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I love my Bruck:Liebeslieder hinter Klostermauern

Im Veranstaltungsforum Fürstenfeld kommen Elektro-Fans beim vierten I-love-my-Bruck-Festival auf ihre Kosten. Acht DJs legen auf.

Anna Therese Müller

Für Teufelswerk hätte es Herzog Ludewig der Strenge wohl gehalten, wenn die Klostermauern seinerzeit nachts vibriert hätten und 1300 Jungs und Mädels in Baggy-Jeans und kurzen Röcken rhythmisch-zuckend durch die Säle gewandert wären. Schade eigentlich, dass der Herzog, der Kloster Fürstenfeld vor 750 Jahren erbauen ließ, am Samstag nicht miterleben konnte, dass das Treiben weniger auf den Belzebub denn auf acht Elektro-DJs zurückzuführen war: Sie alle legten beim I-love-my-Bruck-Festival im Veranstaltungsforum auf und brachten die Menge bis in die frühen Morgenstunden zum Tanzen.

Wo nicht weit entfernt vor 200 Jahren noch Mönche nach dem letzten Gebet das sogenannte große Stillschweigen begonnen haben, wabert es am Samstag bereits um 21 Uhr elektronisch aus etlichen Boxen.

In vier verschiedenen Bereichen findet die Party statt, teils vor alter, teils vor neuer Kulisse. Genau diese Location ist es, die das I-love-my-Bruck-Festival zu etwas wirklich Besonderem macht: Der Mix aus historischem Mauerwerk und modernen Glas-Elementen scheint für ein solches Event wie geschaffen zu sein. "Unvergleichlich" ist es zumindest für Klaus Hörhager alias DJ K-Louis, einer der vier Organisatoren, die das Festival seit 2008 jährlich veranstalten. So etwas suche man in der Party-Metropole München vergeblich, sagt Hörhager.

Am eindrucksvollsten wirkt das alte Gebäude im Säulensaal, am Samstag der "Tech House Floor": Er ist mit knapp 200 Quadratmetern der kleinste Saal. Die massiven Mauern mit ihren kleinen Fenstern kommen hier besonders zur Geltung und entfalten durch den Kontrast zur modernen Musik einen ganz speziellen Reiz, eine ganz besondere Stimmung. Höhlen sind Elektro-Clubs quasi immer: nicht wirklich weitläufig und sehr dunkel. Meistens sind sie entweder ziemlich heruntergekommen oder modern und clean. Ein richtig alter, sozusagen ein Originalbau aus dem Mittelalter, also mit tendenziell gruseliger Geschichte, ist relativ selten und bedeutet eine spannende Steigerung der Höhlen-Atmosphäre.

Drei Tage lang war das Veranstaltungsforum für das Festival am Samstag aufwendig in Szene gesetzt worden. Effekte mit Licht und Bildern, im Fachjargon Visuals, werden von Fachleuten an die Wände geworfen und sorgen für optische Unterhaltung, passend zur Musik. Im knapp 800 Quadratmeter großen, modernen Stadtsaal, der zum "Main Floor" ernannt wurde, finden leicht mehrere hundert Tanzende Platz. An einer Stirnseite ist über die gesamte Länge eine monströse Bühne aufgebaut, darauf ein DJ-Pult mit Zweien, die auflegen. "Allein für die DJs haben wir weit mehr als 20000 Euro ausgegeben", sagt einer der Veranstalter. Das Programm mit Elektro-Größen wie Mandy, Kaiserdisco und Laserkraft 3D kann sich dementsprechend sehen lassen.

Wer kurz durchschnaufen will, hat dazu im Foyer, wo eine Lounge mit Sofas aufgebaut ist, und im "Outdoor Garden" Gelegenheit, wo DJ Emkay bis Mitternacht groovigen House auflegt. Dort sind Sonnenstühle aufgestellt, die zwar niederschlagsbedingt unbesetzt bleiben, aber zusammen mit der Cocktail-Bar und einem Pizza-Stand trotzdem für Sommergarten-Flair sorgen.

Ihrer Liebe zu Bruck geben viele Besucher erst gegen 1 Uhr morgens nach, dann erst sind die Räume gut gefüllt. Dennoch kommen statt der erwarteten 1600 "nur" etwa 1300 Besucher, Schuld daran hat wohl auch das widrige Wetter. Von dem Spektakel nicht abhalten lassen hat sich jedoch Jan Halbauer. Der 27-jährige Maisacher ist sich sicher: "Das ist eine der besten Veranstaltungen hier im Landkreis". Doch die Preise zwischen zwölf und 20 Euro seien "teuer und schrecken sicher einige Leute ab", meint er. Die Veranstalter sind jedenfalls zufrieden, bis halbsechs Uhr morgens feiern die letzten Festival-Besucher. Pünktlich zu der Stunde, in der die alten Mönche ihr Tagwerk begonnen hätten. So ändern sich die Zeiten.

© SZ vom 13.07.2011

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