Aus Sicht der Unternehmen im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es noch die eine oder andere Stellschraube, an der in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gedreht werden sollte. Public Private Partnership (PPP), also die Zusammenarbeit von Unternehmen und Staat, ist eines der Zauberwörter. Dabei geht es konkret um Projekte zur Förderung von Start-ups und den noch eher theoretischen gemeinsamen Bau von Lehrlingswohnheimen. Es gibt Handlungsbedarf, das ist klar.
Zum Schlechtreden aber sieht Guido Amendt keinen Grund. Der stellvertretende Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Fürstenfeldbruck sitzt an diesem Tag ganz oben im Meeting-Raum der Firma GeBE Elektronik und Feinwerktechnik. Von dort hat er nicht nur einen guten Überblick übers Germeringer Gewerbegebiet, sondern auch über die Gefühlslage der 15 600 Betriebe, deren Interessen die Industrie- und Handelskammer im Landkreis vertritt. Jene Gefühlslage liegt schwarz auf weiß auf dem Tisch: Die Standortumfrage 2025 dieser „berufsständischen Körperschaft des öffentlichen Rechts“ leuchtet das ganze Spektrum zwischen Wohl und Wehe aus.

Die Gesamtnote von 2,0 wertet Michael Steinbauer, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses, als Beleg für einen Landkreis, der als Unternehmensstandort mit unbestreitbaren Qualitäten aufwartet. Ähnlich sehen das Sandra Pabst, GeBE-Chefin und ebenfalls Stellvertreterin Steinbauers, sowie der für den Landkreis zuständige Referent bei der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, Maximilian Keneder. Um wieder eine Eins vors Komma zu bekommen, hat die IHK-Spitze mit Blick auf die nahenden Kommunalwahlen einen Forderungskatalog an die Kommunalpolitik adressiert.
An der IHK-Standortumfrage haben sich 142, vor allem klein- und mittelständische Unternehmen beteiligt, mehr als die Hälfte beschäftigt bis zu neun Mitarbeiter. Als Stärken werden vor allem die Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie die Breitbandabdeckung bezeichnet. Handlungsbedarf wird beim Bürokratieabbau gesehen, der Begrenzung der Personalkosten, dem Angebot an Fachkräften sowie ihrer Unterbringung in Wohnungen und der Bereitstellung von Gewerbeflächen.

Zentrale Forderungen des IHK-Regionalausschusses sind nach Worten Steinbauers eine moderne Verwaltung – serviceorientiert, digital, schlank, handlungsschnell und unternehmerfreundlich. Auf der Wunschliste stehen „Fast-Lanes“ für gewerbliche Kunden ebenso wie Beschwerde- und Verbesserungsmanagement in Rathäusern. Manchmal würde bereits ein mit Entscheidungsbefugnis ausgestatteter Ansprechpartner in einer mittelstandsfreundlichen Kommunalverwaltung viel bewirken, beispielsweise wenn es um eine schnelle Genehmigung geht.

Mehr Rückenwind erhofft sich der Regionalausschuss für die duale Ausbildung, also die Kombination aus Berufsschule und praktischer Tätigkeit. Denn beruflich qualifizierte Fachkräfte seien „das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe“. Die IHK will im Landkreis noch stärker und enger mit Schulen kooperieren, etwa in Form von Projekten der Berufsorientierung sowie Praktika. Oder wie wäre es mit einem Schulausflug zu einem interessanten Unternehmen? Berufsintegrationsklassen gelte es ebenso zu unterstützen wie Spracheingangsklassen und die Vermittlung praxisnaher Englischkenntnisse. Mit ihrem Start-up-School-Cup hat die IHK längst ein Eisen bei den Gymnasien des Landkreises Fürstenfeldbruck im Feuer.
Die besten Wirtschaftsbedingungen und die motiviertesten Auszubildenden und angehenden Fachkräfte nützen freilich wenig, wenn diese mangels erschwinglicher Wohnungen auf der Straße stehen. Deshalb würde sich Sandra Pabst wünschen, dass Städte und Verwaltungen bereit sind, gemeinsam ungewöhnliche Wege zu gehen. So könnten die Kommunen Flächen zur Verfügung stellen, die dann von einem Verbund aus Unternehmen mit einem Lehrlingswohnheim bebaut werden. Vorbilder gibt es: etwa das Münchner „Azubi-Werk“.

Auf weiteren Feldern wünscht sich der IHK-Regionalausschuss intensivere Kooperationen. Vor ein paar Wochen saß man mit dem Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister Christian Götz (BBV) zusammen. In dessen Stadt hat eine sehr breite Mehrheit des Stadtrats vor vier Jahren Start-ups die Zwischennutzung eines Bürogebäudes zu günstigen Mieten ermöglicht. Bis das Areal an der Amper bebaut wird, können sich dort junge Unternehmen zu einem kreativen Cluster unter dem Dach des „Ampersite“ zusammenfinden, Synergieeffekte inklusive. Das Konzept bezeichnen die IHK-Experten ausdrücklich als wegweisend – und loben in einem Atemzug gleich das „Gründwerk“ in Dachau mit seinen auf die Bedürfnisse von Start-ups zugeschnittenen Co-Working-Bereichen.

Solche Initiativen könnten sich langfristig positiv auf die Gewerbeanmeldungen auswirken. Denn hier schwächelt der Landkreis Fürstenfeldbruck etwas, wie ein Blick auf die IHK-Strukturdaten zeigt: Von 2018 bis 2023 ist die Zahl der Gewerbeanmeldungen von 2134 auf 2109 und damit um gut ein Prozent zurückgegangen – während Oberbayern mit 0,4 Prozent stabil lag und ganz Bayern sogar um fast fünf Prozent zulegte.

Guido Amendt erhofft sich auch von Innovationen im Bereich der Mobilität weitere Impulse für die Wirtschaft. Er will den Landkreis zur Pilotregion für autonomes Fahren machen. Auf Grundlage einer Mobilitätsstudie soll eine Strecke ausgewählt werden – etwa von Maisach nach Germering – und ein fahrerloser Bus den Testbetrieb aufnehmen. Für Mitarbeiter der teilnehmenden Betriebe könnte das auf dem Arbeitsweg eine Alternative darstellen zum eigenen Auto und zum vorhandenen öffentlichen Nahverkehr.

Ferne Vision, Science Fiction? Nicht in forschungsaffinen chinesischen oder US-amerikanischen Regionen, mit denen die Münchner Region konkurriert. Michael Steinbauer und seine Mitstreiter sehen die IHK in einer nicht unbedingt freiwilligen Vordenkerrolle: „Wir gestalten die Zukunft, bevor die Zukunft uns gestaltet.“
Informationen zum laufenden IHK Start-up-School-Cup (Schuljahr 2025/2026) mit 15 teilnehmenden Schulen unter Fürstenfeldbruck/Landsberg 2026 | Startup School Cup

