Integrative Veranstaltung Gröbenzell ist bunt

Beim multikulturellen Fest herrscht großer Andrang. Einwohner mit ausländischen Wurzeln vermitteln mit künstlerischen Darbietungen und kulinarischen Angeboten einen Eindruck von ihren Heimatländern

Von Katharina Knaut, Gröbenzell

In der Nähe des Rathausplatzes steht, halb versteckt von Büschen und Sträuchern, ein gläserner Kasten. Er ist beklebt mit den Flaggen von Nationen aus aller Welt. In der Mitte befindet sich ein Loch. Sieht man hindurch, erkennt man an der Innenwand einen Schriftzug: Gröbenzell ist bunt. Nicht einmal hundert Meter entfernt zeigen die Bürger der Gemeinde an diesem Samstag, was das eigentlich bedeutet. Beim interkulturellen Fest stellen Gröbenzeller mit ausländischen Wurzeln ihre Heimat vor, bieten typische Speisen, Kunst und Handwerksgegenstände an oder präsentieren auf der Bühne verschiedene Musik- und Tanzdarbietungen. "Es geht darum, dass die ausländischen Mitbürger sich vorstellen", so die Organisatorin Cordula Braun, Referentin für interkulturelle Zusammenarbeit und Familie. "Über zehn Prozent Ausländer aus 103 Nationen leben in Gröbenzell. Das hat mich selbst überrascht." Das interkulturelle Fest sei das größte Fest in Gröbenzell.

Noch bevor man den Rathausplatz betritt, wehen dem Besucher bereits die ersten fremdländischen Düfte entgegen. Auf den meisten Ständen türmen sich die Speisen: Reisgerichte, gebratene Nudeln, Couscous, gefüllte Teigtaschen und Weinblätter sowie Baklava, eine Süßigkeit aus Blätterteig gefüllt mit Nüssen, die im Nahen Osten sehr beliebt ist und die man in verschiedener Ausführung an gleich mehreren Ständen entdeckt. Manche der Besucher stehen der fremden Küche allerdings etwas skeptisch gegenüber. So ein kleines Mädchen, das mit seinem Vater am indonesischen Stand steht. Kritisch begutachtet sie die verschiedenen Schüsseln und lässt sich von der Verkäuferin jedes Gericht zeigen und genau beschreiben. Schließlich entscheidet sie sich, wenn auch zögerlich, für einen Teller gebratener Nudeln.

Zu fröhlicher Musik drehen vietnamesische Kinder ihre Papierschirme. Der Tanz symbolisiert den Gang in die Schule und beeindruckt auf dem multikulturellen Fest vor allem die jungen Besucher.

(Foto: Günther Reger)

Auch manch anderes sieht auf den ersten Blick eher gewöhnungsbedürftig aus, so etwa der schwarze Reis, der am Haitianischen Stand angeboten wird. "Das ist dunkler Reis mit schwarzen Pilzen und Erbsen, ein typisches haitianisches Essen", erklärt die Verkäuferin. "Das hier ist normalerweise mehr das Essen für Sonn- und Festtage, für den Alltag wäre das zu aufwendig," fügt ihr Mann hinzu. Die beiden haben sich in Haiti kennengelernt. Die junge Musikpädagogin lebte einige Monate dort, um ein Hilfsprojekt zu unterstützen. Ihr jetziger Mann war ein haitianischer Student, der sein Studium aufgrund einer zerstörten Universität nicht beenden konnte. Nun leben sie in Gröbenzell und er führt sein Studium in Deutschland fort.

Neben den kulinarischen Genüssen ist die Bühne auf dem Rathausplatz der Hauptanlaufpunkt. Auf faszinierende Weise spiegelt sich hier das Motto wider: Gröbenzell ist bunt. Es gibt Darbietungen aus dem bayerischem Volkstum, lateinamerikanische Musik und Tanzvorführungen aus dem asiatischen Raum. So treten nach den D'Maisachtalern in Dirndl und Lederhosen zwei indische Frauen auf, die mit ihren tropenvogelbunten Saris und den geschmeidigen, wiegenden Bewegungen einen denkbar großen Gegensatz darstellen.

Kaffeetrinken kann rituelle Größe haben: eine Äthiopierin bei der für ihr Land typischen Zeremonie.

(Foto: Günther Reger)

Viel Applaus erntet auch die vietnamesische Kindertanzgruppe. In gelb-rosa Kleidern kommen sie lachend auf die Bühne. Zu fröhlicher Musik drehen und schwenken sie ihre Papierschirme. "Der Tanz heißt Gang in die Schule", erklärt ihre Lehrerin, die den Tanz an einer Schule in München unterrichtet. "Das ist ein Tanz einer Minderheitengruppe aus dem Norden Vietnams. Der Weg zur Schule führt dort oft über Berge und Wälder und im Tanz soll dieser Marsch widergespiegelt werden." Besonders die Kinder zeigen sich sehr beeindruckt von der Darbietung.

Am Ende zeigt sich Braun sehr zufrieden. Es sei ein sehr erfolgreiches Fest gewesen. "Die ganze Rathausstraße war voll." Das Fest stehe und falle mit den Mitwirkenden. "Es sind lauter private Leute, sozusagen von Gröbenzellern für Gröbenzeller." Das ganze Jahr über ist sie auf der Suche, um neue Leute zu gewinnen. Teilweise spricht sie sie auch auf der Straße an. Das Ergebnis sei oft erstaunlich: "Eine der indischen Tänzerinnen arbeitet eigentlich im IT-Bereich, hat in Indien aber Tanz studiert. Ich konnte sie überreden, für uns aufzutreten." Es sei Teil von Integration, miteinander in Kontakt zu treten, zu zeigen, wie vielfältig das Leben in der Gemeinde sei. Eben zu zeigen: Gröbenzell ist bunt.