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Im Porträt:Jahrgang 2021

Acht Abiturientinnen und Abiturienten aus dem Landkreis haben der SZ erzählt, wie es nach den Prüfungen für sie weiter geht. Die meisten schmieden trotz Corona große Pläne

Von Anna Schorr

OLCHING: Symbolfoto Abitur 2021
(Foto: Leonhard Simon)

Schon zum zweiten Mal mussten sich die Absolventen sehr selbständig auf die Prüfungen vorbereiten, die heuer am 12. Mai beginnen Acht von ihnen erzählen, wie es für sie danach weitergeht. Manche wollen gleich studieren, andere erst noch reisen. Alle versuchen sie,das Beste aus der Situation zu machen.

Gespaltene Gefühle - Jakob Rauh will der Schule nicht ganz den Rücken kehren

FÜRSTENFELDBRUCK: Porträts von Abiturient:innen 2021

Jakob Rauh

(Foto: Leonhard Simon)

Fürstenfeldbruck - Die Gefühle zum Schulabschluss sind bei Jakob Rauh vom Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck gespalten. Einerseits freue er sich, in ein paar Wochen mit dem Abitur fertig zu sein, andererseits fühle er sich der Schule auch sehr verbunden. Der 18-Jährige war von der neunten bis zur elften Klasse Schülersprecher, ist im Jugendkreistag und nahm außerdem zusammen mit seinem Team am Wettbewerb "Formel 1 in der Schule" teil, bei dem die Fürstenfeldbrucker Schüler dieses Jahr den ersten Platz erringen konnten. Seiner Schule ganz den Rücken zukehren, möchte Rauh deshalb nicht. "Ehemalige Schülersprecher kommen ja auch immer mal wieder bei Schulfesten oder so vorbei, und da sehe ich mich auch", sagt er. Eine Herausforderung des diesjährigen Corona-Abiturs sieht er in der Disziplin, die man als Schüler aufrecht erhalten muss: "Man muss sich vieles selber erarbeiten, muss früh aufstehen und lernen. Und zu Hause muss man sich natürlich noch mehr dazu aufraffen." Bei ihm habe das alles aber ganz gut geklappt. "Da nimmt man auch viel fürs Leben mit", sagt Rauh. An die wechselnden Schulbedingungen und den Onlineunterricht sei er mittlerweile gewöhnt. "Die Beschränkungen ändern sich regelmäßig", sagt Rauh, "aber man passt sich mit der Zeit an." Nach dem Abitur geht es für ihn gleich weiter: Voraussichtlich im Wintersemester möchte er anfangen, Maschinenbau in München zu studieren.

Island und Ecuador - Nach den Reisen will Julia Zeitler Medizin studieren

MÜNCHEN: Porträts von Abiturient:innen 2021

Julia Zeitler

(Foto: Leonhard Simon)

Gröbenzell - Julia Zeitler vom Gymnasium Gröbenzell sieht das Positive an der besonderen Abiturvorbereitung zu Coronazeiten: "Selbstständiges Lernen und Arbeiten war viel mehr gefragt für dieses Abitur. Damit ist man sicher besser auf die Uni vorbereitet." Es sei aber auch herausfordernd gewesen, sich immer wieder zu motivieren, online alles zu verfolgen und den Rhythmus aus der Schule beizubehalten. "Auch den Abistreich und den Abiball haben wir uns anders vorgestellt", sagt sie. "Im Großen und Ganzen war aber alles machbar." Etwas aufgeregt ist die Schülerin vor der ersten Abiturprüfung im Fach Deutsch, "weil es so lang ist", sagt sie. Auf ihr Kolloquiumsfach Englisch freue sie sich am meisten. Ihr Abitur möchte die 18-Jährige im Kreis ihrer Familie und enger Freunde feiern. "Etwas Großes ist nicht geplant." Auch die Abifahrt sei abgesagt, sie überlege aber, eine eigene Fahrt mit ein paar Freunden zu organisieren: Nach Island soll es gehen, mit dem Rucksack. Außerdem möchte die Abiturientin ein Jahr lang einen Freiwilligendienst machen. "Ich habe einen Stipendiumsplatz bekommen, um in einer Schule in Ecuador Englisch zu unterrichten", sagt sie. Ob das klappt, hängt von der Pandemielage ab. "Ansonsten mache ich es erst später oder ich gehe in ein anderes Land", sagt Zeitler. Danach möchte sie ein Medizinstudium beginnen. Sie freue sich darauf, sich dann auf das fokussieren zu können, was sie interessiere.

