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Jesenwang:Naturschützer plädieren für Windrad

Die Kreisgruppe hält den geplanten Eingriff bei Jesenwang für ökologisch vertretbar

Von Heike A. Batzer, Jesenwang

Der Bund Naturschutz (BN) befürwortet das Windrad, das im Wald zwischen Jesenwang und Grafrath entstehen soll, und hält den Eingriff für ökologisch vertretbar. Windenergie und Artenschutz seien bei vernünftiger, verantwortungsvoller Planung zusammen machbar, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe, Claus Ehrenberg, bei einem Pressetermin am Freitagnachmittag am geplanten Standort.

Man wisse, dass "wir als BN in der Klemme sind, speziell bei einem Standort im Wald", sagt Ehrenberg auch. Deshalb würde sich der BN "konstruktiv und mit sehr viel Sachverstand für die Standortauswahl einsetzen", ergänzt die Kreisvorsitzende Eugenie Scherb. Der Bund Naturschutz möchte den Umstieg auf regenerative Energien beschleunigen, um Stromerzeugung aus Kernkraft und Kohle zu beenden. Bei der Wasserkraft habe man Bedenken, sie sei häufig naturzerstörend, sagt Scherb, und so blieben Sonne und Wind.

Für die geplante Windkraftanlage - es wäre die dritte im Landkreis - muss eine Fläche von 8000 Quadratmeter Privatwald gerodet werden. Davon wird etwa die Hälfte für die Anlage selbst benötigt, für diese Fläche muss später ein Ersatzwald gepflanzt werden, "am besten auf Jesenwanger Flur", erläutert Hans-Jürgen Gulder. Der andere Teil der Fläche ist für temporäre Maßnahmen wie Baustelle und Erweiterung der Wege vorgesehen und muss später über Wiederaufforstungen gut gemacht werden. Gulder war bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren Leiter des Brucker Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, nun engagiert er sich für den BN. Der Jesenwanger Standort besteht ihm zufolge überwiegend aus Fichten. Die wenigen Mischbaumarten wie Kiefer, Bergahorn, Buchen oder Eichen seien noch sehr jung und deshalb "ökologisch gesehen von relativ geringem naturschutzfachlichem Wert". Gulder verweist auf die Krise, in der sich die Fichtenwälder schon seit 1990 befänden.

Das betreffende Waldstück beherberge kaum Biotopbäume und auch kaum Totholz und sei vom Naturschutzgebiet Ampermoos und dem Naturwaldreservat Schönwald mit ihren schützenswerten Arten mehr als zwei Kilometer entfernt. Gulder gesteht aber auch ein, dass man derzeit "noch keine ehrliche Aussage" über die im sogenannten Hofer Wald vorkommenden Arten treffen könne. Eine etwa ein Jahr dauernde Artenkartierung werde die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens vornehmen. Laut dem Jäger Walter Obster wurden im Hofer Wald Rotmilane gesehen, "aber nicht lange über dem Forst, sonder eher auf der Feldflur im Jesenwanger Bereich", Schwarzspecht, Fledermäuse. Andreas Henze zufolge wird es nach einer Genehmigung ohnehin ein Fledermausmonitoring geben, das zur Folge habe, dass ein Windrad zu den Zeiten, zu denen die Fledermäuse fliegen, still stehen müsse. Henze ist einer der beiden Vorstände der Bürger-Energie-Genossenschaft Freisinger Land, die das Windrad errichten möchte.

Wie bei allen technischen Einrichtungen lasse sich nicht vermeiden, "dass Vögel dagegen fliegen", räumt Ehrenberg ein. Zwischen 100 000 und 300 000 Vögel kämen jährlich an deutschen Windrädern zu Tode, im Vergleich dazu pro Jahr um die sieben Millionen im Straßenverkehr und ähnlich viele an Gebäuden und Fensterscheiben. Über die Lebensdauer von Windrädern von 20 bis 25 Jahren sagt Ehrenberg, dass Verschleiß oder Innovation auch bei anderen technischen Gebäuden dazu führten, dass diese dann ersetzt werden müssen. Der Standort bei Jesenwang ist der letzte, der von der vor einigen Jahren erfolgten Standortsuche im Rahmen eines Teilflächennutzungsplans für die Windkraft im Landkreis übrig blieb. Die Bemühungen wurden eingestellt, als die 10-H-Regelung kam.

© SZ vom 04.07.2020

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