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In der Corona-Zeit:Verzopft und verstopft

Etwas mehr Abwasser als sonst wird in der Kläranlage Geiselbullach derzeit verarbeitet.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Klärwerke erkennen erhöhtes Abwasseraufkommen und warnen vor Problemen durch Feuchttücher im Kanal

Die Kinder zu Hause, die Eltern im Home-Office, da wird daheim mehr Wasser verbraucht. Und das Trinkwasser, sofern es nicht draußen verspritzt wird, um den Garten grün zu halten, wird zu Schmutzwasser und landet in den Kläranlagen. Die größte davon steht im Olchinger Stadtteil Geiselbullach und dort kümmert sich der Amperverband um das Abwasser aus seinen Mitgliedsgemeinden in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Dachau und Starnberg. Weil nun also vermehrt Menschen zu Hause bleiben, wird tagsüber auch mehr Wasser verbraucht.

"Es kommt jetzt bei uns mehr Abwasser an", sagt Thomas Mösl. Allein in Geiselbullach rechnet man mit fünf bis acht Prozent mehr als sonst. "Das ist absolut überschaubar und stellt den Betrieb vor keine nennenswerte Herausforderung", sagt Mösl. Die Anlage in Geiselbullach sei aber für deutlich mehr ausgelegt, "das Aufkommen ist unproblematisch". Was Mösl mehr Sorgen bereitet, sind Dinge im Schmutzwasser, die darin eigentlich nichts verloren haben, wegen der Corona-Krise aber darin landen.

Weil es zeitweise weniger Toilettenpapier zu kaufen gibt, verwendeten die Menschen unter anderem Feuchttücher, sagt Mösl. Die seien mit dem handelsüblichen feuchten Toilettenpapier nicht zu vergleichen und könnten dazu führen, dass die Pumpstationen im Abwasserkanal auf dem Weg von den Haushalten zur Kläranlage ausfielen. Die Stadt Fürstenfeldbruck ruft ebenfalls dazu auf, keine Vliestücher über die Toilette wegzuspülen. Anders als beim Amperverband, hält auch die Stadt feuchtes Toilettenpapier für nicht geeignet, über die Kanalisation entsorgt zu werden. Das gehöre ebenso wie Einwegwaschlappen, Kosmetiktücher, Babyfeuchttücher, Staub- und Wischtücher nicht in das Abwassersystem, sondern in die Restmülltonne.

Was passieren kann, wenn sogenannte Pflegetücher oder Einmalwaschlappen oder -handtücher in die Kanalisation gelangen, beschreibt AV-Chef Thomas Mösl so: "Die Tücher können sich im Kanal aneinanderheften, kommen mehrere zusammen, spricht man von einer Verzopfung." So lange diese Tuchzöpfe durchs Kanalrohr gleiten, droht keine Gefahr für das Abwassersystem. Blieben sie allerdings in den Pumpen hängen, die das Abwasser bis zur Kläranlage weiterpumpen, könnte dies zum Stillstand der Pumpen führen.

Überhaupt keine Sorgen macht sich Thomas Mösl um die Belastung des Trinkwassers mit dem Coronavirus. Der Amperverband, der die Gemeinden Alling, Eichenau, Puchheim, Gröbenzell und Olching mit Trinkwasser versorgt, weist auf seiner Homepage darauf hin, dass nicht nur die Wasserversorgung trotz des neuartigen Coronavirus sichergestellt sei, sondern auch die Qualität des Wassers. Eine Übertragung des Virus über die öffentliche Trinkwasserversorgung sei nach derzeitigem Kenntnisstand "höchst unwahrscheinlich". Mösl verweist in diesem Zusammenhang auf das Umweltbundesamt, zu dem auf der Homepage des Amperverbandes ein Link führe. Generell gelte, dass man sowohl bei der Trinkwasserversorgung als auch bei der Schmutzwasserentsorgung in zwei Schichten arbeite, die sich nicht begegneten, um einsatzfähig zu bleiben.

© SZ vom 09.04.2020

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