Ziel Umweltschutz - Johanna Jankowertz möchte Umweltingenieurin werden

OLCHING: Porträts von Abiturient:innen 2021

Johanna Jankowetz

(Foto: Leonhard Simon)

Olching - Ihr Kolloquium macht Johanna Jankowetz im Fach Astrophysik. "Man konnte sich zwischen Astro- und Quantenphysik entscheiden", erklärt die Schülerin vom Olchinger Gymnasium, wie sie zu ihrem Abiturfach gekommen ist. "Und ich fand Astrophysik einfach interessanter." Das Abitur während Corona zu schreiben, findet sie "ein bisschen anstrengend", ihr fehle der Ausgleich durch Sport und das Treffen mit Freunden. Das Herausfordernde am diesjährigen Abitur sei außerdem, die Motivation zu finden und sich zum Lernen zusammenzureißen. "Viele wollten ja nach dem Abi reisen und es sollte einen Abiball geben", sagt sie. "Weil das jetzt alles nicht geht, ist man weniger motiviert." Es sei allen schon klar, das der Abiball nicht stattfinden wird, sagt die 18-Jährige. Sie selbst plant, nach den Prüfungen mit ihrer besten Freundin nach Kroatien zu reisen. Ihren Abschluss feiern wird sie wahrscheinlich mit ihrer Familie, ob ihre Großeltern kommen könnten, sei die Frage. Dass die Feierlichkeiten groß nachgeholt werden, glaubt sie nicht: "Nach der Schule geht ja jeder so seinen eigenen Weg." Ihr Weg führt Jankowetz an die Technische Universität München, wo sie gleich nach dem Abitur Umweltingenieurswesen studieren möchte. "Zuerst hatte ich überlegt, einfach Physik zu studieren", berichtet sie. "Aber unser Lehrer hat immer gesagt, er hätte die Ingenieure von morgen vor sich. So bin ich auf das Ingenieurswesen gekommen." Außerdem möge sie die Naturwissenschaften und könne gut logisch denken.

Roadtrip durch Italien - Neben dem Reisen steht für Alexa Puell noch einiges mehr auf dem Programm

GRÖBENZELL: Porträts von Abiturient:innen 2021

Alexa Puell

(Foto: Leonhard Simon)

Gröbenzell - Die Quarantänezeit nach ihrer privaten Abifahrt hat Alexa Puell vom Gymnasium Gröbenzell schon eingeplant. Wenn die Coronabedingungen es zulassen, möchte sie mit ihrer besten Freundin nach den Abiturprüfungen einen Roadtrip durch Italien machen. "Wenn wir zurückkommen, sind fünf Tage Quarantäne eingeplant und zwei Tage später findet dann die Abiturverleihung statt", sagt sie. Ob es auch einen Abiball geben wird, sei noch nicht sicher. Letztes Jahr sei eine solche Veranstaltung mit Einschränkungen möglich gewesen, damals durften zwei Haushalte gemeinsam an einem Tisch sitzen, sagt die Leiterin des Abiballkomitees. "Das kommt aber auf die Coronalage an." Die 18-Jährige fühlt sich "relativ gut" auf das Abitur vorbereitet, auch wenn sie die Unsicherheiten der vergangenen Wochen und Monate gestresst hätten. "Man wusste nie: Schreibt man Klausuren, hat man Unterricht oder nicht? Man konnte da alles schlecht planen und einschätzen", berichtet Puell. Für das diesjährige Abitur sei viel Eigeninitiative erwartet worden, den Stoff musste sie sich teils selbst aneignen. Vieles sei auch nur im Schnelldurchlauf behandelt worden. Nach dem Abi hat die Stufensprecherin - je nach dem, was Corona zulässt - viel vor: Arbeiten, ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei und im spanischsprachigen Ausland, eine Ausbildung zur Skilehrerin, ein Besuch bei ihrer Gastfamilie in den USA und dann ein Studium. "Da bin ich noch nicht sicher, vielleicht in die wirtschaftliche oder rechtliche Richtung", sagt sie.

