Auswertung der IHK-StandortumfrageEine gute Zwei für den Landkreis Fürstenfeldbruck

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In München betreibt der evangelische Handwerkerverein bereits ein Wohnheim für Auszubildende mit langen Arbeitswegen. Ein Beispiel, das nach Überzeugung der IHK auch in Landkreisen wie Fürstenfeldbruck Schule machen könnte.
In München betreibt der evangelische Handwerkerverein bereits ein Wohnheim für Auszubildende mit langen Arbeitswegen. Ein Beispiel, das nach Überzeugung der IHK auch in Landkreisen wie Fürstenfeldbruck Schule machen könnte. Stephan Rumpf
  • Die IHK-Standortumfrage 2025 bewertet den Landkreis Fürstenfeldbruck mit der Gesamtnote 2,0 als attraktiven Unternehmensstandort.
  • 142 Unternehmen sehen Handlungsbedarf bei Bürokratieabbau, Fachkräftemangel, Wohnungsangebot und schnelleren Verwaltungsabläufen.
  • Die IHK fordert Public Private Partnership-Projekte wie gemeinsame Lehrlingswohnheime und will den Landkreis zur Pilotregion für autonomes Fahren machen.
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Der Regionalausschuss der Industrie- und Handelskammer bescheinigt dem Landkreis gute Werte, formuliert aber auch Wünsche. Dabei setzt er auf Kooperationen von Unternehmen und Kommunen bei Bildung, Start-up-Förderung – und bald vielleicht sogar dem Bau von Lehrlingswohnheimen.

Von Stefan Salger, Germering

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Aus Sicht der Unternehmen im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es noch die eine oder andere Stellschraube, an der in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gedreht werden sollte. Public Private Partnership (PPP), also die Zusammenarbeit von Unternehmen und Staat, ist eines der Zauberwörter. Dabei geht es konkret um Projekte zur Förderung von Start-ups und den noch eher theoretischen gemeinsamen Bau von Lehrlingswohnheimen. Es gibt Handlungsbedarf, das ist klar.

Zum Schlechtreden aber sieht Guido Amendt keinen Grund. Der stellvertretende Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Fürstenfeldbruck sitzt an diesem Tag ganz oben im Meeting-Raum der Firma GeBE Elektronik und Feinwerktechnik. Von dort hat er nicht nur einen guten Überblick übers Germeringer Gewerbegebiet, sondern auch über die Gefühlslage der 15 600 Betriebe, deren Interessen die Industrie- und Handelskammer im Landkreis vertritt. Jene Gefühlslage liegt schwarz auf weiß auf dem Tisch: Die Standortumfrage 2025 dieser „berufsständischen Körperschaft des öffentlichen Rechts“ leuchtet das ganze Spektrum zwischen Wohl und Wehe aus.

Die Gesamtnote von 2,0 wertet der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses als Beleg für einen für Unternehmen attraktiven Landkreis: Michael Steinbauer (links) mit IHK-Referent Max Keneder.
Die Gesamtnote von 2,0 wertet der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses als Beleg für einen für Unternehmen attraktiven Landkreis: Michael Steinbauer (links) mit IHK-Referent Max Keneder. Stefan Salger

Die Gesamtnote von 2,0 wertet Michael Steinbauer, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses, als Beleg für einen Landkreis, der als Unternehmensstandort mit unbestreitbaren Qualitäten aufwartet. Ähnlich sehen das Sandra Pabst, GeBE-Chefin und ebenfalls Stellvertreterin Steinbauers, sowie der für den Landkreis zuständige Referent bei der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, Maximilian Keneder. Um wieder eine Eins vors Komma zu bekommen, hat die IHK-Spitze mit Blick auf die nahenden Kommunalwahlen einen Forderungskatalog an die Kommunalpolitik adressiert.

