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Jahresbilanz der Einsatzkräfte:Weniger Einsätze wegen Corona

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Kreisfeuerwehr legt Bericht für 2020 vor. Pandemie stellt Retter vor neue Aufgaben

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Wegen der Corona-Pandemie sind die Feuerwehren im Landkreis im vergangenen Jahr weniger Einsätze gefahren. Dies ergibt sich aus der Statistik, die der Kreisfeuerwehrverband vorlegt. Vor allem die Einschränkungen in der Mobilität, die sich auch auf den Straßen bemerkbar machten, ersparten den Feuerwehrleuten das eine oder andere Ausrücken. Zu sehen ist dies am Rückgang der technischen Hilfeleistungen, die von 2273 (im Jahr 2019) auf 1604 sanken. Zu diesen Hilfeleistungen gehören unter anderem das Befreien von Autofahrern, die nach einem Unfall in ihrem Wagen eingeklemmt sind. Zum starken Rückgang der Einsatzzahlen hat laut Bericht der Feuerwehr auch beigetragen, dass im vergangenen Jahr kein Unwetter stattfand, wie der Hagelschlag zu Pfingsten 2019. Insgesamt verzeichneten die Feuerwehren im vergangenen Jahr 2724 Einsätze, im Jahr davor waren es 3362 gewesen.

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Trotz der geringeren Menge an Einsätzen war das Jahr 2020 für die Feuerwehren nicht weniger arbeitsreich als andere Jahre. Denn die Pandemie stellte die Retter vor etliche neue Probleme. So konnten in Puchheim und Maisach die First-Responder-Einsätze nicht mehr gefahren werden, weil Schutzkleidung fehlte. Laut Statistik gingen diese Einsätze auch um mehr als die Hälfte zurück, statt 298 (2019) wurden nur noch 139 verzeichnet. Etliche Schulungen und Lehrgänge fielen mit Beginn des ersten Lockdowns am 16. März aus, nur in den Sommermonaten waren Übungen in kleinen Gruppen und unter strengen Hygienekonzepten möglich. Freilich ging bei den Feuerwehrleuten die Angst vor Ansteckung um. Ganz abgesehen von den Folgen für die Infizierten hätten diese auch Quarantänen und damit eine Einschränkung der Bereitschaft nach sich ziehen können. Von den 52 Feuerwehren im Landkreis habe aber keine ihren Dienst einschränken müssen, heißt es in der Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbands.

Gebremst wurde durch die Pandemie auch die Jugendarbeit. Die Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehren ist von 343 (im Jahr 2019) auf 313 gesunken. Die Abnahme resultiert zu einem Teil aus der Übernahme Jugendlicher in den aktiven Dienst. Kreisbrandrat Hubert Stefan sieht aber die Gefahr, dass sich der durch die Pandemie bedingte Verzug in der Ausbildung um ein Jahr in einer verzögerten Aufnahme von Nachwuchskräften in den aktiven Dienst zeigen könnte. Mit dem momentanen Sinken der Inzidenzzahl verbinden sich nun die Hoffnungen, Lehrgänge und Schulungen bald wieder aufnehmen zu können. Für den Neustart ist man jedenfalls vorbereitet: Feuerwehrleute wurden kürzlich in der Anwendung von Schnelltests geschult. Insgesamt ist die Zahl der aktiven Feuerwehrleute im vergangenen Jahr leicht angestiegen, sie wird für 2020 mit 2384 angegeben, 206 von ihnen sind Frauen.

Wegen der Auswirkungen von Corona gab es nicht nur etliche Einsätze weniger, die Pandemie brachte den Rettungskräften auch neue Aufgaben. So engagierte sich der Verband auch bei der Organisation von Impfzentren. 67 Aktive der Feuerwehr Germering sowie zwölf Personen aus der Kreisbrandinspektion beteiligten sich zudem an einer Studie, die Aufschluss geben sollte über die Immunität gegen das Coronavirus. Sie ließen sich im Mai Blut abnehmen. Ziel der Aktion war es, herauszufinden, ob sich Feuerwehrleute bereits infiziert und Antikörper gebildet hatten. Die Untersuchung ergab, dass sich keiner der Probanden bis dahin mit dem Virus angesteckt hatte. Zudem reagierten die Kommunen auf die Pandemie, indem sie die Einsatzkräfte mit Masken und Hygienesprays ausrüsteten. Auch tragen Feuerwehrleute meist Helme mit Vollvisier. Dennoch blieben Bedenken, schon weil die Retter in ihrem Einsatzfahrzeug eng beieinander sitzen.

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Die Bekämpfung von Bränden ist, wie es der Name sagt, die Kernaufgabe der Feuerwehr. 700-mal wurden die Einsatzkräfte im Jahr 2020 zur Brandbekämpfung gerufen. Ende des Jahres brach in einem Hochhaus in Puchheim ein Feuer aus. Etwa 60 Bewohner mussten aus dem Gebäude gebracht werden, teilweise geschah dies, weil das Treppenhaus stark verraucht war, mithilfe von Drehleitern. Grund für das Feuer war nach Erkenntnissen der Kriminalpolizei ein angezündeter Kinderwagen im Treppenhaus.

Vor übliche Aufgaben wurden die Feuerwehrleute auch durch das Sturmtief "Sabine" im Februar gestellt. Umgestürzte Bäume und abgedeckte Dächer führten zu etlichen Einsätzen. Allerdings reichten der Orkan und die von ihm verursachten Schäden nicht an den Pfingsthagel oder "Wiebke" heran.

© SZ vom 06.05.2021