In den Motorsport - Anas Izaaryene will Maschinenbau studieren

FÜRSTENFELDBRUCK: Porträts von Abiturient:innen 2021

Anas Izaaryene

(Foto: Leonhard Simon)

Fürstenfeldbruck - Anas Izaaryene hat schon eine klare Vorstellung davon, was er einmal machen möchte. "Mein Ziel ist es, Ingenieur im Motorsportbereich zu werden", sagt er. Passend zu seinen Berufswünschen hat der Schüler des Graf-Rasso-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck während seiner Schulzeit am Technologie-Wettbewerb "Formel 1 in der Schule" teilgenommen. Mit seinem Formel-1-Team überlegt er nun, eine gemeinsame Abiturfahrt zu machen. "Im Wintersemester möchte ich ein Maschinenbaustudium beginnen", sagt der 18-Jährige. Dafür muss er nach seinem Abitur noch ein Praktikum absolvieren. Wo genau, das weiß er noch nicht. Seinem Abitur sieht der Schüler optimistisch entgegen: "Ich bin zuversichtlich, dass ich das schaffe." Man habe jetzt die ganze elfte und zwölfte Klasse Zeit gehabt, sich vorzubereiten, jetzt sei er nur noch dabei, den Stoff für die Prüfungen noch einmal zu wiederholen. Sein Abitur während der Corona-Zeit zu machen, sei "ein bisschen komisch", er habe sich aber daran gewöhnt. Trotzdem: "Den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen, das ist anstrengend." Auf seine Schulzeit blickt Izaaryene zufrieden zurück: "Ich bin ja erst seit der achten Klasse hier auf der Schule, aber diese letzten vier Jahre waren sehr schön." Er habe sich in der Schule sehr gut aufgehoben gefühlt. "Während der Schulzeit hat man sich ja immer mal über kleine Dinge aufgeregt, aber im Großen und Ganzen war das eine klasse Schule."

Karriere als Soldat - Torben Wildgruber fängt bei den Gebirgsjägern an

GRÖBENZELL: Porträts von Abiturient:innen 2021

Torben Wildgruber

(Foto: Leonhard Simon)

Gröbenzell - "Ich würde lieber schon zwei Monate in der Zukunft leben", sagt Torben Wildgruber. Was er in zwei Monaten machen wird, das weiß der Schüler vom Gymnasium Gröbenzell nämlich genau: "Ab dem 1. Juli bin ich Offiziersanwärter im Gebirgsjägerbataillon 232 in Bischofswiesen", sagt er. Noch bevor er sein Abiturzeugnis erhält, beginnt de 17-Jährige also seine Karriere bei der Bundeswehr. "Eigentlich ist das ein Kindheitstraum", erzählt er. Bereits sein Großvater und Vater seien bei der Bundeswehr gewesen, bei seinem Opa sei er "immer mal mitgegangen". Mit seinem Praktikum in der zehnten Klasse beim Transporthubschrauberregiment hätten sich seine Pläne, zum Heer zu gehen, konkretisiert. Über die Bundeswehr möchte er auch Betriebswirtschaftslehre in Hamburg studieren. "Ich möchte auch mal ein bisschen mehr von der Welt sehen als nur Bayern", begründet er die Wahl seines Studienortes. Dass sein Jahrgang durch das Corona-Abitur größere Vor- oder Nachteile haben wird, glaubt er nicht. "Man könnte es als Vorteil auslegen, dass wir leichter an Noten gekommen sind und etwas weniger Stoff fürs Abi haben", sagt er, "gleichzeitig hatten wir ja auch weniger Zeit zum Lernen, weil viele Stunden ausgefallen sind." Er fühle sich aber gut vorbereitet, sei entspannt und guter Dinge. Wie genau er und seine Stufe das Abitur feiern werden, steht noch nicht fest. Falls nichts Größeres möglich ist, wolle er im Familienkreis feiern. "Das Abi ist ja auch nur ein Auftakt, ein Meilenstein, den man erreicht. Aber es kommen noch einige Sachen, die feiernswerter sind und die man dann auch feiern darf", sagt er.

