Süddeutsche Zeitung

Impfen:Unmut über Terminvergabe hält an

In vielen Briefen an die SZ äußern sich Senioren weiterhin kritisch. Sie wollen besser auf dem Laufenden gehalten werden

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Unzufriedenheit rund um die Terminvergabe fürs Impfen hält an. Zahlreiche Leser wenden sich weiterhin an die Fürstenfeldbrucker SZ. Vor allem Senioren über 80 Jahren sowie Menschen mit Vorerkrankungen, die Priorität genießen sollen, wollen wissen, wann sie an der Reihe sind. Gleichwohl gibt es auch Stimmen, die dem Roten Kreuz als Betreiber des Impfzentrums, aber auch dem Gesundheitsamt ausdrücklich eine sehr gute Arbeit bescheinigen und darauf hinweisen, dass Versäumnisse vor allem Land, Bund und EU anzulasten sind.

In der Kritik steht vor allem die landesweit eingesetzte Software "Bayimco". Viele Senioren sind verunsichert, weil sie nach der Registrierung per Internet oder Telefonhotline oft wochenlang nichts mehr hören. Von einem "Impfchaos" spricht Helmut Kraft aus Eichenau. Seine Anfragen bei den Behörden zum Impfstand im Landkreis seien im Sande verlaufen. Er warnt davor, dass durch fehlende Informationen auch mögliche Missstände nicht aufgedeckt werden könnten. Kraft hat sich deshalb nun an den Landtagsabgeordneten Hans Friedl (Freie Wähler) gewandt.

Das Ehepaar Stolle, das ebenfalls der Gruppe mit hoher Priorität angehört, hat sich Mitte Januar registriert. Ende Februar erkundigte sich Helmuth Stolle dann bei der Impf-Hotline des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), nach welchen Kriterien die Impfzentren gehalten sind, die Auswahl der "Impflinge" zu treffen. Dort habe es geheißen, dass manche Impfzentren nach dem Datum der Anmeldung vorgehen, andere nach dem Lebensalter und manche auch nach den Vorerkrankungen. Es lasse sich kaum vorhersagen. Als er am gleichen Tag im Brucker Impfzentrum nachfragte, sei er sehr allgemein auf die Impfverordnung hingewiesen worden. Stolle vermisst die "absolute Transparenz des Einstufungsprozesses", die er für unabdingbar hält. Ein weiter Weg sei es noch bis zu dem von Gesundheitsminister Holetschek in Aussicht gestellten "Impf-Turbo".

Klaus W. Wartenberg aus Puchheim schlägt eine pragmatische Lösung vor, mit deren Hilfe sich Senioren besser informiert fühlen würden: Es müsse für das Impfzentrum doch zumindest möglich sein, als Orientierung die Jahrgänge der aktuell Geimpften bekannt zu geben.

Für überzogen halten die Kritik hingegen Emmi und Karlheinz Brem aus Germering. Bei den beiden 88-Jährigen klappte alles reibungslos - von der Online-Registrierung bis zur Verabreichung der beiden Impfungen noch im Januar. Ausdrücklich "sehr gute Arbeit" bescheinigt dem Impfzentrum auch Andreas Forster, der Sprecher des Ärztlichen Kreisverbandes.

Landrat Thomas Karmasin (CSU) reagierte jüngst auf die anhaltende Kritik an der Informationspolitik rund ums Impfen. In den sozialen Medien machte er zwar deutlich, dass man einen genauen Termin für die "Durchimpfung" der verschiedenen Altersgruppen schlicht nicht nennen kann ("Mein Eindruck war bisher eher, dass die Menschen von Versprechungen, die später nicht gehalten werden, genervt sind"). Gleichwohl gibt er nun doch unter einigen Vorbehalten eine Prognose ab: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir Anfang April die Menschen über 80 erstgeimpft haben müssten." Voraussetzung sei allerdings, "dass der Impfstoff planmäßig geliefert wird, das staatliche IT-Programm funktioniert und die Politik nicht weiter irgendwelche Berufsgrup- pen identifiziert, die plötzlich Priorität genießen".

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SZ vom 09.03.2021
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