Süddeutsche Zeitung

Integration:Ein Tag auf dem Platz

Beim "FFB-kickt-bunt-Cup" siegt ein Fürstenfeldbrucker Team

Ein langer Einwurf kommt in den Strafraum, die Nummer neun dreht sich um den Abwehrspieler, schließt mit der Hacke ab - Innenpfosten. Kurz vorher stand er blank vorm Tor, schob ein zum 1:0 für den FC Som München gegen das Team FFB United. Der Spieler mit der Neun heißt Oukubay, ist 21 Jahre alt und kommt aus Eritrea. Inzwischen wohnt er in München, erzählt er, doch früher hat er mal in Eichenau, mal in Puchheim gewohnt. An diesem Sonntag ist Oukubay zurück nach Fürstenfeldbruck gekommen, um Fußball zu spielen. "Es macht einfach großen Spaß", sagt er.

Das, was Oukubay großen Spaß macht, ist der zweite "FFB-kickt-bunt-Cup". Ein Fußballturnier mit zehn Mannschaften, alle Teams bestehen aus Geflüchteten. Koordiniert wird das Turnier von Dirk Hasenjaeger. Er arbeitete von Ende 2014 als Ehrenamtlicher im Helferkreis Fürstenfeldbruck, organisierte erste Fußballturniere, zum Beispiel im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Dann, im Winter 2018, organisierte er das Hallenturnier"Refugee Indoor Cup", im Juni desselben Jahres den ersten FFB-kickt-bunt-Cup. "Früher war ich vor den Turnieren schon nervös", sagt Hasenjaeger. Doch jetzt habe sich eine gewisse Routine eingestellt, die Abläufe klappten besser, die Nervosität sei auch weg.

Der FFB-kickt-bunt-Cup ist ein Kleinfeldturnier, gespielt wird parallel auf zwei Plätzen, pro Team sind sechs Spieler auf dem Platz. Vier Mannschaften setzen sich aus den Bewohnern des sogenannten Ankerzentrums zusammen, die weiteren sechs bestehen aus anderen Geflüchteten aus der Umgebung. In zwei Gruppen mit je fünf Mannschaften wird um den Halbfinaleinzug gespielt, danach findet das Finale statt.

Gespielt wird auf dem TSV Fürstenfeldbruck West. Günther Eichinger ist Zweiter Vorsitzender des TSV, schon im vergangenen Jahr war sein Verein - zusammen mit Hasenjaeger - Ausrichter des Cups. Für ihn persönlich sei dieses Turnier wichtig, sagt er. Beim TSV West spielen Menschen aus 28 Nationen, auch Flüchtlinge kicken in dem Verein. "Integration ist für uns wichtig", sagt Eichinger. Er und Hasenjaeger kennen sich schon lange, letzterer war früher selber aktiver Fußballer. Für beide ist die Hauptmotivation für das Turnier, dass alle Spaß haben beim Fußball, einen schönen Tag erleben.

Dafür, dass neben dem Spaß auf dem Platz auch Regeln eingehalten werden, darum kümmert sich die "Schiedsrichtergruppe Ammersee und Fürstenfeldbruck" (SRG). Christian Erdle ist der Gruppenobmann der SRG, er pfeift sonst in der Kreisliga. Beim FFB-kickt-bunt-Cup gehe es um einiges fairer und entspannter zu, sagt Erdle und lacht. Das bestätigt auch Hasenjaeger. Letztes Jahr sei es nur einmal hitziger geworden, das sei im Halbfinale gewesen, sagt er. Doch das sei ja auch normal. Es gehe zwar um den Spaß, doch "die Jungs wollen natürlich trotzdem gewinnen".

Den Cup gewonnen haben die "FFB Strikers". Sie setzten sich im Finale mit 3:0 gegen "Play 4" aus Puchheim durch.

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Quelle:
SZ vom 24.06.2019
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