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Interview:"Wir wollen im Namen Gottes weiterhin zur Seite stehen"

Germerings Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster spricht über die Veränderungen in Corona-Zeiten und Messen zu Ostern

Der direkte Kontakt mit den Gläubigen ist für Pfarrer Andreas Christian Jaster in der Corona-Krise nicht möglich. Wie der Leiter des Pfarrverbandes Stadtkirche Germering die rund 15 200 Gläubigen gerade zu Ostern erreichen will, erläutert er in einem von der Stadtkirche veröffentlichten Interview.

Herr Pfarrer Jaster, wie blicken Sie auf die derzeitige Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Stadtkirche?

Pfarrer Andreas Christian Jaster: Die Corona-Krise ist etwas, das weder ich persönlich noch die Bundesrepublik Deutschland in der Form je erlebt haben. Da gibt es zu den Ausführungen von Bundespräsident Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel nichts hinzuzufügen. Es ist eine Zeit, in der nahezu jedes öffentliche Leben, auch das kirchliche unter Einbeziehung der ganzen Gemeinde mehr oder weniger vollständig zum Erliegen kommt. So was hat es meines Wissens nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs gegeben.

Was bedeutet die Corona-Krise aus seelsorglicher Sicht?

Eine solche Krise löst bei einer ganzen Reihe von Menschen Ängste aus, seien es Ängste um die eigene Gesundheit bis hin zum eigenen Leben, oder Ängste um Gesundheit und Leben lieber Angehöriger oder freilich auch Ängste um die berufliche oder wirtschaftliche Existenz. Bei solchen Ängsten hilft es den Menschen oft schon, wenn sie spüren, dass ihnen jemand nahe ist. Das ist unsere Aufgabe als Seelsorger, immer wieder daran zu erinnern: Jesus ist an unserer Seite.

Primizmesse

Seit 2003 ist Andreas Christian Jaster Pfarrer von Sankt Johannes Bosco, seit 2011 leitet der 48-Jährige die Stadtkirche, zu der neben Sankt Johannes noch die Pfarreien Sankt Martin und Sankt Cäcilia gehören.

(Foto: Günther Reger)

Aber Nähe, zumindest körperliche Nähe ist etwas, das in diesen Tagen strikt unterbleiben sollte.

Sie haben absolut recht: Die größte Nähe zu einem Menschen ist derzeit, ihm körperlich nicht zu nahe zu kommen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dennoch wollen wir im Namen Gottes weiterhin zur Seite stehen, so gut wir können. Das muss nicht unbedingt körperliche Nähe heißen. Auch in einem Telefonat, einer E-Mail oder einem Brief lässt sich wirkliche Nähe ausdrücken. Beispielsweise schreibe ich meine Gemeinde, zumindest diejenigen, die das wünschen, jede Woche mit einigen Gedanken zum jeweiligen Sonntag an. Auch gibt es weiterhin unser wöchentliches Pfarrblatt, das zum einen in den nach wie vor zum persönlichen Gebet geöffneten Gotteshäusern zum Mitnehmen bereit liegt, zum anderen aber auch allen Gemeindemitgliedern mit eigener E-Mail-Adresse geschickt wird, wenn sie sich auf der Homepage der Stadtkirche, www.stadtkirche-germering.de, registriert haben.

Immer mehr Pfarreien und Kirchengemeinden stellen "online" Angebote zur Verfügung.

Wir natürlich auch. Beispielsweise bietet Diakon Benno Saruba einen Online-Bibelkreis an. Dazu haben sich bereits über 80 virtuelle Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet! Und am Palmsonntag gibt es einen virtuellen Kindergottesdienst. Weitere Informationen zu beidem gibt es bei Diakon Benno Saruba unter BSaruba@ebmuc.de.

Eine 2000 Jahre alte Institution wird digital und setzt voll auf die Möglichkeiten der Digitalisierung. Wäre hätte das gedacht?!

