Induktive Höranlage Klar und unverzerrt

OB Andreas Haas (v.l.), Barbara Peachst, Christine Zwilling, Erika Malland-Eick und Christine Förster-Grüber beim Test in der Stadtbibliothek.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Schwerhörige können dank neuer Technik Kultur genießen

Von Eirik Sedlmair, Germering

"Ich konnte früher nicht ins Theater oder Kabarett gehen", sagt Erika Malland-Eick. Die 70-Jährige erlitt mit 40 Jahren einen Hörsturz - seitdem ist sie schwerhörig und trägt ein Cochlea-Implantat. Das hilft ihr, Gespräche mit einzelnen Personen zu verstehen. Bei großen Gruppen und vor allem bei Veranstaltungen in großen Räumen, in denen Theater gespielt oder Vorträge gehalten werden, verstand sie oft nichts. Doch inzwischen "verstehe ich das sehr gut", sagt Malland-Eick.

Das funktioniert durch ein Gerät, das etwa so groß ist wie eine Kassette: eine induktive Höranlage. Es gibt in Germering bereits welche im Rathaus und in der Stadthalle - jetzt hat die Stadt zwei weitere angeschafft, die in der Stadtbibliothek und im Haus Zenja deponiert werden. Die Anregung dazu kam von Malland-Eick, die Mitglied im städtischen Behindertenbeirat ist. Induktive Höranlagen können mit Cochlea-Implantaten und Hörgeräten benutzt werde, vorausgesetzt, die Hörhilfe besitzt eine T-Spule, was bei den meisten der Fall ist.

Bei Vorträgen erhalten die Referenten ein Headset, das den Klang unverzerrt an die Zuhörer weitergibt. Die hörbeeinträchtigten Menschen erhalten entweder einen Empfänger mit Kopfhörer oder mit einer T-Spule zum Umhängen, die an den Empfänger angeschlossen wird. Die kleinen Geräte, die man sich um den Hals hängt, empfangen die Töne klar und silbenrein, alle Neben- und Hintergrundgeräusche werden ausgeblendet.

"Für uns ist das ein echter Mehrwert", sagt Christine Förster-Gruber von der Stadtbibliothek. Auch für Bürgermeister Andreas Haas sind die Anlagen wichtig, um die Barrierefreiheit weiter voranzutreiben. Außerdem sei an den tragbaren FM-Anlagen praktisch, dass sie in einen Koffer passen. So sind sie mobil und können an vielen Orten eingesetzt werden, sagt Förster-Gruber. Die neuen Anlagen enthalten jeweils zehn Empfänger. "Wenn wir aber eine Veranstaltung haben, bei der wir zwölf oder 15 Empfänger brauchen, können wir uns weitere Empfänger vom Haus Zenja ausleihen", sagt Anita Vöhringer von der Stadtbibliothek.

Neben den FM-Anlagen gibt es Ringschleifenanlagen. Sie sind fest installiert, auch in Germering gibt es sie an einigen Orten: Im Rathaus und in der Johannes Bosco- und der Dorfkirche. Um dort störungsfrei hören zu können, wurde ein isolierter Draht, eben die Ringschleife, in den Wänden verlegt. Ein eingebauter Verstärker wandelt die Signale der verwendeten Mikrofone um und sendet sie an die Ringschleife. Sie erzeugt elektromagnetische Signale. So kann der Ton direkt am Hörgerät empfangen werden.