Ist der Igel in Not? Ja, das ist er. Und nicht nur deshalb, weil er buchstäblich unter die Räder kommt. Er „befindet sich auch in Konflikt mit vielen ordentlich geschorenen Gärten“, sagt Eugenie Scherb vom Bund Naturschutz (BN) gleich zu Beginn ihres Vortrags. Der Igel, immerhin zum Tier des Jahres 2024 auserkoren, hat es immer schwerer. Er findet vor unseren Haustüren immer seltener einen passenden Lebensraum und genügend Nahrung. Was helfen würde?„Wir brauchen menschen- und tierfreundliche Gärten“, so die BN-Kreisvorsitzende beim Igel-Lernabend im Maisacher Braustüberl vor 40 Besucherinnen und Besuchern.
Dass der Igel nachtaktiv ist, ist bekannt. Dass er nachts aber bis zu zehn Kilometer zurücklegt, ist für viele überraschend. Der Igel kann auch flott laufen: zwei bis drei Stundenkilometer im Dauerlauf und neun im Sprint. Diese Werte hat die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich ermittelt. Der Igel, das Stacheltier, stößt durchaus auf Sympathie bei den Menschen. „Er bedroht uns nicht“, sagt Scherb „und nimmt uns nichts weg.“ Auch wenn er manchmal laut schnaufend durch den Garten rennt. „Igel sind laute Tiere“, weiß die Scherb. Es werde zwischen dem Braunbrustigel, der bei uns vorkommt, und dem Weißbrustigel ab Sankt Pölten in Österreich in Richtung südöstliches Europa unterschieden.

Was macht den Igel aus? Natürlich die Stacheln. „Die können nachwachsen“, so Scherb. Stacheln habe er in unseren Breiten, woanders Haare. Mit seiner spitzen Schnauze kann er prima graben und riechen. Gute Ohren hat er auch, und die Fähigkeit, seine Haut über sich zu ziehen, also mit den Stacheln nach oben, um sich zu schützen. Das misslingt ihm jedoch, wenn ein Auto ihn überfährt. Seine Stacheln wirken dann nicht mehr als Stoßdämpfer. Igel können auch gut schwimmen und sich mit ihren kräftigen Muskeln an Treppen hochziehen. Das nachtaktive Tier schläft tagsüber, auch mal im Garten. „Da ist natürlich ein Mähroboter sehr gefährlich für einen Igel“, erklärt Scherb. Deshalb empfiehlt auch Heinz Kraus, der zweite Experte des Bundes Naturschutz, Gartenbesitzern, auf so eine „Mähmaschine“ zu verzichten, dem Stacheltier ein schönes Umfeld zu schaffen und auf den Einsatz von Spritzmitteln zu verzichten. „Bitte keinen Beton und Asphalt und auch keinen Steingarten“, erklärt Kraus leidenschaftlich.
Zum Überwintern hilft ein Laubhaufen
Der Igel versteckt sich in den Gärten gerne und sucht dort nach Futter. Dazu sei kein Igelhäuschen nötig, sondern eher ein offener Schnitthaufen mit Laub und verdorrten Pflanzen. „Ein Kubikmeter Laub würde den Igel im Winter erfreuen“, sagt Scherb und hängt damit die Messlatte ziemlich hoch. Der Igel ernährt sich hauptsächlich von Insekten im Garten, aber auch von Regenwürmern und Schnecken - Nacktschnecken verschmäht er jedoch. Kraus: „Eine Blumenwiese, die nur ein-, zweimal gemäht wird im Jahr, wäre schon.“ Der Igel habe ein großes Revier mit 15 bis 20 Gärten, deshalb sollten die Zäune Durchgänge für ihn haben.
2024 war ein ganz schlechtes Igeljahr, sagt Eugenie Scherb
Der Igel ist Einzelgänger und lebt durchschnittlich nur zweieinhalb Jahre. Er bekommt maximal zweimal Nachwuchs in seinem Leben; nach einer Tragezeit von 35 Tagen pro Wurf zwei bis zehn Junge. Den Nachwuchs, der in der Regel im September auf die Welt kommt, gilt es zu schützen und am Leben zu halten. „2024 war ein ganz schlechtes Igeljahr“, so Eugenie Scherb. Warum, das weiß niemand so recht. Die Gefahren durch andere Raubtiere sind begrenzt. Der Eulenvogel vergreift sich mal an einem Igel, auch der Marder oder der Fuchs, aber die Katze scheut die Stacheln. Letztlich ist es neben dem Autoverkehr der Nahrungsmangel durch zu stark aufgeräumte Gärten und zu kleine Wiesenflächen, die dem Tier zu schaffen machen.
Der Winterschlaf des Igels, so die aktuellen Beobachtungen, hat sich dramatisch verkürzt. Es sind nur noch zwei Monate von Mitte Dezember bis Mitte Februar. Heinz Kraus appelliert an alle Hausbesitzer, auch im Interesse des Igels ihre Gärten zum Blühen zu bringen und Schottergärten wieder abzuschaffen. Die Igelhilfe in Gröbenzell möge man nur in Notfällen benachrichtigen. Tierärzte, so Scherb, seien für das Wildtier Igel nicht zuständig.
Weitere Informationen unter Igelhilfe Fürstenfeldbruck.

