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Im Landkreis:Arbeit in der Kita soll attraktiver werden

Erkältung in Kita oder Schule

Für die Kinderbetreuung ist qualifiziertes und motiviertes Personal erforderlich.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Fürstenfeldbruck beteiligt sich an landesweitem Modellprojekt und will besonders motivierte Auszubildende mit Stipendien an die Stadt binden

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Viele Städte und Gemeinden suchen händeringend Kinderbetreuerinnen und -betreuer. In den acht städtischen Kitas Fürstenfeldbrucks ist die Personalsituation zwar angespannt, der Fachkräftebedarf aber noch weitgehend gedeckt. Um das weiterhin sicherzustellen, soll besonders motivierten und qualifizierten Besuchern von Fachakademien oder Berufsfachschulen ein finanzieller Anreiz gegeben werden, nach dem Ende der Ausbildung in den Einrichtungen der Stadt zu bleiben. Die Stadt beteiligt sich an einem überregionalen Förderprogramm und vergibt zudem für die jeweils zweijährige Schulzeit ein Stipendium.

Der Antrag unter dem Titel "Familienfreundliche Kinderbetreuung sichern - Ausbildung fördern", der von Katrin Siegler, der Referentin für Kitas, sowie Personalreferent Michael Piscitelli (beide CSU) gestellt worden war, wurde am Dienstag von einer großen Mehrheit im Finanzausschuss befürwortet. Unstrittig war vor allem die Teilnahme der städtischen Kindertageseinrichtungen am Modellversuch "Optiprax" des Freistaates Bayern - als Alternative zur regulären Erzieherausbildung. Mit dem Projekt sollen neue Bewerbergruppen angesprochen werden. Beginnend mit dem Schuljahr 2016/2017 startete das Ausbildungsmodell mit optimierten Praxisphasen. Die Träger ausgewählter sozialpädagogischer Einrichtungen schließen dabei einen Vertrag mit den Auszubildenden und garantieren eine Vergütung während der gesamten Ausbildungsdauer, die sich an den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes orientiert. Durch die vergütete Ausbildungsmöglichkeit und die verkürzte Ausbildungszeit von fünf auf vier Jahre sollen in erster Linie Männer, Abiturienten und Quereinsteiger angesprochen und für den Erzieherberuf gewonnen werden.

Zudem wird Fürstenfeldbruck nun in jedem Jahrgang einer geeigneten Erzieherpraktikantin oder einem Praktikanten ein auf zwei Jahre befristetes "Stipendium" in Höhe von monatlich 450 Euro zuzüglich Arbeitgeberausgaben während der Schulabschnitte an der Fachakademie für Sozialpädagogik anbieten. Im Gegenzug soll der oder die Geförderte sich vertraglich dazu verpflichten, sowohl das Anerkennungsjahr in einer städtischen Einrichtung zu absolvieren als auch nach bestandener Abschlussprüfung als staatlich anerkannte Erzieherin beziehungsweise staatlich anerkannter Erzieher bei der Stadt Fürstenfeldbruck tätig zu sein. Nach bestander Abschlussprüfung würde ein solcher Absolvent vereinbarungsgemäß mindestens drei Jahre in einer städtischen Kita bleiben - wechselt er vor der Frist in eine Einrichtung jenseits von Fürstenfeldbruck, müsste er oder sie die Förderung zurückzahlen.

Auch freie Träger von Kitas im Stadtgebiet sollen in Eigenregie jeweils ein solches Stipendium vergeben können. Die Finanzierung würde die Stadt im Falle des Defizits einer Einrichtung letztlich übernehmen. In Fürstenfeldbruck gibt es insgesamt drei Kinderhäuser, acht Kinderkrippen, 15 Kindergärten und fünf Horte. Diese werden von insgesamt zehn Trägern - darunter die Stadt - betrieben.

Willi Dräxler und Hermine Kusch (beide BBV) begrüßen zwar die Teilnahme am "Optiprax"-Modellversuch, sehen aber die Vergabe eines Stipendiums an eine einzelne Person eines Jahrgangs kritisch, weil sie befürchten, dass die Auswahl schwierig werden könnte. Zudem trete man mit zusätzlichen Förderungen in Konkurrenz zu anderen Gemeinden.

Philipp Heimerl (SPD) sieht dies betont entspannt: Sollten andere Gemeinden sich dadurch gezwungen sehen, dem guten Beispiel der Kreisstadt zu folgen und den angehenden Kita-Mitarbeitern mehr zu bezahlen, dann sei das doch zu begrüßen. Heimerl sieht auch keinen Anlass, auf die dreijährige Bindungspflicht für geförderte Absolventen zu verzichten: "Wir investieren und wollen dann auch etwas zurückbekommen." Markus Droth (Freie Wähler) plädierte dafür, in dieses "Brucker Modell" einfach mal einzusteigen und es nach gewisser Zeit noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Ähnlich sieht das Andreas Lohde (CSU): "Wir wollen gute Leute halten". Es sei sinnvoll, nun ein solches Signal zu geben.

© SZ vom 15.04.2021
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