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Jesenwang:Überreste

Erläutern das Grabungsvorhaben: Markus Wild, Kreisheimatpfleger für Archäologie, und Anna Ulrike Bergheim vom Historischen Verein

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Am Rand von Jesenwang wird demnächst gegraben

Von Lea Schellenberg, Jesenwang

Trotz Coronamaßnahmen haben sich einige Menschen im großen Gemeindesaal in Jesenwang eingefunden. Die Stühle stehen 1,50 Meter voneinander entfernt, und am Eingang muss man sich mit Namen und Kontakt registrieren. 46 Plätze stehen insgesamt zur Verfügung und diese sind fast alle besetzt. Die Menschen scheinen gespannt darauf zu warten, was an diesem Abend vorgetragen werden soll. Es kehrt Ruhe ein im Saal, Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer begrüßt die Anwesenden und führt den Historischen Verein Fürstenfeldbruck als Veranstalter ein und dessen anstehenden Vortrag über die spannende Vor- und Frühgeschichte Jesenwangs. "Wir werden sehen, der Ursprung von Bayern liegt vielleicht hier in Jesenwang", sagt Fraunhofer, und ein Lachen geht durch die Runde.

Damit übergibt er das Wort an die Vorsitzende des historischen Vereins, Anna Ulrike Bergheim. Sie stellt die anwesenden Mitglieder des Vereins vor, führt in das Thema des Abends ein und gibt weiter an den Archäologen und Kreisheimatpfleger Markus Wild. Der Fachmann beginnt mit seinem Vortrag: "4000 Jahre vor Oaso- Siedlungen am Rande des Wildmooses - von der Steinzeit bis zu den Römern".

Archäologische Zeugnisse aus der Jungsteinzeit, der Zeit der frühen sesshaften Menschen zwischen 5500 und 2000 v. Chr., seien im Landkreis Fürstenfeldbruck äußerst selten. Zu dieser Zeit wurde größtenteils in Ostbayern und entlang der Donau gesiedelt, da dort die Böden fruchtbarer waren, zeigt Wild anhand einer Karte auf. Doch vor etwa 20 Jahren wurde am westlichen Ortsrand von Jesenwang oberhalb des Wildmooses einer dieser seltenen Wohnplätze steinzeitlicher Siedler entdeckt. Die Fundstelle befindet sich auf einem Acker. Dadurch, dass der Acker bewirtschaftet werde, seien seither immer wieder Keramikscherben und Steinartefakte beim Pflügen an die Oberfläche gebracht worden. Die Fundstücke konnten vom Historischen Verein eindeutig der sogenannten Chamer Kultur zugewiesen werden.

Die Chamer Kultur sei "eigentlich eine der am wenigsten erforschten Kulturen in Bayern", sagt Wild. Das liege auch daran, dass Artefakte oftmals schwer der Chamer Kultur zuzuordnen seien, da die Stücke nur wenige Verzierungen aufweisen. Dadurch werde die Identifikation solcher Stücke erschwert. Die Siedler seien nach dem ersten Fundort, der Stadt Cham in der Oberpfalz, benannt worden und siedelten dort um 3300 bis 2700 v. Chr. Siedlungen dieser Gruppe sind vor allem in Niederbayern, der südlichen Oberpfalz und bis nach Böhmen und Oberösterreich verbreitet. Somit ist Jesenwang momentan der westlichste bekannte Fundort.

Seit 2016 wurde der Acker von mehreren Mitgliedern des Historischen Vereins immer wieder begangen, Oberflächenfunde wurden kartiert. Im Februar 2018 wurde eine geomagnetische Messung durchgeführt, die durch zahlreiche Siedlungsspuren wie zum Beispiel Pfostengruben von Holzhäusern auf interessante Funde hoffen lassen, erzählt Markus Wild. Die Fundstelle ist wegen ihrer Hanglage und der landwirtschaftlichen Nutzung durch Erosion gefährdet. Daher werde der Historische Verein vom 8. bis 16. August Grabungen an den ausgewählten Stellen am Rand des Wildmooses durchführen, kündigt Wild an. 30 bis 35 Menschen sollen im August pro Tag an der Grabungsstätte arbeiten. Der Eigentümer und der Pächter unterstützen das Vorhaben. Vor Ort werde es dann einen Informationsstand geben, der Besucher über Hintergründe, Funde und Befunde Aufschluss geben werde. Versprechen könne man es nicht, aber darauf hoffen, dass sich die erwarteten archäologischen Reste nicht doch als alte Coladosen herausstellen würden, meint einer der Vereinsmitglieder. Man sei sich aber eigentlich sehr sicher, dass das nicht der Fall sein werde und Überreste vergangener Zeiten gefunden werden.

© SZ vom 11.07.2020

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