Glasfaser in Germering und damit schnelles Breitband-Internet im Gigabit-Bereich? Ein Anschluss, der stabil bleibt, auch wenn mehrere Menschen daran arbeiten? Eigentlich sollte daran längst gebaut werden, aber momentan tut sich nichts. Ein SZ-Leser, der in der Großen Kreisstadt im Stadtteil Unterpfaffenhofen lebt, hat von der Telekom erfahren, dass vor 2026 keine Kabel mehr verlegt werden. Der Kaufmann hätte im Home-Office gerne einen leistungsstarken Glasfaser-Anschluss und ärgert sich, dass nichts vorangeht. „Verantwortlich ist wohl ausschließlich die Telekom“, schreibt er. Das habe er vom Regionalmanagement des Konzerns selbst erfahren. Der Kaufmann ist fassungslos. Es sei „unvorstellbar, dass eine Stadt wie Germering mit mehr als 40 000 Einwohnern noch lange auf Glasfaser warten muss.“
Dabei hat die Telekom im Jahr 2022 für ihre Glasfaser-Anschlüsse geworben, bis Ende 2025 sollte das Netz ausgebaut sein. Wer einen Anschluss wollte, konnte sich eintragen. Doch der Ausbau geriet ins Stocken. Das liegt offenbar hauptsächlich am Fachkräftemangel.
Auf Anfrage erklärt Telekom-Sprecherin Katja Kunicke, man wolle „so viele Menschen wie möglich an das schnelle Netz der Zukunft anschließen. Dafür bauen wir, was der Bagger hergibt“- deutschlandweit gerade in rund 3000 Gemeinden und Stadtteilen. Zwei von drei Glasfaserleitungen würden von und mit der Telekom gebaut. In der gesamten Branche hätten sich aber die Rahmenbedingungen geändert, Material- und Lohnkosten stiegen, ebenso die Zinsen. Zudem fehlten die gut ausgebildeten Leute, die die Arbeiten erledigen können.
Die Stadt kann selbst nichts tun
„Das führt dazu, dass wir unsere Planungen gegebenenfalls an die Dynamik des Marktes anpassen müssen. Manche Projekte können wir zeitlich nicht wie ursprünglich geplant umsetzen“, erklärt Kunicke. „Dies betrifft auch den Ausbau in Germering. Wir sind dazu in enger Abstimmung mit dem Bauamt sowie dem Büro des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt Germering, um zum Beispiel Arbeiten im Zuge von Straßenbaumaßnahmen zu koordinieren.“
Die Stadt habe selbst keinen Einfluss darauf, wann die Arbeiten stattfinden, erklärt Renate Konrad, Leiterin des Oberbürgermeister-Büros. „Wir können gar nichts machen.“ Den Breitbandausbau habe die Telekom eigenfinanziert übernehmen wollen. „Die Kommunen haben das Geld nicht, um das selbst zu finanzieren.“ Mit der Stadt spreche sich die Telekom nicht ab, „und das muss sie auch nicht“. Es habe unterschiedliche Vorstellungen der Umsetzung gegeben, „aber das haben wir im Guten geregelt“, erklärt Konrad weiter. Die Telekom könne jedenfalls grundsätzlich jederzeit weiterbauen, „wenn sie die Kapazitäten hat“.

Auch die Wirtschaft ist auf schnelles Internet angewiesen, um im internationalen Vergleich mithalten zu können. Das Ausbautempo müsse hoch bleiben, denn auch die Bedarfsprognosen steigen, teilt die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft mit. 68 Prozent der bayerischen Unternehmen hätten Ende 2023 angegeben, ein unzureichendes digitales Festnetz beeinträchtige ihr Geschäft. „Unternehmen nutzen die Digitalisierung, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen und unser Land zukunftsfähig zu halten. Auf Dauer schaffen sie das nur mit gigabitfähigen und zuverlässigen digitalen Netzen überall in Bayern.“
Jürgen Andre, Vorsitzenden des Wirtschaftsverbands Germering, nennt die Verzögerung ebenfalls ein Problem. „Wir warten schon alle ganz dringend auf Glasfaser“, sagt der Inhaber einer Elektro-Anlagenfirma. „Das wäre durchaus zeitgemäß.“ Germering bekomme von Jahr zu Jahr versprochen, dass ausgebaut werde, aber es geschehe nichts. Andererseits gebe es bisher keine echten Probleme, denn die Stadt verfüge über hochwertiges DSL. „Aber die Anforderungen werden natürlich von Jahr zu Jahr höher.“
Leistungsschwankungen im Home-Office
DSL und Glasfaser seien kaum vergleichbar, sagt der SZ-Leser und Kaufmann. Über DSL bekomme man 250 Megabit pro Sekunde, über Glasfaser das Vierfache, tausend Megabit oder ein Gigabit. Vor allem bleibe das Netz stabil, auch wenn mehrere Leute es gleichzeitig nutzen. „Da können sich viele anstöpseln und Sie haben keine Schwankungen“, erklärt er. Er habe in der Coronazeit selbst häufig unter Leitungsschwankungen gelitten. Germerings Zweite Bürgermeisterin Manuela Kreuzmair (CSU) nannte 2022 private Glasfaseranschlüsse vor dem Hintergrund von Home-Office und Homeschooling immens wichtig.
Welche Form des Anschlusses – bis ins Gebäude (FTTB – fiber to the building) oder bis in die Wohnung (FTTH – fiber to the home) dann schlussendlich kommt, spielt für den Kaufmann zunächst keine so große Rolle. „Ich brauche über diesen zweiten Schritt noch nicht nachdenken“, sagt er. „Der erste Schritt, die Leitung ins Gebiet, fehlt ja noch.“

