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Im Landkreis:Kultur hinter Gittern

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Brucker Freizeitmaler: Virus als Kulturkiller

Wer ist hier vor, wer hinter dem Gitter? Das Kunstwerk von Rita Plafka überlässt dem Betrachter die Entscheidung. Repro: Rita Plafka

Die Vorsitzende der Brucker Freizeitmaler thematisiert die Pandemie

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Seit vielen Monaten schränkt der Lockdown nicht nur die Möglichkeiten der in den großen Gruppen und Vereinigungen zusammengeschlossenen Künstler massiv ein. Auch die vielen Hobby- und Freizeitmaler im Landkreis leiden unter den aktuellen Maßnahmen. Nicht nur finden sie keine Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren, auch Gruppentreffen, gemeinsames Arbeiten und Stammtische sind derzeit unmöglich.

Der wohl größte Zusammenschluss dieser Künstler im Landkreis sind die "Brucker Freizeitmaler". Deren Vorsitzende Rita Plafka mischt sich nun mit dem Werk "Hinter Gittern" in die Debatte ein. Es zeigt am linken Bildrand einen Schimpansen in Denkerpose, der vor einem Gitter sitzt. Dahinter ist ein Mann zu sehen, ein Arm ist an einen der Stäbe gelehnt. Während der Blick des Affen nachdenklich nach rechts aus dem Bild gerichtet ist, schaut der Mann den Schimpansen an. Der Gesichtsausdruck ist dabei keiner eindeutigen Stimmung zuzuordnen, glücklich jedenfalls ist er nicht.

Den Bildausschnitt hat Plafka so gewählt, dass der Betrachter nicht sagen kann, wer denn nun "hinter Gittern" ist, dazu sind zu wenige Umgebungsinformationen vorhanden, der Ausschnitt zu klein. Eine Interpretation ist also jedem selbst überlassen, die Betrachtung fordert eine Positionierung geradezu heraus. "Dass die Wirtschaft durch die Lockdowns in einigen Bereichen in den Ruin getrieben wird, ist offensichtlich. Weniger deutlich offenbart sich der kulturelle Schaden: Kein Austausch mehr und ein wesentlicher Teil mentaler Entspannung fehlt", erklärt Plafka: "Noch während des Malens kam der zweite Lockdown und gab dem Ganzen einen anderen Beigeschmack."

Für die Brucker Freizeitmaler war die Ausstellung zum 40-jährigen Bestehen im September 2019 die bisher letzte Möglichkeit, ihre Werke in der Öffentlichkeit zu präsentieren und dabei in den Dialog mit ihren Besuchern zu kommen. "Auch fehlen uns die Stammtischrunden, die viel zur gegenseitigen Inspiration beigetragen haben. Zwar stehen wir über E-Mail und WhatsApp in Verbindung miteinander, aber das ist mühsam und schleppend", so Plafka. Deshalb sei man aktuell dabei, eine Plattform für den internen Austausch aufzubauen. "Wer nur im eigenen Saft schmort, läuft mitunter sogar Gefahr, einseitig zu werden - und dann ist's vorbei mit der Kunst", warnt die Vorsitzende der Freizeitmaler.

Eine wirkliche Lösung für die fehlenden Ausstellungsmöglichkeiten haben die Freizeitmaler bisher nicht gefunden. Eine Online-Präsentation der Werke komme allerdings nicht in Frage, das sei zu aufwendig, werde zu wenig angeschaut und außerdem gebe es dabei kein Feedback. Eine kleine Hoffnung allerdings tut sich in diesen Tagen auf. "Wir suchen nach einer Kirche, die unsere Ausstellung mit dem Thema Heilige Orte aufnimmt. 2015 war sie in der Sankt-Josef-Kirche in Puchheim zu sehen und als Wander-Ausstellung gedacht", so Plafka. Eine Kirche komme deshalb dafür in Frage, weil diese ja weiterhin geöffnet sein dürfen und auch einzeln besucht werden können. Und tatsächlich habe die Erlöserkirche in Fürstenfeldbruck mittlerweile ihre Bereitschaft signalisiert, die Bilder zu zeigen.

© SZ vom 23.01.2021
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