Benefiz-Show:Theater für alle

Benefiz-Show: Im Impro-Theater am Viscardi-Gymnasium erzählt Manuela (Dritte von links) gemeinsam mit Michael (von links), Anna, Maja, Nadine, Lena und Sonja eine Weihnachtsgeschichte.

Im Impro-Theater am Viscardi-Gymnasium erzählt Manuela (Dritte von links) gemeinsam mit Michael (von links), Anna, Maja, Nadine, Lena und Sonja eine Weihnachtsgeschichte.

(Foto: Tilman Wiesbeck)

Im Viscardi-Gymnasium treten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf. Das Zusammenspiel klappt gut, die Besucher sind begeistert.

Von Til Antonie Wiesbeck, Fürstenfeldbruck

"Wuh!", ruft Michael. "... machte der geheimnisvolle Thermomix", ergänzt Anna Grzegorek. Michael hat eine geistige Beeinträchtigung und spricht nicht. Dass er zusammen mit anderen trotzdem eine Geschichte erzählen kann, beweisen die Schauspielerinnen und Schauspieler der Theatergruppen "Impro All Inklusiv" und "Impro Macchiato" vor etwa 60 begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Bühne im Viscardi-Gymnasium in Fürstenfeldbruck. Abwechselnd trägt jeder einen Teil zu einer etwas anderen Weihnachtsgeschichte bei. Den Namen dieser Geschichte hat das Publikum vorgegeben: "Willy Wonka und der geheimnisvolle Thermomix."

Seit April treffen sich Menschen mit und ohne Behinderung in der Improvisationstheatergruppe "Impro All Inklusiv" einmal die Woche, um gemeinsam Theater zu spielen. Das Projekt ist eine Kooperation der Caritas Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung, der Neuen Bühne Bruck und des Viscardi-Gymnasiums. "Wir haben es mit Alexander Schmiedl von der Neuen Bühne Bruck besprochen und dann einfach mal ausprobiert", erklärt Raul Weber von der Caritas. Das gemeinsame Schauspiel gebe den Beteiligten Selbstbewusstsein. "Außerdem braucht man eine enorme Teamfähigkeit und viel Empathie", ergänzt Claus Hilgers, der die Gruppe leitet.

Benefiz-Show: Sie machen Theater (vorne, von links): Michael, Sonja, Manuela, Patrick Atzler, Raul Weber, Nadine, Lena und Leiter Claus Hilgers mit (hinten) Anna, Maja und Felix.

Sie machen Theater (vorne, von links): Michael, Sonja, Manuela, Patrick Atzler, Raul Weber, Nadine, Lena und Leiter Claus Hilgers mit (hinten) Anna, Maja und Felix.

(Foto: Tilman Wiesbeck)

Die Schauspielerinnen und Schauspieler beziehen das Publikum stark mit ein. Für eine Szene geben zwei Gäste die Orte vor: Schauspielerin Anna steht im Stau am Brenner, Schauspielerin Maja ist in der Rentierschlittenwerkstatt. Ohne den Ort der jeweils anderen zu kennen, beginnen sie zu spielen. Maja kommt angeritten und fragt: "Wir haben einen Termin?" - "Der kann noch dauern", gibt Anna trocken und mit depressivem Gesichtsausdruck zurück.

Anna spielt schon seit der fünften Klasse Theater. Die 19-jährige Studentin aus Jesenwang ist von Anfang an bei "Impro All Inklusiv" dabei. "Beim ersten Treffen waren viele noch schüchtern", erinnert sie sich. Inzwischen mache es aber allen sehr viel Spaß. Einige Besonderheiten bringe die Arbeit mit sich: "Wenn sich jemand verbal nicht so gut ausdrücken kann, ist es schon eine Herausforderung, ihn in die Szene einzubauen." Dafür habe die Gruppe aber inzwischen gute Lösungen gefunden.

Gute Erfahrungen hätten sie zum Beispiel damit gemacht, auf der Bühne paarweise zu spielen oder Pantomime einzubauen. Wichtig sei es, auf alle Ideen einzugehen und sie in die Szenen mitzunehmen. Auf die anderen einzugehen ist laut Hilgers, der schon seit fast 40 Jahren Theater spielt, beim Improvisationstheater immer eine Herausforderung. "Bei Menschen mit Behinderung ist das gerne auch noch unerwarteter. Aber es klappt immer."

Der zweite Auftritt von "Impro All Inklusiv" kommt beim Publikum gut an. Die Bruckerin Hermine Schmid spielt selbst öfter in Workshops und ist begeistert von den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler. "Impro All Inklusiv" ist für sie eine "wunderschöne Art, in Kontakt zu sein": "Man merkt, dass Menschen mit Behinderung auch kreative Fähigkeiten und sehr viel Spaß haben." Krista Jatouti vom Dominikus-Ringeisen-Werk begleitet die Schauspielerin Manuela. Mit dabei ist auch Matthias. "Richtig gut" gefalle ihm die Show. Beim nächsten Mal auch möchte er wieder mitmachen.

Benefiz-Show: Impro Macchiato, das sind Maja, Anna, Lena und Felix.

Impro Macchiato, das sind Maja, Anna, Lena und Felix.

(Foto: Jana Islinger)

Detlef Kurp war lange im Elternbeirat des Viscardi-Gymnasiums und versucht, keine Vorstellung zu verpassen. Schade findet er nur, dass diesmal weniger Leute da seien als gewöhnlich. Seit 2015 organisiert das Viscardi-Gymnasium die Benefizshow. Es seien immer mindestens 100 Gäste gekommen. Warum es diesmal weniger waren, kann Hilgers nicht sagen. Immerhin rund 340 Euro kamen trotzdem für die Caritas Kontaktgruppe zusammen. Sie werden für Kursleitungen, Räume und Betreuungspersonal eingesetzt. "Wir wollen, dass jeder alles machen kann", erklärt Weber. Wenn wir nicht mehr über Inklusion reden müssten, sei sie da.

Bei der Weihnachtsshow im Viscardi-Gymnasium gelingt das: Auf der Bühne steht Familie Rispel. "So meine Kinder. Hamma uns auch dieses Jahr wieder eingefunden zur jährlichen Weihnachtsfeier", erklärt Papa Rispel - gespielt von Lena - in dickem sächsischem Dialekt. Plötzlich klopft es an der Tür und hereinkommen Nikolaus (Anna) und Krampus (Michael). "Werden die Kinder eigentlich noch versohlt, die keine Geschenke kriegen?", fragt jemand. Der Krampus nickt und lacht. "Meine Schülerinnen sind nicht gewalttätig", versichert Hilgers, "aber es macht auch Spaß, mal albern zu sein." Manuela spielt Mama Rispel. "Eine coole Szene", findet die 56-Jährige.

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