Fünf Kirchen

Die katholische Stadtkirche Germering ist der Pfarrverband der drei Pfarreien Sankt Cäcilia, Sankt Martin und Sankt Johannes Bosco in Germering. Leiter des Pfarrverbands ist Pfarrer Andreas Christian Jaster. Die Stadtkirche hat rund 15 200 Gläubige und ist damit einer der größten Pfarrverbände im Erzbistum München und Freising. Als Gotteshäuser stehen der Stadtkirche Sankt Cäcilia, Sankt Martin, die Alte Martinskirche, Sankt Johannes Bosco und Sankt Jakob zur Verfügung. Die zahlreichen, teilweise auch zielgruppenspezifischen Gottesdienstangebote reichen neben den üblichen Sonntagsgottesdiensten von Kinder-, Jugend- und Seniorengottesdiensten über Andachten und die Tageszeitenliturgie bis hin zu besonderen Gottesdiensten, beispielsweise zur Spendung von Sakramenten wie Taufe, Erstkommunion, Firmung oder Ehe. In zahlreichen musikalischen Gruppierungen unterstützt die Stadtkirche die Verwirklichung musikalischer Begabung. Begegnungen außerhalb der Gottesdienste ermöglicht man in Jugendgruppen, Seniorenkreisen, Gesprächskreisen oder auf Veranstaltungen wie Pfarrfesten, Kirchweih- oder Christkindlmärkten. Das Engagement in der örtlichen Flüchtlingsarbeit sieht die Stadtkirche Germering als eine Selbstverständlichkeit an. Zudem betreibt der Pfarrverband fünf Kindertagesstätten, die insgesamt bis zu 442 Kinder aufnehmen können. Betreut werden sie von rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. sz

(lacht) Ich selbst bin zwar ein eher "analoger" Mensch, aber ich kenne die Bedeutung der sozialen Medien wie Whatsapp, Twitter, Instagram oder Facebook. Und auch Live-Streaming ist für mich kein Fremdwort. In dem Bereich planen wir sogar etwas.

Jetzt haben Sie uns neugierig gemacht ...

Wir haben kurzerhand die Alte Martinskirche zum "Stadtkirchen-Studio" für Livestream-Gottesdienste hergerichtet, vor allem für die Kar- und Ostertage. Den Gottesdienst am Gründonnerstag werde ich selbst als Livestream zelebrieren. Und den Karfreitag übernimmt Pastoralreferent Christian Kube. Darüber hinaus überlegen wir derzeit, auch eine Osternachtfeier als Livestream anzubieten. Und es wird auch spezielle Angebote für Kinder geben.

Das klingt nach einem umfassenden Plan. Welche Plattform wird die Stadtkirche für das Livestreaming verwenden? Und zu welchen Zeiten finden diese Live-Angebote statt?

Alle mit unserem Livestream in Zusammenhang stehenden Informationen wie Zeiten, Zugangsdaten usw. finden sich in aktueller Form immer auf der Homepage der Stadtkirche: www.stadtkirche-germering.de.

Derartige Online-Angebote mit Livestream oder virtuellem Bibelkurs richten sich vermutlich eher an ein internet-affines Publikum. Aber was ist mit Ihren älteren Gemeindemitgliedern, die vielleicht nicht so umfassend im Netz unterwegs sind?

Das ist mir in der Tat ein großes Anliegen. In den vorigen Jahren haben wir am Dienstag der Karwoche stets einen besonderen Seniorengottesdienst angeboten mit der Möglichkeit, die Krankensalbung zu empfangen. Das geht in diesem Jahr leider nicht, denn unsere Seniorinnen und Senioren sind Risikogruppen beim Corona-Virus. Daher haben wir uns für dieses Jahr etwas anderes, neues einfallen lassen.

Verraten Sie uns, was?

Am gewohnten Dienstag der Karwoche, also am 7. April nehme ich mir von 14 bis 16 Uhr ganz persönlich Zeit für unsere Seniorinnen und Senioren, für einen ganz persönlichen Segen am Telefon. Dazu mögen unsere Seniorinnen und Senioren zu der genannten Zeit bitte direkt unter der Telefonnummer 089/84 93 68 12 anrufen. Dann beten wir telefonisch miteinander ein Vaterunser und ein Ave-Maria in all den eigenen und weltweiten Sorgen und Nöten, verbunden mit einem kurzen persönlichen Wort der Ermutigung, und schließen mit dem Segen. Sollten alle Telefonleitungen einmal belegt sein, bitte einfach noch mal probieren. Jede und jeder soll drankommen können.

© SZ vom 07.04.2020

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