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Ideenwettbewerb:Bruck beginnt mit Fliegerhorstplanung

Abschlussappell des Offizierlehrganges im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, 2019

Wann genau die Bundeswehr den Standort Bruck aufgibt, ist weiter offen (hier der Abschlussappell des Offizierslehrganges im September).

(Foto: Matthias F. Döring)

Der Stadtrat beschließt eine Ausschreibung und beendet damit den zweijährigen Stillstand. Die Interessen der Nachbarkommunen sollen "im Austausch" berücksichtigt werden

Die Kreisstadt will mit einem Ideenwettbewerb herausfinden, wie sich der Fliegerhorst nach dem Abzug der Bundeswehr gestalten ließe. Dabei geht es vor allem um das Verhältnis von Wohnen und Gewerbe. Die benachbarten Kommunen sollen in die Planungen eingebunden werden. Bruck hofft darauf, dass sie trotz der jüngst geplatzten Gründung eines interkommunalen Zweckverbands das millionenschwere Vorhaben nicht aus Eigeninteresse blockieren.

In seiner letzten Sitzung vor der Weihnachtspause beschloss der Stadtrat mit großer Mehrheit, einen städtebaulichen Ideenwettbewerb auszuschreiben - "im Austausch" mit den Nachbarkommunen und dem Grundstückseigentümer, der bundeseigenen Immobilienagentur Bima. Nicht durchsetzen konnte sich Franz Neuhierl (Freie Wähler), der sich für eine Formulierung einsetzte, die Maisach, Emmering und Olching eine engere "Abstimmung" und damit mehr Mitspracherecht in Aussicht stellen würde.

Konversionsmanagerin Nadja Kripgans-Noisser machte deutlich, dass sich der Handlungsbedarf auch durch den von 2023 auf mindestens 2026 verschobenen Abzug der Bundeswehr vom Standort Fürstenfeldbruck nicht wesentlich kleiner geworden ist. Denn von der Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs zu einem konkreten Konzept und der Erteilung von Baugenehmigungen ist es ein weiter Weg, zumal es sich um ein gut 200 Fußballfelder großes Gebiet handelt, auf dem sich zahlreiche unter Denkmalschutz stehende Gebäude befinden und in dessen Boden in Form von Blindgängern und chemischen Altlasten noch so einige böse Überraschungen lauern dürften. Stadtjurist Christian Kieser rechnet mit fünf Jahren allein für das Untersuchungs- und Planungsprozedere. Genügend Zeit soll auch für die Beteiligung der Bevölkerung bleiben. Schließlich sollen im Nordosten der Kreisstadt ein ganzes Quartier für mehrere Tausend zusätzliche Bewohner sowie Bereiche für Gewerbe entstehen. Und der Komplex der Offizierschule, das sogenannte Blaue Palais, ließe sich nach dem Umzug von Schülern und Lehrern nach Roth wohl am besten von einer Bildungseinrichtung nutzen.

Klaus Wollenberg (FDP) sieht gleichwohl keinen Anlass für Aktionismus. Er erinnerte daran, dass die Bundeswehr eigentlich bereits 2018 habe abziehen wollen. Und auch sein Fraktionskollege Herwig Bahner, selbst Leiter des im Fliegerhorst ansässigen Dienstleistungszentrums der Bundeswehr, hegt Zweifel, ob die Schließung des Standorts angesichts der weltpolitischen Sicherheitslage überhaupt noch ausgemachte Sache ist. Wollenberg warnte vor einem aufwendigen und teuren Wettbewerb, dessen Ergebnisse dann möglicherweise in der Schublade landen oder veraltet sind, wenn der Fliegerhorst dann doch für die zivile Nutzung frei wird. Sinnvoller sei es, zuerst einmal den Konsens mit den Nachbarn zu suchen statt diese vor vollendete Tatsachen zu stellen. Ähnlich sieht es Jens Streifeneder (BBV), der davor warnte, die Nachbargemeinden "vor den Kopf zu stoßen". So beschere eine Bebauung des Fliegerhorsts beispielsweise Olching Mehrverkehr, weshalb die Stadt ein berechtigtes Interesse an einer Mitgestaltung habe. Streifeneder bedauert es, dass Fürstenfeldbruck sich gegen die Gründung eines Zweckverbandes ausgesprochen hat. In einem solchen Zweckverband wären die Gemeinden auf Augenhöhe beteiligt gewesen. Dadurch wäre aber auch die Planungshoheit der Kreisstadt beschnitten worden. Die von Bruck angebotene Alternative, eine etwas unverbindlichere Arbeitsgemeinschaft, hatten wiederum die Nachbarn abgelehnt.

Eine klare Mehrheit im Stadtrat will nun selbst die grundlegenden Weichen stellen - und gleichzeitig die Nachbarn im Boot behalten. Denn auf die ist Bruck angewiesen: Sollen sie doch darauf verzichten, neben geplanten Wohnbereichen auf ihren angrenzenden Flächen Gewerbegebiete auszuweisen und auch die erforderlichen Zufahrten zum Fliegerhorst nicht zubauen. "Wir brauchen die Nachbarn", betonen denn auch Oberbürgermeister Erich Raff und Andreas Lohde (beide CSU). Gleichwohl soll es nun "nach zwei Jahren Stillstand durch das Moratorium" (Planungsreferent Christian Stangl, Grüne) weitergehen, um anschließend konkrete "Inhalte" mit den Nachbarn zu besprechen.

© SZ vom 23.12.2019

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