An der IHK-Standortumfrage haben sich 142, vor allem klein- und mittelständische Unternehmen beteiligt, mehr als die Hälfte beschäftigt bis zu neun Mitarbeiter. Als Stärken werden vor allem die Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie die Breitbandabdeckung bezeichnet. Handlungsbedarf wird beim Bürokratieabbau gesehen, der Begrenzung der Personalkosten, dem Angebot an Fachkräften sowie ihrer Unterbringung in Wohnungen und der Bereitstellung von Gewerbeflächen.

Weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung, schnellere Abläufe in den Amtsstuben oder, wie hier, in den Gerichten: Das wünschen sich nicht nur Bürgerinnen und Bürger, sondern auch Unternehmen.
Weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung, schnellere Abläufe in den Amtsstuben oder, wie hier, in den Gerichten: Das wünschen sich nicht nur Bürgerinnen und Bürger, sondern auch Unternehmen. Patrick Pleul

Zentrale Forderungen des IHK-Regionalausschusses sind nach Worten Steinbauers eine moderne Verwaltung – serviceorientiert, digital, schlank, handlungsschnell und unternehmerfreundlich. Auf der Wunschliste stehen „Fast-Lanes“ für gewerbliche Kunden ebenso wie Beschwerde- und Verbesserungsmanagement in Rathäusern. Manchmal würde bereits ein mit Entscheidungsbefugnis ausgestatteter Ansprechpartner in einer mittelstandsfreundlichen Kommunalverwaltung viel bewirken, beispielsweise wenn es um eine schnelle Genehmigung geht.

Siegerehrung beim IHK-„Start-up-School-Cup“:  Die Teams des Carl-Spitzweg-Gymnasiums Germering, des Gymnasiums Gröbenzell, des Gymnasiums Olching, des Max-Born-Gymnasiums Germering sowie des Viscardi-Gymnasiums Fürstenfeldbruck waren beim Finale im Juni mit ihren Geschäftsideen auf Teams aus Freiham, Gilching und Sankt Ottilien getroffen.  Unten links: Max Keneder und Jürgen Biffar, unten rechts: Michael Steinbauer (alle IHK).
Siegerehrung beim IHK-„Start-up-School-Cup“: Die Teams des Carl-Spitzweg-Gymnasiums Germering, des Gymnasiums Gröbenzell, des Gymnasiums Olching, des Max-Born-Gymnasiums Germering sowie des Viscardi-Gymnasiums Fürstenfeldbruck waren beim Finale im Juni mit ihren Geschäftsideen auf Teams aus Freiham, Gilching und Sankt Ottilien getroffen.  Unten links: Max Keneder und Jürgen Biffar, unten rechts: Michael Steinbauer (alle IHK). Friedrich Koopmann/IHK

Mehr Rückenwind erhofft sich der Regionalausschuss für die duale Ausbildung, also die Kombination aus Berufsschule und praktischer Tätigkeit. Denn beruflich qualifizierte Fachkräfte seien „das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe“. Die IHK will im Landkreis noch stärker und enger mit Schulen kooperieren, etwa in Form von Projekten der Berufsorientierung sowie Praktika. Oder wie wäre es mit einem Schulausflug zu einem interessanten Unternehmen? Berufsintegrationsklassen gelte es ebenso zu unterstützen wie Spracheingangsklassen und die Vermittlung praxisnaher Englischkenntnisse. Mit ihrem Start-up-School-Cup hat die IHK längst ein Eisen bei den Gymnasien des Landkreises Fürstenfeldbruck im Feuer.

Die besten Wirtschaftsbedingungen und die motiviertesten Auszubildenden und angehenden Fachkräfte nützen freilich wenig, wenn diese mangels erschwinglicher Wohnungen auf der Straße stehen. Deshalb würde sich Sandra Pabst wünschen, dass Städte und Verwaltungen bereit sind, gemeinsam ungewöhnliche Wege zu gehen. So könnten die Kommunen Flächen zur Verfügung stellen, die dann von einem Verbund aus Unternehmen mit einem Lehrlingswohnheim bebaut werden. Vorbilder gibt es: etwa das Münchner „Azubi-Werk“.

