ganzen Region und Gottesdiensten ist am Sonntag, zwei Tage vor dem eigentlichen Gedenktag des Heiligen, in Jesenwang zum 304. Mal das Willibaldfest gefeiert worden. Die weithin bekannte Brauchtumsveranstaltung mit dem europaweit einmaligen Ritt durch die Kirche, die in die bayerische und deutsche Liste des Unesco-Kulturerbes aufgenommen und mit dem bayerischen Heimatpreis ausgezeichnet wurde, hatte etwa 2500 Zuschauer angelockt. Die vom Freundeskreis St. Willibald und der Gemeinde Jesenwang organisierten Feierlichkeiten fanden bei passablem Wetter statt, der Kastanienhain neben der Willibaldkirche diente als Biergarten.

Etwa 230 Pferde, 14 Gespanne mit Kutschen, Leiter- und Kastenwagen, auf denen Senioren, Ministranten und Honoratioren mitfahren durften, haben damit das Gelöbnis eingelöst, das Jesenwanger Bauern einst abgelegt hatten. Wie es in Überlieferungen heißt, hatten sich die Jesenwanger dem Heiligen verlobt, da er eine Viehseuche abgewendet hatte. Als diese im Jahr 1712 in der Region wütete und vor allem die für die Feldarbeit unentbehrlichen Pferde dahinraffte, wandten sich die Bauern an den heiligen Willibald. Sie versprachen, ihm alljährlich bei einem Festtag mit Pferdeumritt zu danken, wenn ihre Tiere verschont werden. Und angeblich verendete danach kein Tier mehr.

„Willibald, der als angelsächsischer Benediktinermönch im frühen Mittelalter das Christentum nach Franken und Bayern brachte, war 787 in Eichstätt zu Grabe getragen worden und ist zumindest seit 1414 der Ortsheilige der Jesenwanger, nachdem Abt Johannes III. vom Kloster Fürstenfeld den Grundstein für die Willibaldkapelle gelegt hatte. Sie vertrauten ihm als Fürsprecher bei Gott, da lag es nahe, dass sich die Bauern in ihrer Not an ihn wandten“, so Martin Schmid, der den Freundeskreis St. Willibald leitet.

Viele Reiter kamen diesmal querfeldein aus Moorenweis, Türkenfeld oder Gilching. Andere den Kennzeichen der Pferdetransporter zufolge aus dem Werdenfelser Land und aus dem Chiemgau, dem Allgäu, dem Pfaffenwinkel, aus dem Raum Eichstätt und Pfaffenhofen an der Ilm sowie aus Straubing in Niederbayern. Er komme „jedes Jahr, wenn’s Wetter passt“, sagte ein Landsberger Reiter. Für eine Bäuerin aus dem Oberland war es hingegen der erste Ritt in Jesenwang. „Ich habe mit meinem zweijährigen Haflinger-Hengst extra bei Musik trainiert, damit ihn die Kapellen nicht nervös machen“, verriet sie. Etwas nervös sei sie angesichts des Rittes durch die Kirche, denn der lasse sich kaum trainieren. „Geschafft“, rief sie dann nach dem Austritt aus dem „schwarzen Loch“ und tätschelte zufrieden den Hals ihres Pferdes. Erstmals mitgeritten ist auch der TV-Schauspieler Andreas M. Bräu („Dahoam is Dahoam“), der auch Autor ist und in seinem Buch  „Bayerische Traditionen“ den Willibaldritt ausführlich beschreibt.

Auch die Vereinsfahnen auf dieser Kutsche werden zur Segnung gebracht.
Auch die Vereinsfahnen auf dieser Kutsche werden zur Segnung gebracht.
Manfred Amann/oh
Der Willibaldritt geht auf ein Gelöbnis aus dem frühen 18. Jahrhundert zurück, wie an der Kleidung dieses Reiters zu erkennen ist.
Der Willibaldritt geht auf ein Gelöbnis aus dem frühen 18. Jahrhundert zurück, wie an der Kleidung dieses Reiters zu erkennen ist.
Manfred Amann/oh
Premiere: Dekan Tobias Rother segnet beim 304. Willibaldfest erstmals die Rosse und Reiter.
Premiere: Dekan Tobias Rother segnet beim 304. Willibaldfest erstmals die Rosse und Reiter.
Manfred Amann/oh

Angeführt wurde der Festzug traditionell von einem „Kreuzreiter“, vier Musikkapellen begleiteten den Tross, der Fahnenwagen der Vereine und mit Blumen geschmückte Nachbildungen der Willibaldkirche wurden mitgeführt. Die Nachbildung der Kirche in Türkenfeld sollte wie schon seit Jahren in freundschaftlicher Verbindung an den dortigen Silvesterritt erinnern, an dem der Freundeskreis St. Willibald jedes Jahr teilnimmt. Den Segen für Ross und Reiter vor dem Durchritt erteilte erstmals Dekan Tobias Rother.

In ihren Grußworten auf dem kleinen Hügel im Kastanienhain dankten Schmid und der Jesenwanger Bürgermeister Erwin Fraunhofer allen Helferinnen und Helfern. Sie lobten den Gemeinschaftssinn, ohne den das Brauchtum nicht erhalten werden könne. Zuvor war im Gemeinschaftsgesang die Bayernhymne angestimmt worden. Großer Dank gebühre auch der Polizei, den Feuerwehren aus Jesenwang und Pfaffenhofen, den Rettungsdiensten und vor allem den vielen Pferdehaltern, die zum Teil weit angereist seien, um sich und ihre Tiere segnen zu lassen, darunter der Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch (CSU). Zur Politprominenz, die am 304. Willibaldfest teilnahm, zählten neben zahlreichen Bürgermeistern auch die Dachauer Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler (CSU), der Landtagsabgeordnete Andreas Birzele (Grüne), sowie die Bezirkstagsabgeordnete Gaby Off-Nesselhauf (CSU).

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