Schulassistenz in Ungarn - Mia Günther will einen Freiwilligendienst absolvieren

SCHÖNGEISING: Porträts von Abiturient:innen 2021

Mia Günther

(Foto: Leonhard Simon)

Fürstenfeldbruck - Für Mia Günther vom Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck geht es nach dem Abitur gleich mit der nächsten Herausforderung weiter: Sie möchte Ungarisch lernen. "Wenn es mit Corona klappt, mache ich nach dem Abi einen Freiwilligendienst in Ungarn", erzählt die Schülerin. Als Schulassistentin möchte sie Kindern dort in Deutsch und bei den Hausaufgaben helfen. Organisiert wird ihr Aufenthalt von der Organisation "Initiative Christen in Europa". Direkt gläubig sei sie aber nicht: "Ich bin irgendwas zwischen Agnostikerin und Christin", sagt die 18-Jährige aus. In ihrer Schule engagiert sie sich vielseitig: Sie sei Stufensprecherin, war im vorigen Jahr Schülersprecherin, bei der Schülermitverantwortung (SMV), im ökumenischen Arbeitskreis und in der Fairtrade-AG aktiv. All diese Projekte hätten ihr über die Jahre sehr geholfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Nebenbei macht sie nun ihr Abitur, das sie als "anders als in den Jahren davor" bezeichnet. "So viel schlimmer nehme ich es aber nicht wahr, das Abitur ist immer eine Herausforderung", sagt die Schülerin. Im Vergleich zu anderen Jahrgängen zu Corona-Zeiten habe ihr Jahrgang wenigstens ein Ziel: das Abitur. "Wir müssen noch einmal richtig lernen und dann sind wir fertig. Andere Schüler lernen gerade irgendwie oder auch nicht und wissen nicht, wo die Reise hingeht." Das sei den Vorteil dabei, während dieser besonderen Zeit den Abschluss zu machen. Pläne, wie sie ihr Abitur feiern wird, hat sie noch nicht. Mit den Eltern anstoßen sei aber das Minimum. "Und was sonst noch geht, wird dann auch gemacht", erklärt sie.

See-Abende mit der Stufe - Charlotte Volkmer plant ein Freiwilliges Soziales Jahr

FÜRSTENFELDBRUCK: Porträts von Abiturient:innen 2021

Charlotte Volkmer

(Foto: Leonhard Simon)

Fürstenfeldbruck - Das Gemeinschaftsgefühl und die Routine in der Schule werden ihr wahrscheinlich fehlen, sagt Charlotte Volkmer, Abiturientin des Graf-Rasso-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck. Sie sei immer sehr gerne in die Schule gegangen. "Nicht vermissen werde ich die ganzen Unsicherheiten", sagt sie über die besonderen Abitursituation dieses Jahr. "Es war ein Auf und Ab und immer mal wieder schwer, sich zu motivieren", erklärt die erste Stufensprecherin. Corona und Abitur, das seien gleich zwei Stressfaktoren. Vor allem die Gemeinschaft und der Ausgleich gehen der Schülerin während ihrer Abiturvorbereitung ab. "Aber jetzt ist das Wetter gut, da geht es auch schon besser", sagt sie. Dass man während der Coronazeit nicht viel machen kann, sei vielleicht auch ein Vorteil. "Man kann nicht von anderen Sachen abgelenkt werden", sagt die 17-Jährige. "Und weil eh keine Partys oder so stattfinden, hat man auch nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen." Feiern möchte die Schülerin ihr Abitur zunächst mit ihrer Familie, außerdem wolle sie mit einem engen Freundeskreis eine Reise machen. "Das schauen wir aber spontan." Bis dahin hoffe sie auf viele See-Abende mit der Stufe. Hat sie ihr Abitur hinter sich, möchte Volkmer ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, entweder in Deutschland oder im Ausland. "In der zehnten Klasse war ich ein Jahr in England, deshalb möchte ich eventuell in ein englischsprachiges Land", erzählt die Schülerin von ihren Plänen. Danach wolle sie studieren, was genau, wisse sie noch nicht. "Ich würde vielleicht in die Richtung Medizin oder Psychologie gehen."

© SZ vom 08.05.2021
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