Platz für bis zu neun Start-ups im Zuge einer Zwischennutzung: Das Ampersite in Fürstenfeldbruck hat die Stadt im einstigen Geschäftsführerhaus der Stadtwerke an der Amper eingerichtet.
Platz für bis zu neun Start-ups im Zuge einer Zwischennutzung: Das Ampersite in Fürstenfeldbruck hat die Stadt im einstigen Geschäftsführerhaus der Stadtwerke an der Amper eingerichtet. Stefan Salger

Auf weiteren Feldern wünscht sich der IHK-Regionalausschuss intensivere Kooperationen. Vor ein paar Wochen saß man mit dem Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister Christian Götz (BBV) zusammen. In dessen Stadt hat eine sehr breite Mehrheit des Stadtrats vor vier Jahren Start-ups die Zwischennutzung eines Bürogebäudes zu günstigen Mieten ermöglicht. Bis das Areal an der Amper bebaut wird, können sich dort junge Unternehmen zu einem kreativen Cluster unter dem Dach des „Ampersite“ zusammenfinden, Synergieeffekte inklusive. Das Konzept bezeichnen die IHK-Experten ausdrücklich als wegweisend – und loben in einem Atemzug gleich das „Gründwerk“ in Dachau mit seinen auf die Bedürfnisse von Start-ups zugeschnittenen Co-Working-Bereichen.

Das Gründwerk in Dachau hilft Start-ups (hier  Mitglieder der Initiative Leben und Arbeiten im Landkreis Dachau).
Das Gründwerk in Dachau hilft Start-ups (hier  Mitglieder der Initiative Leben und Arbeiten im Landkreis Dachau). Niels P. Jørgensen

Solche Initiativen könnten sich langfristig positiv auf die Gewerbeanmeldungen auswirken. Denn hier schwächelt der Landkreis Fürstenfeldbruck etwas, wie ein Blick auf die IHK-Strukturdaten zeigt: Von 2018 bis 2023 ist die Zahl der Gewerbeanmeldungen von 2134 auf 2109 und damit um gut ein Prozent zurückgegangen – während Oberbayern mit 0,4 Prozent stabil lag und ganz Bayern sogar um fast fünf Prozent zulegte.

Innovative Mobilität und Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen stellen die beiden stellvertretenden Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses, Sandra Pabst und Guido Amendt (rechts) vor.
Innovative Mobilität und Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen stellen die beiden stellvertretenden Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses, Sandra Pabst und Guido Amendt (rechts) vor. Stefan Salger

Guido Amendt erhofft sich auch von Innovationen im Bereich der Mobilität weitere Impulse für die Wirtschaft. Er will den Landkreis zur Pilotregion für autonomes Fahren machen. Auf Grundlage einer Mobilitätsstudie soll eine Strecke ausgewählt werden – etwa von Maisach nach Germering – und ein fahrerloser Bus den Testbetrieb aufnehmen. Für Mitarbeiter der teilnehmenden Betriebe könnte das auf dem Arbeitsweg eine Alternative darstellen zum eigenen Auto und zum vorhandenen öffentlichen Nahverkehr.

Von einem Modellprojekt Autonomes Fahren könnten Guido Amendt zufolge Beschäftigte profitieren, die so den Weg zur Arbeitsstätte zurücklegen könnten.
Von einem Modellprojekt Autonomes Fahren könnten Guido Amendt zufolge Beschäftigte profitieren, die so den Weg zur Arbeitsstätte zurücklegen könnten. Jens Büttner/dpa

Ferne Vision, Science Fiction? Nicht in forschungsaffinen chinesischen oder US-amerikanischen Regionen, mit denen die Münchner Region konkurriert. Michael Steinbauer und seine Mitstreiter sehen die IHK in einer nicht unbedingt freiwilligen Vordenkerrolle: „Wir gestalten die Zukunft, bevor die Zukunft uns gestaltet.“

Informationen zum laufenden IHK Start-up-School-Cup (Schuljahr 2025/2026) mit 15 teilnehmenden Schulen unter Fürstenfeldbruck/Landsberg 2026 | Startup School Cup

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